Testbericht

Pleo im Test: Ein Dino auf Redaktionsbesuch

"Oh, ist der süß!". Der kleine Roboterdino Pleo hat die onlinekosten.de-Redaktion im Sturm erobert. Wir haben das lebensechte Hightech-Spielzeug genauer unter die Lupe genommen.

Pleo Dino RoboterPleo kommt mit einigem Zubehör. Eine Farbkamera und Infrarot-Messer sind integriert.© onlinekosten.de

Pleo summt ein Weihnachtslied in der Redaktion von onlinekosten.de.

Neben dem Akku-Schacht ist auf der Unterseite auch der Knopf zum Einschalten des Dinos zu finden. Nach dem Betätigen des Schiebeschalters bleibt Pleo dennoch zunächst weiter regungslos. Erst wenn er gestreichelt oder kurz sanft geschüttelt wird, erwacht er aus seiner Lethargie.

Vom Baby zum erwachsenen Dino

Pleo verfügt über drei Lebensabschnitte. In den ersten fünf bis zehn Minuten nach dem ersten Einschalten läuft die "Geburtsphase" ab. Pleo öffnet die Augen und blickt blinzelnd mit seinen blauen Knopfaugen in die für ihn noch fremde Welt. Deutlich wird auch: er ist noch schwach auf den Beinen. Die zweite Phase, das "Schlüpfen", dauert ungefähr 30 bis 45 Minuten. Hier möchte Pleo gefüttert werden, was er seine menschlichen Eltern lautstark wissen lässt. Außerdem beginnt der Dino, langsam zu laufen und legt hin und wieder wie ein Baby ein Nickerchen ein.

Der letzte Entwicklungsabschnitt im Leben von Pleo, Phase drei, ist das "Erwachsenenalter", das dann den Rest seines Lebens andauert. Die ersten beiden Phasen können nur einmal durchlaufen werden, da es für Endkunden keinen Resetknopf gibt. Dies ist ein gewisser Nachteil, falls Pleo später einmal wieder verkauft werden soll.

Pleo erkennt seine Umgebung

An der Bauchunterseite befinden sich noch weitere Bedien-Elemente. Ein runder "Pleo-Knopf" erlaubt je nach Anzahl des Drückens eine Stumm- oder Leisschaltung von Pleos Urzeitschreien. Auch der aktuelle Lernstand kann durch das zehnsekündige Drücken des Knopfes gespeichert werden. Weiterhin beherbergt Pleos Bauch Schnittstellen für den Anschluss eines USB-Datenkabels sowie für eine microSD-Speicherkarte.

Über die in seine Nase integrierte Kamera sowie den Infrarot-Transmitter und -Empfänger kann Pleo seine Umgebung grob wahrnehmen. Der Dino erkennt Hindernisse auf seinem Weg eigenständig. Erstaunlich: bei einem kleinen Marsch auf einem Tisch machte Pleo an der Tischkante halt, schaute die Tischkante herab und legte umgehend den Rückwärtsgang ein. Geräusche kann er über die binauralen Mikrofone von rechts und links hören.

Wird Pleo in der Luft gehalten oder umgekippt macht er sich lautstark bemerkbar. Sowohl vorne unter der Zunge als auch am Beginn seines Hinterteils hat Ugobe Lautsprecher platziert, über die Pleo verschiedene Geräusche ausstößt. Er macht Tierlaute, kann aber nicht sprechen. Mal ist lautes Brüllen zu vernehmen, mal freudiges Schnurren und Gurren wie ein Kätzchen, wenn er unter dem Hals gestreichelt wird. Deutlich lassen sich Unmut und Freude unterscheiden.

Die Entwickler des Mini-Roboters haben 38 Sensoren und 14 Motoren in das Hightech-Spielzeug verbaut. Die Berührungssensoren finden sich unter dem Hals, an allen Beinen und auf dem Rücken. Die Bewegungen, die Pleo dank der ausgefeilten Technik macht, sind meist fließend. Das Geräusch der Motoren ist jedoch deutlich vernehmbar und schmälert ein wenig die Illusion eines echtes Tieres.

Pleo isst Gummiblätter

Den Kopf und seinen Schwanz kann Pleo munter nach oben und unten sowie zu den Seiten bewegen. Die Beine ermöglichen einen langsamen Vor- oder Rückwärtsgang und sogar eine Art Hinknien, wenn Pleo schlafen möchte. Hin und wieder macht sich auch bei dem Dino ein Hungerreiz bemerkbar. Das vor seine Nase gehaltene, im Lieferumfang enthaltene Plastikblatt, erkennt Pleo als Futter und öffnet sein Maul. Der gewissenhafte Pleo-Besitzer kann seinem kleinen Dino das Blatt nun in den Mund schieben und ein kleines Tauziehen beginnen, denn Pleo möchte das Blatt so schnell nicht wieder hergeben. Die Spielmöglichkeiten mit dem Hightech-Dino sind ansonsten aber sehr schnell ausgereizt. Gerade im Hinblick darauf, dass Pleo ja ein Spielzeug für Kinder ab acht Jahren sein soll, hält sich die Handlung in Grenzen. Pleo läuft, schaut sich um, schnüffelt an Gegenständen und macht Geräusche. Die Begeisterung bei Kindern könnte da nach einiger Zeit abflauen. Damit dennoch nicht zu schnell Langeweile aufkommt, hat Ugobe im Internet für Nachschub gesorgt.

Software-Updates und Fun-Downloads

Unter www.pleoworld.com warten auf registrierte Pleo-Besitzer Software-Updates und zusätzliche Downloads. Hier kommt nun auch die mitgelieferte Pleo ID zum Einsatz. Sie findet sich sowohl auf einer ID-Card und unter dem rechten Vorderfuß. Diese muss bei Registrierung angegeben werden. Zum Zeitpunkt unseres Tests stand ein neues Firmware-Update in der Version 1.1 zur Verfügung. Nach der Installation verfügt Pleo über einige weitere Bewegungen und Sounds. Auch die Reaktion auf seine Umgebung wurde verbessert. Hin und wieder scheint der Mini-Dino nun verschupft zu sein und der Besitzer muss sich besonders intensiv um die neue, grüne Lebensform kümmern.

Zusätzlich stehen auf pleoword.com noch Fun-Downloads zur Verfügung. Aktuell wurde das "Watchdog"-Spiel bereitgestellt, das auf eine microSD-Speicherkarte geladen werden und in den entsprechenden Kartenslot in Pleos Bauch gesteckt werden muss. Nach dem Start spielt der kleine Dino mit seinem Besitzer verstecken: er zählt bis vier und schaut sich dann um. Andere Downloads verleiten Pleo zum Beispiel zum Summen von Weihnachtsliedern.

Zur Auswahl stehen auch verschiedene Tools von Drittanbietern, die es ermöglichen, eigene Bewegungsabläufe für Pleo zu kreieren und auf einer microSD-Karte abzuspeichern. Diese Programme sind dann aber wohl weniger für Kinder geeignet, da sie schon ein gewisses Software-Verständnis voraussetzen. Das Ugobe Life Operating System ist eine sehr komplexe Software, die Instinkte wie Schlafen, Essen und Entdecken mit äußeren Reizen wie Geräuschen oder Berührung kombiniert.

Von selbst versteht sich, dass Pleo sorgfältig behandelt werden sollte. Der Kontakt mit anderen Haustieren sollte nach Angaben des Herstellers möglichst vermieden werden. Bei unserem Test schaute eine Katze verstört auf das Urzeittier und trat dann den Rückzug an. Auch mit Wasser sollte Pleo nach Möglichkeit nicht in Kontakt kommen.

Stolzer Preis

Ein solches mit Hightech vollgestopftes Produkt hat natürlich seinen Preis. Derzeit wird Pleo im Online-Shop des europäischen Distributors Joker für 329 Euro angeboten. Angestrebt wurde ursprünglich ein Preis von 299 Euro. Doch die Nachfrage sei nach Angaben eines Unternehmenssprechers gegenüber onlinekosten.de größer als die Anzahl der derzeit lieferbaren Exemplare von Pleo. Eine neue Schiffsladung mit neuen, in China hergestellten Dinos, soll noch im Juni zur Verfügung stehen. Auf der deutschen Internetseite von Amazon wird Pleo zu Preisen zwischen 319 und sogar bis zu 590 Euro angeboten.

Fazit: Faszinierendes, teures Hightech-Spielzeug

Der Umgang mit Pleo ist faszinierend und zeigt, wie aus einem Knäuel Gummi und hochgerüsteter Technik ein fast lebensechter Spielgefährte werden kann. Nicht selten findet sich Pleo mittlerweile in den Vorstandsbüros von IT-Start-Ups. Kinder können sich auch schnell für den kleinen Dino begeistern. Es ist aber fraglich, ob Pleo angesichts des relativ hohen Preises häufig Einzug in die Kinderzimmer halten wird und auf längerfristiges Interesse stößt.

Stattdessen ist Pleo unter anderem bereits zum Forschungsobjekt im Projekt Lirec geworden. Neben einigen europäischen Universitäten wird auch an der Universität Bamberg in diesem Zusammenhang geforscht. In dem Projekt wird die Beziehung von Menschen zu künstlichen Wesen untersucht. Für Ende 2008 hat der Hersteller Ugobe bereits eine neue, künstliche Lebensform angekündigt. Diese soll dann jedoch kein Dino sein.

(Jörg Schamberg)

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