Falt-Smartphones

Samsung Galaxy Z Fold2 5G und Motorola razr 5G im Vergleich

Die Falt-Smartphones der zweiten Generation sind echte Hingucker, müssen im Vergleich jedoch beweisen, dass sie die Fehltritte der Vorgänger nicht wiederholen und endlich alltagstauglich werden.

Christoph Liedtke, 13.10.2020, 10:50 Uhr (Quelle: DPA)
Motorola razr 5GFalt-Smartphones der zweiten Generation: Das motorola razr 5G und das Samsung Galaxy Z Fold 2 5G.© Motorola Mobility LLC

Großes Display, aber trotzdem sehr kompakt: Die neuen Falt-Smartphones Samsung Galaxy Z Fold2 5G und Motorola razr 5G erfüllen dieses Versprechen im Vergleich auf unterschiedliche Weise. Das Fold2 lässt sich zu einem kleinen Tablet auseinanderfalten. Das razr ist deutlich kompakter und passt zusammengeklappt in jede noch so kleine Hosentasche - um dann zu einem langgestreckten Smartphone aufgeklappt werden zu können.

Die erste Generation der Smartphones mit Falt-Display, die im vergangenen Jahr erschien, hatte aber noch mit etlichen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Besonders krass fielen die Anlaufschwierigkeiten beim Samsung Galaxy Fold aus: Der Marktstart wurde vom Frühjahr in den Herbst verlegt, nachdem Tester schon nach wenigen Tagen Nutzungsdauer gravierende Beschädigungen an dem Faltdisplay festgestellt hatten.

Hardware grundlegend überarbeitet

Samsung will diesen Fehlstart nun vergessen machen. "Wir haben auf die Rückmeldungen unserer Kunden gehört, die Hardware verbessert und auf Software-Ebene eng mit Google und Microsoft zusammengearbeitet", sagt Samsung-Manager Mario Winter.

Die gravierendste Änderung gegenüber dem Vorjahresmodell betrifft tatsächlich das zuvor kritisierte Display: Das erste Fold verfügte über ein Display aus Kunststoff, das leicht verkratzte und am Scharnier beschädigt werden konnte. Im neuen Fold2 verwendet Samsung ein Gemisch aus Glas und Kunststoff, das sich tatsächlich eher wie Glas denn wie Plastik anfühlt und deutlich weniger empfindlich ist.

Allerdings wird man schon beim Auspacken des Geräts mit einem unübersehbaren Aufkleber darauf hingewiesen, das man dieses Gerät behutsam behandeln soll. So darf man beispielsweise nicht die Schutzfolie abziehen, die auf das Kunststoff-Glas-Gemisch aufgetragen wurde. Vorsorglich gibt Samsung auch den Hinweis, dass das Fold2 weder staub- noch wasserdicht ist. Immerhin kann man ruhig zu Ende telefonieren, wenn ein Regen einsetzt. In die gefüllte Badewanne sollte man das neue Fold2 aber nicht fallen lassen.

Stufenloses Scharnier

Verbessert wurde auch das Scharnier - die Schwachstelle des ersten Fold. Es ist jetzt nicht nur effektiver vor Staub und Schmutzpartikeln geschützt. Man kann es auch stufenlos aufklappen und arretieren. Ab einem Öffnungswinkel von 140 Grad kippt das Fold2 aber nach hinten um. Daher ist es ein wenig fummelig, das Smartphone so aufzuklappen, dass es wie eine Art Mini-Notebook mit einer virtuellen Tastatur auf der unteren Bildschirmhälfte und dem Dokument oben genutzt werden kann.

Aufgeklappt ist das 7,6-Zoll-Display (AMOLED) so groß, dass man bis zu drei Fenster gleichzeitig öffnen kann. Bei zwei Apps nebeneinander klappt das noch recht gut. Bei drei Anwendungen wird es im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu kleinteilig. Die Performance des Fold2 reicht für das Multitasking locker aus und bringt den Hauptchip Snapdragon 865+ von Qualcomm nie an seine Leistungsgrenzen.

Das Surfen im Web macht auf dem großen Smartphone-Bildschirm aber richtig Spaß, wenn man beispielsweise als Pendler im Zug sitzt und kein größeres Tablet mitschleppen möchte. Beim Filmeschauen kann der Bildschirm dagegen weniger seine Größe ausspielen, denn er ist aufgeklappt fast quadratisch. Das schlanke Frontdisplay hat dagegen mit einem Bildseitenverhältnis von 25:9 fast ideale Kino-Maße.

Premium-Preis - ohne die beste Kamera

Samsung verlangt für das Galaxy Fold2 fast 2.000 Euro. Trotzdem bekommen Käufer nicht die beste Kamera, die die Südkoreaner zu bieten haben. Stattdessen bietet Samsung im Galaxy Note 20 Ultra, das rund 700 Euro weniger kostet, einen mächtigen 108-Megapixel-Sensor, der sogar 8K-Videos aufnehmen kann.

Das Fold2 kann bei diesen Superlativen nicht mithalten. Doch häufig ist die Qualität der Fotos dicht am Note 20 Ultra dran. Und: Öffnet man beim Fotografieren das Fold2 rechtwinklig, kann man sich im oberen Bildschirmbereich eine Bildvorschau anzeigen lassen, während im unteren Bereich bereits geknippste Bilder erscheinen. Das kann das Note 20 Ultra nicht.

Im Praxistest überzeugten die Bildschirme mit ihrer sehr guten Darstellungsqualität. Das Fold2 fühlt sich hochwertig an und bietet zumindest für bestimmte Anwendungsszenarien ein innovatives Konzept. Dass nicht die besten Kameras verbaut wurden, die Samsung zu bieten hat, fiel im Praxistest kaum auf. Störender schlägt die Tatsache zu Buche, dass das Fold2 trotz erheblichen Verbesserungen nicht das robusteste Gerät ist. Viele Smartphone-Besitzer haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ihre Geräte staub- und wasserdicht sind.

Samsung Galaxy Z Fold2 5G

Samsung Galaxy Z Fold2 5G

  • Android
  • 12 Megapixel-Kamera
  • 7,6 Zoll AMOLED Display
  • 256 GB Speicher
  • ab 0,00 € mit Vertrag

Robusteres razr-Smartphone

Mit dieser Einschränkung müssen auch Käufer des neuen razr 5G von Motorola leben. Wie Samsung hat auch Motorola seine Hausaufgaben gemacht, um sein Klapp-Smartphone robuster zu machen. Motorola verspricht, dass das razr 5G bis zu 200.000 Faltvorgänge schadlos übersteht.

Da Motorola seinem neuen Falt-Handy einen Außenbildschirm spendiert hat, muss man es ohnehin nicht für jede Kleinigkeit aufklappen. Nachrichten von Social-Media-Apps oder einem Messenger kann man dort nicht nur sehen, sondern auch schnell beantworten. Auch Schlagzeilen von News-Portalen und Navigationsanweisungen erscheinen dort.

Das kleine 2,7-Zoll-Display unterstützt sogar die YouTube-App. Aber natürlich ist der langgestreckte 6,2-Zoll-Bildschirm viel besser zum Filmeanschauen geeignet. Sinnvoller erscheint es, den Mini-Bildschirm als großen Sucher für die 20-Megapixel-Selfie-Kamera zu nutzen. Im Vergleich zum Samsung Fold2 erscheint der größere Haupt-Bildschirm etwas weniger brillant und hell.

Längere Laufzeit und bessere Bilder

Im kompakten razr-Gehäuse ist nun auch wieder Platz für eine physische SIM-Karte. Das 2019er-Modell musste mit einer eSIM auskommen. Auch die Hauptkamera wurde gegenüber dem 2019er-Modell verbessert und verfügt nun über einen 48-Megapixel-Sensor. Tagsüber kann man im Vergleich mit dem Fold2 kaum einen Unterschied spüren. Wenn es dunkel wird, wirken die Bilder des Samsung Fold2 aber etwas natürlicher.

Verbessert hat Motorola die Batterielaufzeit. Da für einen richtig großen Akku in dem Kompaktgerät kaum Platz ist, erreicht das razr 5G dennoch keine Spitzenwerte. So hielt das razr 5G beim Abspielen einer Full-HD-Film-Dauerschleifte rund acht Stunden durch, während das Fold2 erst nach über zwölf Stunden schlapp machte.

Fazit: Zukunftssicher, aber teuer

Sowohl das Samsung Galaxy Z Fold2 5G als auch das Motorola razr 5G im Vergleich funken im 5G-Netz, was derzeit noch nicht so relevant ist. In einem Jahr, wenn das 5G-Netzwerk viel besser ausgebaut sein wird, werden die Besitzer aber vermutlich froh sein, dass sie sich für ein zukunftssicheres Modell entschieden haben.

Beide Falt-Smartphones überzeugen durch ihr cooles Design, das inzwischen auch alltagstauglich umgesetzt wurde. Haupt-Manko ist der hohe Preis: Das razr 5G kostet rund 1.500 Euro, das Fold2 sogar knapp 2.000 Euro. Und beide Geräte sind nur mit jeweils 256 Gigabyte Speicherplatz ausgestattet. In solchen Preisregionen ist sonst eher die doppelte Menge üblich. Man muss schon sehr von den Vorzügen des Falt-Displays überzeugt sein, um diesen Aufpreis zu akzeptieren.

Motorola razr 5G

Motorola razr 5g

  • Android
  • 48 Megapixel-Kamera
  • 6,2 Zoll OLED Display
  • 256 GB Speicher
Weiterführende Infos zum Thema:
Zum Seitenanfang