Alexa mit Mini-Display

Amazon Echo Spot im Test

Mit dem Echo Spot hat Amazon einen weiteren smarten Lautsprecher mir Alexa auf den Markt gebracht. Ob die kleine Halbkugel mit rundem Display überzeugen kann, klärt dieser Test.

Amazon Echo Spot© Amazon.com, Inc.

Berlin - Vernetzte Lautsprecher sind die aktuellen Verkaufsknüller der Elektronikbranche. Vorreiter dabei ist nicht ein Audio-Spezialist wie Sony, Bose oder Pioneer, sondern der Handelsriese Amazon . Gut drei Jahre nach der Einführung des ersten Echo hat nun Amazon sein zweites Gerät mit Kamera und Bildschirm auf den Markt gebracht, den Echo Spot.

Optik: Designwecker aus den siebziger Jahren

Rein optisch könnte der Echo Spot auch als Designwecker aus den siebziger Jahren durchgehen. Ein fast kugelförmiges Gehäuse, auf der Vorderseite ist ein 2,5 Zoll durchmessender Bildschirm eingebaut. Wie die anderen Geräte der Echo-Familie hört der Spot auf die Schlüsselworte "Alexa", "Echo " oder "Amazon", um dann Sprachbefehle in die Cloud zu übertragen. Alexa kann Witze erzählen, ein Taxi bestellen, Wissensfragen beantworten oder Nachrichten vorlesen.

Kunden von Amazon Music können auf den Echo-Lautsprechern jedes Spiel der Fußball-Bundesliga als Live-Reportage anhören. Weitere Funktionen gibt es über Apps, die bei Amazon "Skills" heißen. Mit diesen kann man beispielsweise den Echo zu einer kleinen Schaltzentrale eines Smart Homes ausbauen und mit Alexa das vernetzte Garagentor öffnen oder das Licht in der Abstellkammer ausschalten.

Fünf unterschiedliche Echo-Modelle

Fünf unterschiedliche Echo-Modelle bietet Amazon inzwischen an. Einsteiger-Modell ist der kleine Echo-Dot für knapp 60 Euro, der für die Musikwiedergabe per Kabel oder Bluetooth an Lautsprecher oder Audiosysteme angeschlossen wird. Es folgen die Röhrenlautsprecher Echo (2. Generation) für 100 Euro und der Echo Plus für 150 Euro. Diese Geräte unterscheiden sich vor allem durch die Klangqualität: Der einfache Echo klingt dabei ziemlich blechern, während der Echo Plus einen deutlich satteren Sound produziert.

Am oberen Ende thront der Echo Show für 220 Euro, der mit einem 7 Zoll großen Touch-Bildschirm ausgestattet ist und mit Abstand über die beste Soundqualität verfügt. Der Bildschirm des Show dient zum einen dazu, um die Antworten von Alexa zu illustrieren und dem Anwender Beispiele für mögliche Sprachbefehle vorzuführen. Mit dem Echo Show kann man aber auch Videochats führen oder Videos anschauen. Allerdings liefern sich Google und Amazon gerade einen Kleinkrieg, so dass man derzeit keine YouTube-Videos abspielen kann. Amazon lenkt Suchen nach Videos auf den eigenen Prime-Dienst sowie die Video-Portale DailyMotion, Vimeo und für Musikvideos auf die Plattform Vevo.

Problemlose Bedienung

Der runde Echo Spot ist mit 130 Euro noch unterhalb des Echo Plus angesiedelt. Standardmäßig zeigt das Gerät die Uhrzeit oder das Wetter an. Ähnlich wie bei einer Smartwatch kann man 17 verschiedene Zifferblätter aussuchen. Leider ist das eigentliche Display mit einem fingerdicken Rand umgeben, so dass der nutzbare Bereich des Bildschirms unnötig eingeschränkt wird. Gesteuert wird der Spot per Fingerwisch und hauptsächlich per Sprachbefehl. Das funktionierte im Test problemlos.

Das Display passt seine Helligkeit automatisch an das Umgebungslicht an. Außerdem verfügt der Echo Show über einen Nachtmodus, bei dem der Bildschirm stark gedimmt wird. Allerdings kann der Nachtmodus nur über eine starre Zeitsteuerung (zum Beispiel täglich von 22.00 - 07.00 Uhr) aktiviert werden, nicht spontan per Sprachbefehl. Da sollte Amazon noch nachbessern.

Bildschirm für Videoanrufe

Der Bildschirm mit einer eine Auflösung von 480 x 480 Pixel eignet sich gut für Videokonferenzen mit anderen Echo-Spots, dem Echo Show oder Smartphones mit Alexa-App. Das Gegenüber erscheint halbwegs scharf auf dem runden Display und ist über den eingebauten Lautsprecher gut zu verstehen. Die Videoqualität könnte allerdings besser sein, hätte Amazon nicht bei der Qualität der Webcams gespart. Beim Echo Spot erreicht die Kamera nur eine VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel). Der große Bruder Echo Show wurde immerhin mit einer Webcam mit 5 Megapixeln Auflösung ausgestattet. Neben normalen Videoanrufen gibt es eine sogenannte Drop-in-Funktion. Sie verbindet - das Einverständnis alles Beteiligten vorausgesetzt - direkt mit einer Gegenstelle. Mit dieser Funktion kann man den Echo Spot auch in ein Babyfone verwandeln. Leider werden nur Amazon-Chats unterstützt und keine Dienste wie Skype.

Für Filme und Serien kaum geeignet

Für das Abspielen von Filmen eignet sich der Echo Spot wegen des kreisrunden Displays nur bedingt. Im Zoom-Modus werden die Bilder links und rechts brutal abgeschnitten, im Normalmodus ist oben und unten ein breiter schwarzer Rand, das eigentliche Bild ist dann so klein, dass man kaum etwas erkennt.

Die Qualität des Lautsprechers reicht für die Sprachantworten von Alexa und die Wecksignale völlig aus. Will man jedoch mit dem Echo Spot umfangreicher Musik abspielen, sollte man das Gerät besser mit einem größeren Lautsprecher oder Audiosystem verbinden.

Fazit: Nicht fürs Schlafzimmer, auf dem Schreibtisch okay

So weit, so gut: Unklar blieb in dem Test aber der Hauptzweck des Echo Spot. Zum einen positioniert ihn Amazon als modernen Radiowecker für das Schlafzimmer. Dafür sind aber wichtige Funktionen wie die Aktivierung des Nachtmodus viel zu umständlich geraten. Zum anderen werden sich nicht nur Datenschutz-Aktivisten fragen, ob ein Gerät mit eingebauter Videokamera im Schlafzimmer wirklich eine so gute Idee ist. Auf einem Schreibtisch machte der Spot schon eine bessere Figur, insbesondere wenn man häufig und unkompliziert mit festen Ansprechpartner Videochats führen möchte. In Zukunft dürfte der Echo Spot aber nützlicher werden. Nämlich dann, wenn noch mehr Apps von Amazon selbst und Drittherstellern an das kreisrunde Display angepasst werden.

Marcel Petritz / Quelle: DPA

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