Testbericht

Samsung Nexus S im Test - Das Google-Flaggschiff

Das neue Google-Handy Nexus S wird mit Android 2.3 ausgeliefert und kann unter anderem einen NFC-Chip vorweisen. Wir haben das Smartphone ausführlich getestet.

Samsung Galaxy Nexus© Samsung

Ganz ähnlich sieht es bei Videos aus, die mit einer maximalen Auflösung von 720x480 Pixeln (kein HD!) gedreht werden können. Qualitativ richtig brauchbare Filmchen lassen sich unter freiem Himmel bei Tageslicht aufnehmen. Ganz anders sieht es bei weniger optimalen Lichtverhältnissen aus. Dann werden die Schwächen der kleinen Kameralinse mehr als deutlich. Hinzu kommt: das Mikrofon ist kaum in der Lage, brauchbare Aufnahmen zu liefern. Insbesondere bei einem hohen Lautstärkepegel - zum Beispiel wie in unserem Testvideo in einem Eishockeystadion - mutiert der aufgenommene Ton zu einem blechernen, fast nicht zu verstehenden Geräuschemix. Schade.

Ein Manko ist einmal mehr der mitgelieferte Akku (Li-Ion 1.500 mAh), der insbesondere dann eine Enttäuschung ist, wenn es zu häufigen Daten-Synchronisationen kommt. Das Handy einmal pro Tag an die Stromquelle zu hängen, daran sollte man sich in einem solchen Fall gewöhnen. Wird aber insbesondere die E-Mail-Synchronisation abgeschaltet, hält der Akku bei normaler Nutzung auch schon mal 24 bis 48 Stunden. Mehr ist aber bei einem smartphonetypischen Einsatz nicht drin. Die im Produktdatenblatt versprochenen knapp 30 Tage Bereitschaftszeit sind jedenfalls nicht realistisch. Die maximal mögliche Sprechzeit liegt nach Herstellerangaben in UMTS-Netzen bei knapp 7 Stunden und bei bis zu 17 Stunden in klassischen GSM-Netzen.

Daten-Flatrate macht Sinn

Generell sollten sich Nutzer eines Android-Handys darüber im Klaren sein, dass ihr Smartphone darauf ausgelegt ist, das mobile Internet zu nutzen. Das heißt, viele Apps und Anwendungen nehmen (auch ungefragt) Verbindung mit dem Internet auf, um zum Beispiel Benutzerkonten zu synchronisieren. Wer das vermeiden will, sollte in den Einstellungen nicht nur die automatische Synchronisierung deaktivieren, sondern auch die Übertragung von Hintergrunddaten. Dann macht die Nutzung eines Smartphones aber nur noch halbsoviel Spaß. Die Buchung einer Handy Internet Flat ist daher empfehlenswert. Kostenpunkt: circa 10 Euro monatlich.

Schade ist auch, dass dem Nexus S zwar ein MP3-Player spendiert, auf die Integration eines Radios aber verzichtet wurde. Musikalische Unterhaltung gibt es also nur eingeschränkt. Zudem hat das Smartphone keine Status LED zu bieten. Verpasste Anrufe oder eingegangene SMS werden nur dann sichtbar, wenn ein Blick auf das Display geworfen wird. Das Schreiben von SMS ist über die virtuellen QWERTZ-Tastaturen sowohl im Hoch- als auch im Querformat gut möglich. Etwas störend ist, dass das integrierte Wörterbuch die geschriebenen Worte teilweise falsch verbessert.

Nicht schlecht gestaunt haben wir im Übrigen noch an ganz anderer Stelle. Kurz nach erster Inbetriebnahme des Samsung Nexus S warum auf dem Gerät automatisch all jene Apps zu finden, die wir einige Wochen zuvor auf unserem Testmodell des Samsung Galaxy Ace installiert hatten. Außerdem kannte das Nexus S bereits das Passwort eines privat genutzten WLAN-Routers. Wie kann das sein? Die Antwort ist simpel. So genannte Google Experience Devices (GED), zu denen neben dem Galaxy Ace unter anderem auch das Nexus S zählt, erstellen eine Art Sicherung des mobil genutzten, persönlichen Google-Kontos samt aller genutzten Apps. Und sofern es der Nutzer wünscht, wird mit dem ersten Start eines neuen GED ein Daten-Abgleich gestartet, der alle zuletzt installierten Apps automatisch auf das neue Smartphone lädt. Nebenbei bemerkt: auch das Adressbuch des Nexus S lässt sich mit einer Online-Kontaktsammlung von Google (www.google.de/contacts) synchronisieren.

Bleibt noch eine Frage: was kostet das Nexus S überhaupt? Ein Schnäppchen ist das Smartphone sicherlich nicht, aber das kann auch niemand bei den vielen nutzbaren Funktionen erwarten. Ohne Vertrag ist das Telefon momentan ab circa 425 Euro erhältlich. Bei Amazon kostet es rund 450 Euro. Wer gleichzeitig einen Vertrag abschließt, kann bei Vodafone ab 99,90 Euro zuschlagen, bei o2 werden mindestens 149,99 Euro fällig. Günstiger kann es bei Vertragsabschluss allerdings sein, einen Blick auf die Angebote von The Phone House und mobilcom debitel zu werden, wo es das Nexus S schon ab 1 Euro zu kaufen gibt - jeweils bei zwei Jahren Vertragslaufzeit.

Name: I9023 Nexus S
Hersteller: Samsung
Internet: http://www.samsungmobile.de
Preis: ca. 440 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3.3
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 125x63x12 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800x480 Pixel, 16 Mio. Farben
Speicher: 16 GB intern
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5,0 Megapixel
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Datenkabel, Stereo-Headset
SAR-Wert: 0,50 W/kg (niedrig)
Extras: MP3-Player, Bluetooth, WLAN, GPS, NFC
Akkulaufzeit im Test: ca. 8 Stunden Sprechzeit
Pro & Contra:
NFC Chip
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s
gute Gesprächsqualität
Google Sync
schwacher Akku
kein Radio
keine Status LED
interner Speicher nicht erweiterbar
Bewertung:
Bedienung sehr gut
Ausstattung gut
Verarbeitung sehr gut
Akkulaufzeit ausreichend
Telefonfunktion sehr gut
Gesamtnote gut
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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