Echo-Zubehör

Echo Connect im Test: Amazons smarte Lautsprecher als Freisprechtelefone?

Freihändig über jeden Echo-Lautsprecher mit beliebigen Gesprächspartnern im Fest- und Mobilfunknetz telefonieren. Das ermöglicht Amazon mit seinem neuen Echo-Zubehör Echo Connect. Doch unser Testbericht zeigt, dass Amazon an manchen Stellen noch nachbessern muss.

Amazon Echo ConnectEcho Connect präsentiert sich im kompakten Gehäuse.© Amazon.com, Inc.

Seit dem vergangenen Jahr bietet der Online-Händler Amazon in den USA mit Echo Connect ein Zusatzgerät für seine smarten Lautsprecher an, die jedes Echo-Gerät in ein Freisprechtelefon verwandeln sollen. Anfang Oktober 2018 erfolgte der Marktstart in Deutschland. Wir haben Echo Connect unter die Lupe genommen und in der Praxis getestet. Lohnt sich der Kauf des Geräts, das Amazon für 39,99 Euro anbietet?

Telefonate über den Echo-Lautsprecher an beliebige Rufnummern

Bislang konnten Nutzer der diversen Echo-Lautsprecher per Drop-In-Funktion nur Personen anrufen, die ebenfalls ein Echo-Gerät besitzen oder aber die Alexa-App auf ihrem Smartphone installiert haben. Mit Echo Connect lassen sich dagegen laut Amazon beliebige Telefonanschlüsse im Fest- und Mobilfunknetz anrufen. Telefonate lassen sich per Sprachbefehl starten und annehmen, Gespräche können bequem freihändig geführt werden. Soweit die Theorie und das Werbeversprechen von Amazon, doch im Alltag zeigte Echo Connect nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Nutzung noch Schwächen.

Echo Connect mit allen Echo-Geräten nutzbar

Amazon Echo Connect Die Rückseite des Echo Connect bietet Anschlüsse für das Netzteil und das Telefonkabel.© Amazon.com, Inc.

Echo Connect ist eine kompakte, rechteckige Box in schwarzem Kunststoffgehäuse. Auf der Rückseite findet sich lediglich ein micro-USB-Stromanschluss sowie eine Telefonbuchse. Auf der Oberseite hat Amazon vier LED-Kontrollleuchten platziert, die bei ordnungsgemäßem Betrieb dauerhaft weiß aufleuchten. Sie signalisieren die Stromversorgung, eine aktive WLAN- und Internetverbindung und den korrekten Telefonanschluss.

Generell sei Echo Connect kompatibel mit allen Echo-Modellen und soll sich sowohl mit den diversen Generationen von Echo, Echo Plus, Echo Dot, Echo Show & Co. nutzen lassen. Von Amazon ist man normalerweise eine schnelle und komfortable Installation der Geräte aus dem Hause des US-Konzerns gewohnt. Daher dachten wir, dass die Einrichtung von Echo Connect in wenigen Minuten erledigt sei - doch wir wurden enttäuscht.

Schnelle Verkabelung - Adapter und Telefonkabel im Lieferumfang

Der eigentliche physische Anschluss von Echo Connect ist unproblematisch. Zum Lieferumfang gehören neben einem Netzteil auch entsprechende Adapter (TAE und TDO auf RJ11) sowie ein RJ11-Telefonkabel. In unserem Test setzten wir Echo Connect in Verbindung mit der Fritz!Box 6490 Cable an einem Kabelanschluss ein. Laut Amazon wird neben einem Gerät mit integrierter Sprachassistentin Alexa ein Telefonanschluss (Festnetz oder VoIP) vorausgesetzt. Wir versorgten Echo Connect per Netzteil mit Strom, das Telefonkabel steckten wir in einen freien Telefonanschluss (FON 2) unseres WLAN-Routers. Das war dann auch schon die gesamte Verkabelung. Alternativ lässt sich Echo Connect statt über einen Router auch direkt an einen Festnetz-Telefonanschluss an der Wand anschließen.

Einrichtung per Alexa-App hakte teilweise

Alexa App Echo Connect Über die Alexa-App lässt sich Echo Connect einrichten.© Screenshot: i12 GmbH

Die konkrete Einrichtung erfolgte in unserem Fall einerseits über die Alexa-App, die für Android und iOS verfügbar ist. Zudem muss in der Benutzeroberfläche unseres Fritz!Box-Routers Echo Connect noch als Telefonie-Gerät eingerichtet und die Rufnummer zugewiesen werden. Dieser Teil verlief problemlos. Doch die Konfiguration über die Alexa-App sorgte für Schwierigkeiten. Amazon hatte der Android-Version der Alexa-App in dieser Woche ein Update und eine überarbeitete Benutzeroberfläche spendiert. Unter dem Menüpunkt "Geräte" sollen sich in wenigen Schritten neue Geräte einrichten lassen.

Nach Klick auf "Amazon Echo" fand sich auch "Echo Connect". Als Ländervorwahl erschien im ersten Versuch jedoch nur die der USA, weitere Ländervorwahlen ließen sich in dem Dropdown-Menü nicht auswählen. Erst bei weiteren Versuchen inklusive Neustart der App stand auch Deutschland (0049) zur Wahl. Echo Connect muss zudem im Zuge der Einrichtung noch mit dem WLAN-Netz verbunden werden. Hier kam es bei uns ebenfalls zu Problemen. Ist die Einrichtung erfolgreich beendet, zieht sich Echo Connect erst einmal ein größeres Update, dessen Installation gut fünf Minuten dauert. Während des Update-Prozesses blinken alle Kontrollleuchten.

Sprachbefehle per Alexa zum Starten und zur Annahme von Telefonaten

Nach kompletter Einrichtung ist Echo Connect einsatzbereit. Wir haben das neue Amazon-Produkt sowohl mit einem Echo (1. Generation), Echo (2. Generation) sowie Echo Dot (2. Generation) getestet. Ein Telefonat lässt sich beispielsweise mit dem Sprachbefehl "Alexa, ruf Mama an" starten. Kommt ein Anruf an, so kann dieser etwa mit "Alexa, nimm den Anruf an" angenommen werden. Das Wählen einer Nummer oder ankommende Anrufe signalisieren die genutzten Echo-Lautsprecher jeweils mit einem grünen Leuchten des LED-Rings sowie mit einem Signalton.

Befinden sich mehrere Echos im Haushalt, so reagieren alle Geräte auf eingehende Anrufe. Einzelne Echo-Geräte lassen sich in den Geräteeinstellungen lediglich durch Aktivierung der Funktion "Bitte nicht stören" stumm schalten - etwa wenn ein Echo im Kinderzimmer steht. Der Telefonempfang ist allerdings weiter möglich, Anrufe werden durch den LED-Ring angezeigt. Sind zudem zusätzlich auch Schnurlosetelefone am Router angeschlossen, so klingeln auch diese. Beachtet werden sollte, dass während des Gesprächs nicht zwischen verschiedenen Echo-Geräten im Haushalt gewechselt werden kann. Man ist für ein Telefonat stationär an den Echo-Lautsprecher gebunden, über den das Gespräch gestartet wurde. Entfernt man sich zu weit vom Echo-Gerät, versteht der Gesprächspartner nur noch schlecht.

Kontakte-Wirrwarr und fehlerhafte Übersetzung

Amazon macht es deutschen Nutzern leider teils unnötig schwer bei den Sprachbefehlen, die schlecht ins Deutsche übersetzt wurden. Der Festnetz-Anschluss wird von Alexa als "Startseite" interpretiert, die Rufnummer am Arbeitsplatz wird "work" genannt. Man muss Kontakte entsprechend detailliert einrichten wie etwa "Max Mustermann Festnetz", damit Echo Connect über den Sprachbefehl "Alexa, rufe Max Mustermann Festnetz" die richtige Nummer wählen kann. Zur Sicherheit fragt Alexa vor dem Start des Anrufs noch einmal nach, ob tatsächlich die genannte Nummer angerufen werden soll. Nutzer sollten darauf achten, dass nicht etwa die Mobilfunkrufnummer, sondern wirklich die Festnetzrufnummer für den Anruf gewählt wird. Nicht jeder dürfte an seinem Festnetzanschluss auch über eine Flat für Telefonate in die deutschen Mobilfunknetze verfügen. Dadurch können zusätzliche Kosten entstehen.

In der Alexa-App werden nur die Kontakte angezeigt, die ebenfalls über ein Echo-Gerät verfügen. Beim Öffnen der Alexa-App synchronisiert Amazon regelmäßig die Kontakte des Smartphones und speichert diese in der Amazon-Cloud. Entweder über die Kontakte-Funktion des eigenen Smartphones oder online unter alexa.amazon.de lassen sich neue Kontakte hinzufügen bzw. bearbeiten, nicht aber in der Alexa-App selbst. Laut Kommentaren von Nutzern in Online-Foren sei hier eine Nachbesserung von Amazon und Anzeige aller Kontakte in der Alexa-App wünschenswert. Bei eingehenden Anrufen wird der Name des Gesprächsteilnehmers genannt, wenn er in der Kontaktliste gespeichert ist.

Bug bei Anrufen mit dem Echo (1. Generation): Klingelton auch während des Gesprächs

Beim Echo der ersten Generation stellten wir einen Bug fest, über den auch andere Nutzer im Internet berichten. Bei Anrufen hört man einen Signalton auch noch während des Gesprächs, obwohl die Verbindung erfolgreich aufgebaut wurde. Als Work-Around empfiehlt sich hier ein zweimaliges Drücken der Stumm-Taste beim Echo-Gerät. Danach konnte das Telefonat ungestört geführt werden.

Und wie sieht es mit der Gesprächsqualität aus? Diese konnte keinen unserer Gesprächsteilnehmer überzeugen. Teils höre es sich so an, als ob der Anrufer weit vom Echo-Gerät entfernt sitzt, zudem klinge es blechern. Gesprächsteilnehmer konnten keine Qualitätsunterschiede hören bei Anrufen mit Echo-Lautsprechern der ersten und zweiten Generation. Wir selber konnten die Anrufer auf unseren Echo-Geräten dagegen jeweils gut verstehen.

Fazit: Echo Connect für längere Telefonate eher ungeeignet

Onlinekosten Testsiegel Amazon Echo Connect

Auf der Amazon-Produktseite zum Echo Connect Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der hier integrierte Werbelink ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.
haben Käufer diesen bislang im Schnitt nur mit drei von fünf Sternen bewertet. Fast die Hälfte der dortigen Nutzer vergab sogar nur einen oder zwei Sterne. Der Echo Connect wurde als unfertiges Produkt kritisiert, einige Amazon-Kunden empfanden sich als Alpha-Tester. Es ist in der Tat erstaunlich, dass ein bereits seit einem Jahr in den USA verfügbares Produkt in Deutschland noch die eine oder andere Kinderkrankheit bei der Einrichtung und Verwaltung aufweist.

Ein wenig Feintuning ist sowohl bei der Alexa-App als auch bei der Sprachsteuerung der Anrufe für den deutschen Markt offenbar noch erforderlich. Insbesondere bei der derzeit verfügbaren Gesprächsqualität machen Anrufe für die Teilnehmer am anderen Ende der Leitung kaum Freude. Für kurze Telefonate mag das Telefonieren über Echo-Lautsprecher mittels Echo Connect praktisch sein, längere Telefongespräche wird man darüber aber derzeit eher nicht führen wollen. Es wird sich zeigen, ob Amazon Echo Connect zeitnah Verbesserungen per Update spendiert.

Echo Connect: Die Vor- und Nachteile
Pro Contra
  • Starten und Annahme von Telefonaten per Sprachbefehl
  • mit allen Echo-Geräten kompatibel
  • freihändig telefonieren
  • relativ günstiger Preis
  • Gesprächsqualität für Gesprächspartner zu leise, blechern
  • verwirrende Anzeige von Kontakten
  • Bug bei Anrufen mit Echo (1. Generation)
  • Echo Connect-Anrufe für einzelne Echos nicht deaktivierbar
  • teils Probleme bei der Einrichtung per Alexa-App

Jörg Schamberg

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