Smartes Bluetooth-Headset

Googles Pixel Buds im Test

Googles Pixel Buds sollen die hauseigenen Pixel-Smartphones und andere Androiden per Sprache steuerbar machen, wenn sie sich in der Tasche befinden. Dabei macht das Bluetooth-Headset viel richtig, schwächelt aber an entscheidenden Stellen.

Googles Pixel Buds© Google

Berlin - Den Google-Assistenten direkt im Ohr, nur einen Knopfdruck entfernt. Das und nicht weniger versprechen Googles Pixel Buds. Die kurz nach den neuen Pixel-Smartphones des Internet-Konzerns veröffentlichten Bluetooth-Ohrstöpsel sollen den Weg zur sprachgesteuerten Zukunft noch ein wenig kürzer machen.

Umgebungsgeräusche werden nicht komplett ausgeblendet

Anders als gewöhnlich stecken Pixel Buds nicht fest im Gehörgang, sondern ragen eher lose hinein wie kleine Lautsprecher. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Umgebungsgeräusche nicht komplett ausgeblendet werden. Gespräche lassen sich mit den Pixel Buds im Ohr gut führen, sie verstärken das gesprochene Wort sogar. Allerdings ahnen das die meisten Gesprächspartner natürlich nicht und reagieren eher verwundet, wenn man die Ohrhörer nicht absetzt.

Trotz ihrer Größe sind die Pixel Buds recht leicht. Zur Größenanpassung wird die Verbindungskordel zu einer Schlaufe aufgeschoben. Auf diese Weise sitzen die Stöpsel fest und - subjektiv sehr bequem - im Ohr und fallen auch beim Joggen nicht heraus.

Versteckter Knopf für Pairing

In Sachen Verbindung mit dem Smartphone will Google neue Maßstäbe setzen. Durch eine Fast Pairing genannte Technologie sollen sich die Pixel Buds besonders einfach mit dem Android-Gerät verbinden. Bluetooth an, Transportbox auf, fertig. Auch die Airpod-Ohrstöpsel von Apple arbeiten ziemlich komfortabel mit einer ähnlichen Technik.

Doch im echten Leben ist das gar nicht so einfach. Dem Pixel-Smartphone sind die Pixel Buds zunächst herzlich egal, vier anderen aktuellen Androiden auch. Trotz präzisem Befolgen der Anleitung passiert nichts. Denn anders als erklärt, muss man einen verstecken Knopf in der Packung drücken, um das Pairing zu starten.

Stabile Übertragung, Klang okay

Doch einmal verbunden, funktionieren die Pixel Buds augenblicklich, sobald man sie aus der Box nimmt. Die Tonübertragung ist stabil, mit dem richtigen Smartphone wird Audio im qualitativ hochwertigen AAC-Format übertragen. Und im Gegensatz zu manch anderem Bluetooth-Headset schaffen die Pixel Buds in Verbindung mit einem gekoppelten Pixel-2-Smartphone locker 15 bis 20 Meter Distanz ohne Übertragungsprobleme. Vier bis fünf Stunden beträgt die Akkulaufzeit, das Aufladen dauert rund eine Stunde. Eine Steckdose braucht man dazu nicht immer zwingend: Geladen wird in der Transportbox, in der auch ein Akku steckt.

Der Klang der Pixel Buds hinterlässt einen gemischten Eindruck. Als Telefonheadset und für die Kommunikation mit dem Google Assistant sind sie tadellos. Bei Musik kommt es sehr auf die Abmischung an. Manches Album tönt brillant aus den kleinen Stöpseln. Besonders elektronische Musik oder ruhigere Folksongs kommen klar herüber. Komplexere Stücke mit vielen Instrumenten oder Rocksongs treiben die Pixel Buds etwas an ihre Grenzen. Stellt man die Lautstärke hoch, bleiben besonders die leisen, höheren Töne auf der Strecke.

Sprachen in Echtzeit übersetzen

Die Grundfunktion, nämlich die Sprachbedienung des Google Assistant beherrschen die kleinen Stöpsel gut. Einfach einen Finger auf den rechten Stöpsel legen, einen Befehl geben, und schon kommt die Antwort ins Ohr. Auch SMS, Kalendereinträge oder Push-Mitteilungen von Nachrichten-Apps werden vorgelesen. Aber die drahtlose Bedienung hat ihre Grenzen: Viele Anfragen mag der Assistant nur mit entsperrtem Smartphone beantworten.

Ein weiteres Versprechen der Pixel Buds: Sprachen in Echtzeit übersetzen. Per Kommando "Hilf mir, Spanisch zu sprechen" soll man plötzlich Spanisch verstehen. Oder Schwedisch, wie Google-Chef Sundar Pichai und eine Mitarbeiterin während der Vorstellung der Pixel Buds demonstrierten. In der Realität werden die Pixel Buds dadurch aber eher zum drahtlosen Mikrofon für Google Translate. Der echte Universalübersetzer ist das noch nicht.

Kritikpunkt Musiksteuerung

Und dann gibt es die Dinge an den Pixel Buds, die richtig stören: zum Beispiel die Musiksteuerung. Musik lässt sich über Tippen und Wischen am rechten Ohrstöpsel pausieren, wieder starten oder lauter und leiser stellen. Was man nicht kann: einen Song vor oder zurück springen. Wer sich durch lange Playlisten hört, vermisst diese Funktion sehr und holt sich im Winter doch kalte Finger, wenn er Telefon aus der Tasche holen muss. Doch kalt werden die Finger ohnehin, zumindest die der rechten Hand. Mit Handschuhen - Ausnahme sind Smartphone-Handschuhe - lassen sich die Buds nicht bedienen.

Auch Freisprechen ist mit den Pixel Buds nur teilweise ein Vergnügen: Während es bei "normalen" Telefonanrufen gut klappt, steigen die Buds bei Voice-over-IP-Anrufen über Messenger-Apps wie Signal oder Threema völlig aus.

Fazit: "Nur" ein gutes Bluetooth-Headset für 160 Euro

Googles Pixel Buds sind gelungene drahtlose Kopfhörer mit guter Akkulaufzeit, einem durchdachten Ladekonzept und - nach kleinen Startschwierigkeiten - super Konnektivität. Auch der Klang ist für Stöpsel dieser Größe gut, die Passform lässt sich gut anpassen, die Akkulaufzeit ist angemessen und die Aufladung simpel.

Weniger gelungen sind die Musiksteuerung oder die etwas willkürlich funktionierende Nutzung als Sprechgarnitur für Telefonanrufe. Die Schnittstelle zum Google Assistant ist in den allermeisten Fällen verzichtbar, da Anfragen an den Sprachassistenten häufig nur mit eingeschaltetem Smartphone sinnvoll sind. Und die beworbene Echtzeitübersetzung ist bislang wohl eher ein Marketing-Gag.

Am Ende sind die Pixel Buds einfach nur ein gutes Bluetooth-Headset. Sie lassen sich sowohl mit älteren Android-Smartphones als auch mit iOS-Geräten koppeln. Dann funktionieren sie wie jedes andere Bluetooth-Headset.

Wer die 160 Euro übrig hat und ein modernes Android-Telefon besitzt, kann unbesorgt zugreifen. Allerdings werden in diesem Jahr zahlreiche neue Bluetooth-Ohrstöpsel auf den Markt kommen, die ähnliche Funktionen liefern - und das teils für weniger Geld.

Marcel Petritz / Quelle: DPA

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