Neuauflage

MacBook Air im Test

Manchmal lässt Apple seine Kunden eine gefühlte Ewigkeit warten. Das MacBook Air ist im Prinzip seit 2015 nicht mehr signifikant erneuert worden. Eine Neuauflage war längst überfällig. Der Test zeigt, wie sich das Notebook im Alltag bewährt.

Apple MacBook Air 2018© Apple Inc.

Der Auftritt von Steve Jobs auf der Macworld im Januar 2008 ist legendär: Aus einem Briefumschlag zog der Apple-Mitbegründer vor einem verblüfften Publikum das erste MacBook Air und pries es als "das dünnste Notebook der Welt" an. Die Botschaft kam an. Das MacBook Air wurde zum populärsten Notebook von Apple und diente der gesamten Branche als Designvorlage.

Komplett überarbeitete Version

In den vergangenen Jahren schien bei Apple aber die Begeisterung für das MacBook Air nachgelassen zu haben. So steckten in dem keilförmigen Notebook zuletzt immer noch Prozessoren mit der mittlerweile in die Jahre gekommenen Broadwell-Architektur des Chip-Lieferanten Intel. Die Fans der Macintosh-Notebooks waren daher erleichtert, als Apple-Chef Tim Cook nun eine komplett überarbeitete Version vorstellte.

Besserer Bildschirm

Den größten Unterschied zur alten Generation spürt man beim Bildschirm. Das neue MacBook Air verfügt über ein Retina-Display, einen 13-Zoll-Bildschirm in IPS-Bauweise mit 227 dpi Auflösung. Der Bildschirm kommt auf über vier Millionen Pixel, während das alte 13-Zoll-Modell nur über knapp 1,3 Millionen Pixel verfügte. So erscheinen die Texte nun knackig scharf. Fotos kommen farbenfroher daher, schließlich wurde die Anzahl der darstellbaren Farben um 48 Prozent erhöht. Selbst wenn man nur wenige Stunden vor dem neuen Modell gesessen hat, möchte man nie wieder ein Display mit schlechterer Auflösung verwenden. Allerdings ist der Bildschirm nicht so hell wie bei den Pro-Modellen.

Mehr Leistung

Beim Hauptprozessor setzt Apple nun auf die achte Generation von Intels Core-i5-Chips, die dem Gerät spürbar mehr Power verleihen. Die Performance hängt aber auch von der Größe des Arbeitsspeichers (RAM) ab. Zur Auswahl stehen 8 und 16 Gigabyte (GB) RAM. Die meisten Anwender dürften mit 8 GB RAM klarkommen. Beim SSD-Hauptspeicher dürfte die kleinste Variante (128 GB) für viele Anwender nicht ausreichen, um größere Datenbestände zu speichern, sie sollten mindestens eine Kapazität von 256 GB wählen. Zur Auswahl stehen aber auch 512 GB oder sogar 1,5 Terabyte.

Integrierter Touch-ID-Sensor

Einige Komponenten des neuen MacBook Air sind bereits aus der Pro-Serie bekannt: So wurde ein Touch-ID-Sensor eingebaut, mit dem man viele Passwort-Eingaben durch einen Fingerabdruck ersetzen kann. In Deutschland wird man demnächst damit auch Online-Einkäufe bezahlen können, sobald der angekündigte Start von Apple Pay erfolgt ist.

Aus den Pro-Modellen stammt auch der T2-Sicherheitschip, der unter anderem beim Bootvorgang den Mac gegen Manipulationen durch eine Schadsoftware schützt. Der T2-Chip sorgt auch dafür, dass das MacBook Air mit der Sprachassistentin Siri angesprochen werden kann. Außerdem deaktiviert er die Mikrofone des Geräts vollständig, sobald das Notebook zugeklappt wird. Diese Trennung erfolgt nach Angaben von Apple «rein auf Hardware-Ebene». Damit sei eine Schadsoftware gar nicht mehr in der Lage, das Mikrofon heimlich zu aktivieren.

MacBook Air mit Butterfly-Keyboard

Auch die Tastatur des Air entspricht der aktuellen Pro-Reihe. Diese dritte Generation des sogenannten Butterfly-Keyboards mit geringem Hub fühlt sich beim Tippen präzise an und ist nicht mehr so laut wie die Tastatur der älteren Pro-Modelle. Die ersten Butterfly-Versionen waren außerdem vergleichsweise reparaturanfällig, wenn sich etwa Krümel oder Staubkörnchen zwischen den Tasten verklemmten. Die Statistiken der Garantiefälle bei den neuen MacBook-Pro-Modellen zeigen nun, dass dieser Fehler abgestellt wurde. Davon profitiert auch das MacBook Air.

Weniger Schnittstellen

Abgespeckt hat Apple bei den Schnittstellen: Das alte MacBook Air (13 Zoll) verfügte noch über zwei USB-A-Anschlüsse, einen Thunderbolt-Port und einen Steckplatz für SD-Karten. Beim neuen sind davon nur zwei USB-C-Buchsen übrig geblieben, die aber immerhin auch als DisplayPort für den Anschluss eines externen Monitors oder als schneller Thunderbolt-Port für den Zugriff auf externe Speicher verwendet werden können. Wer aber nur einen herkömmlichen USB-Stick anstöpseln möchte, ist auf einen Adapter angewiesen. Und wer Fotos aus einer Kamera ohne angesteckten Kartenleser aufs Notebook bringen möchte, wird auch den SD-Kartenslot vermissen.

Immerhin haben die Apple-Ingenieure dem neuen MacBook Air nicht die Buchse für einen Kopfhörer-Klinkenstecker genommen. Videokonferenzen mit FaceTime oder Programmen wie Skype klingen nun etwas besser, weil gleich drei Mikrofone den Klang aufnehmen. Davon profitiert auch die Sprachassistentin Siri.

Apple verspricht 12 Stunden Akkulaufzeit

Wichtiges Kriterium für die Alltagstauglichkeit ist die Batterielaufzeit. Apple reklamiert für sich, dass man mit dem neuen MacBook Air zwölf Stunden lang im Web surfen könne. Im Praxistest wurde diese Stundenzahl nicht erreicht, auch weil zwischendurch Games oder Anwendungen wie Adobe Photoshop liefen. Den normalen Arbeitstag eines digitalen Nomaden sollte das MacBook Air aber ohne Steckdosen-Stopp durchstehen.

Mit einem Dualcore-Prozessor ist das MacBook Air kein Rechenbolide, den man Videoexperten für das Rendern langer 4K-Filme empfehlen würden. Die Aufgaben des Alltags erfüllt das keilförmige Notebook aber solide. Selbst wenn beim Surfen im Web mal wieder über 20 Tabs geöffnet sind, quittiert das MacBook Air die Belastung nur mit dem leisen Surren des Lüfters, aber ohne in die Knie zu gehen. Wer mehr Power braucht, muss im Apple-Universum auf die MacBook-Pro-Modelle mit vier Rechenkernen ausweichen. Und wer eine ultrakompakte Bauform sucht, findet im 12-Zoll-MacBook eine Alternative, das mit 920 Gramm auch etwas leichter ist als das 1,25 Kilo schwere MacBook Air.

Das MacBook Air ist der bisher «grünste» Mac, denn das Gehäuse des Geräts stammt aus recyceltem Aluminium, das vor allem bei der Produktion der iPads anfällt. Damit wird der CO2-Ausstoß bei der Herstellung nach Apple-Angaben halbiert.

MacBook Air ab knapp 1.350 Euro

Insbesondere das Upgrade des Displays auf Retina-Auflösung sorgt dafür, dass Apple die Preise für das MacBook Air auf knapp 1.350 Euro angehoben hat (8GB RAM und 128 GB SSD-Speicher). Das Modell mit 256 GB SSD-Speicher kostet knapp 1.600 Euro. Das MacBook Air wird in den Farben Grau, Gold und Silber angeboten. Sparfüchse können auf das 2017er-Modell des MacBook Air ausweichen, das für knapp 1.100 Euro in Silber zu haben ist.

Marcel Petritz / Quelle: DPA

Lesen Sie alles Wichtige von onlinekosten.de - auf Wunsch per WhatsApp direkt auf dem Handy. Whatsapp-Newsletter Wöchentlichen Newsletter
Weiterführende Infos zum Thema:
Zum Seitenanfang