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Samsung Galaxy Watch 4 im Test: Elegant, messfreudig und kompliziert

Mit der Galaxy Watch 4 bringt Samsung seine erste Smartwatch mit Googles Wear OS auf den Markt. Im Test punktet die Watch 4 als schlichte Uhr mitsamt vielen Apps und Gesundheitsfunktionen.

Christoph Liedtke, 20.09.2021, 12:00 Uhr (Quelle: DPA)
Samsung Galaxy Watch4© Samsung Electronics GmbH

Sie wollten schon immer Ihren Körperfettanteil wissen? Oder die Muskelmasse? Samsung hat da was und zwar in Form einer Smartwatch. Die beiden neuen Galaxy Watch 4 und 4 Classic ermöglichen Selbstvermessung bis in die letzte Ecke.

Welches Modell darf es denn sein?

Von Puls über Blutdruck und den Schlaf bis hin zum Körperfett sollen sie alles überwachen - und ihren Trägerinnen und Trägern beim Fitwerden oder Fitbleiben helfen. Doch die Uhren sind wählerisch. Die Form ist klassisch, beide Modelle sind rund mit gut ablesbarem OLED-Display.

Die Galaxy Watch 4 (40 und 44 Millimeter) ist für reine Touch- und Wischbedienung ausgelegt, die 4 Classic (42 und 46 Millimeter) hat zusätzlich eine drehbare Lünette für die Navigation in Menüs. Beide Modelle haben neben dem runden Display noch zwei Schalter für Navigation, Sprachsteuerung und Samsung Pay.

Da steckt Google drin, merkt man aber kaum

Samsung Galaxy Watch4 In unterschiedlichen Modellen, Größen und Farben erhältlich: die Galaxy Watch 4.© Samsung Electronics GmbH

Samsung hat für das Betriebssystem mit Google zusammengearbeitet. Grundlage ist Googles Wear OS, doch die Anmutung ist 100 Prozent Samsung. Zur Kopplung ans Smartphone braucht man auch Samsungs Wearable-App, und die Integration manches Googledienstes könnte glatter laufen. Doch dazu später mehr. Internen Speicher für Apps und Musik gibt es auch: Von den 16 Gigabyte stehen abzüglich aller vorinstallierten Software noch knapp 8 zur Verfügung.

Die Einrichtung gelingt mit den Galaxy Watch 4 schnell und einfach. Doch die Anpassung an die eigenen täglichen Nutzungsszenarien braucht etwas Zeit und lässt sich eigentlich nur über die Smartphone-App gut erledigen. Zu viele Kacheln können da platziert werden, man muss gut auswählen, damit das Wischmenü zur Schnellwahl nicht zu voll wird.

Ab Werk gibt es über die App auch eine Auswahl an Ziffernblätter. Die meisten von ihnen sind hübsch animiert bis lustig. Einige der klassischen Ziffernblätter bieten noch nützliche Komplikationen, also Schnellzugriffe auf Funktionen wie Wetter, Schrittzähler, Trainingsprogramme und mehr an.

Aller Anfang ist schwer

Es fällt anfangs ein wenig schwer, sich an die Bedienung der Galaxy Watch 4 zu gewöhnen. Das nach links oder rechts Wischen manövriert durch die Schnellwahlkacheln, von oben Wischen öffnet ein Einstellungsmenü, der Wisch von unten öffnet das Appmenü. Dann ist da noch der obere Knopf. Mit ihm geht es immer einen Schritt zurück, ein langer Druck öffnet den Sprachassistenten Bixby. Der Druck auf den unteren Knopf schaltet Samsungs Bezahldienst Samsung Pay ein. Es dauert ein wenig, bis man den großen Plan hinter der Bedienung entdeckt.

Laut Samsung sollen die Uhren helfen, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Dazu können sie eine ganze Reihe Vitaldaten messen. Puls, Blutdruck, EKG, Blutsauerstoff und die Körperzusammensetzung. Dazu zählen etwa Wassergehalt, Skelettmuskeln, Körperfettwert, Muskelmasse und der BMI. Das alles gelingt, indem man einen oder zwei Finger auf die Schalter der Uhr legt und während der Messung recht lang still hält.

Die Uhr nutzt dafür mehrere Sensoren. Einer misst mit Hilfe von Licht etwa den Puls, für andere Vitaldaten kommt Samsungs Biosensor zum Einsatz. Er arbeitet unter anderem mit schwachem Strom und ermittelt über gemessene Widerstände die Körperzusammensetzung. Damit die Blutdruckmessung anständig funktioniert, muss die Uhr zunächst noch mit einem «richtigen» Blutdruckmessgerät kalibriert werden. Auch den Schlaf überwacht die Uhr auf Wunsch.

Umfassende Gesundheitsdaten

Samsung Galaxy Watch4 Die Watch 4 misst neben der Herzfrequenz auch die Sauerstoffaufnahme und den Blutdruck.© Samsung Electronics GmbH

Alle gemessenen Daten werden mit Samsungs Health-App synchronisiert. Die Messungen werden auch direkt auf einer Farbskala eingeordnet. So sieht man schnell, ob etwa zu viel Körperfett, zu wenig Wasser oder zu wenig Muskeln vorhanden sind - und könnte, so die Theorie, mit entsprechendem Training reagieren.

Die Messdaten sind dabei erstaunlich akkurat. Die Galaxy Watch 4 muss den Vergleich mit einem Pulsoxymeter aus dem Fachhandel nicht scheuen - Puls und Blutsauerstoff werden recht präzise gemessen. Auch Blutdruckmessungen sind - einmal kalibriert - brauchbar. Wenngleich es im direktem Messvergleich leichte Abweichungen zum Manschettengerät gibt. Etwas weniger akkurat: Die Schrittzählung. Liegen die Hände bei der Joggingtour auf dem Griff des Kinderwagens, stimmt die Zählung nicht mehr.

Wer mag, kann die Galaxy Watch 4 auch mit ins Schwimmbad nehmen. Sie ist laut Samsung wasserdicht - aber nur für Süßwasser. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Im Kleingedruckten steht sinngemäß, dass man besser nicht mit ihr ins Wasser springt oder Aktivitäten mit hoher Geschwindigkeit im Wasser ausführen soll. Wasserski ist also vielleicht keine gute Idee.

Positiv: Durch den Wechsel vom hauseigenen Tizen-Betriebssystem zu Googles Wear OS gibt es nun keinen Mangel an Apps mehr, sondern ein riesiges Angebot an Apps und Ziffernblättern.

Die Galaxy Watch 4 funktioniert nicht mit iPhones

Kommen wir zu anderen Einschränkungen. Mit iPhones funktionieren die Samsung-Smartwatches gar nicht. Das kennt man andersherum von der Apple Watch auch, doch bislang war Samsung da nicht so exklusiv. Aber selbst mit anderen Androids gibt es Einschränkungen.

Blutdruckmessung und EKG etwas klappen nur mit Samsung-Smartphones. Bei anderen fordert die Uhr nur zur Installation der App Samsung Health Monitor auf. Die gibt es aber nur im Galaxy Store - auf den nur Samsunggeräte zugreifen können.

Auch die Integration mancher Googledienste könnte besser sein. Eine Fahrradnavigation mit Google Maps zum Beispiel scheitert leider am ständig einspringenden Bildschirmschoner. Will man das Display wieder entsperren, verschwindet die Navigation - alles Dinge, um die man sich beim Fahrradfahren nicht kümmern will.

Die Akkulaufzeit ist ein weiterer - kleiner - Haken. Samsung gibt sie mit knapp 40 Stunden an. Trägt man die Uhr nur als Uhr klappt das auch problemlos. Zusatzfunktionen wie das Always-on-Display nagen aber schon an der Akkuladung. Und wer viel trainiert, kann der Akkuanzeige wie einem Countdown folgen. Ein Tag ist meistens drin, mehr wird bei starker Nutzung schwierig.

Fazit: Elegant, praktisch, etwas kompliziert

Die Galaxy Watch 4 und 4 Classic sind schlichte und schöne Uhren mit einem Haufen an praktischen Funktionen. Wer gerne viele Daten zum täglichen Training sammeln und auswerten will, findet mit den Uhren ein mächtiges Hilfsmittel. Durch den klassischen Uhren-Look wirken die Galaxy Watches 4 angenehm untechnisch und tragen sich dezent am Handgelenk.

Dank Googles Wear OS gibt es haufenweise Apps. Wer kein Samsung-Smartphone sein Eigen nennt, sollte aber auch bei der Konkurrenz schauen und gut vergleichen. Denn erst mit einem Galaxy-Smartphone schöpft die Galaxy Watch 4 ihr Potenzial voll aus. Und wer den Preis oder die Größe der Galaxy Watch 4 Classic (369 bis 449 Euro) nicht mag, kann auch die günstigere Galaxy Watch 4 (ab 269 bis 349 Euro aufwärts) wählen. Sie liegt etwas schlanker am Handgelenk.

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