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Zwischen Gemüsegarten und Web-Giganten

Der Kopf einer der erfolgreichsten Marken im Web, Wikipedia, lebt in einem kleinen Dorf im französischen Zentralmassiv. Florence Devouard, 38-jährige Mutter von drei Kindern, steht seit Oktober an der Spitze der Wikimedia-Stiftung.

10.02.2007, 16:21 Uhr
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Wer sich unter dem Hauptquartier eines Internet-Riesen eine elegante Glas-Stahl-Konstruktion vorstellt, muss umdenken. Der Kopf einer der erfolgreichsten Marken im Web, Wikipedia, befindet sich in einem kleinen Dorf im französischen Zentralmassiv. Florence Devouard, 38-jährige Mutter von drei Kindern, steht seit Oktober an der Spitze der Wikimedia-Stiftung, die die globale Enzyklopädie mit über 100 Millionen Nutzern in 249 Sprachen, neben Englisch oder Arabisch auch Wolof und Tagalog, verwaltet.
Freiwilliges Engagement
Wikipedia wird von Freiwilligen betrieben und gehört neben der Suchmaschine Google oder dem Netzwerk YouTube zu den fünf bekanntesten Marken des weltweiten Netzes. Die Online-Enzyklopädie wird von seinen eigenen Nutzern erstellt, jeder Eintrag wird stetig nachgelesen, überprüft und verbessert. "Ich versuche, das Projekt professioneller zu gestalten und die Einhaltung der Gründungsprinzipien sicherzustellen", sagt Devouard, die sich tagsüber um ihre Kinder, ihr Haus und ihren Gemüsegarten kümmert.
Sobald die Nacht über das 900-Seelen-Dorf Malintrat in der Vulkan-Region Auvergne hereinbricht, schlägt Devouard ihr Laptop auf. Ihre Arbeit an dem 2003 entstandenen Projekt des Amerikaners Jimmy Wales besteht darin, die Grundregeln und redaktionellen Vorschriften der Enzyklopädie der rasanten Entwicklung im Internet anzupassen sowie finanzielle Mittel, vor allem Spenden, für den Ausbau der Kapazität aufzutreiben.
Auf Spenden angewiesen
"Das ist ganz einfach, ich renne den ganzen Tag hin und her", lacht die 38-Jährige, die mit ihren Partnern in Europa und den USA Kontakt aufnimmt, sobald ihre Kinder schlafen. Besonders schwierig ist es ihr zufolge, Geld aufzutreiben. "Am 15. Januar haben wir eine Million Dollar zusammenbekommen, aber in Wirklichkeit brauchen wir drei Mal soviel", um neue Computer-Server zu finanzieren oder andere Projekte wie "Wiktionary" oder "Wikibooks" auf den Weg zu bringen.
Inhaltlich will die Wikipedia-Chefin daran arbeiten, die Qualität der Einträge zu verbessern und den Zugang für weniger gebildete Menschen und arme Bevölkerungsschichten zu erleichtern. Auch eine große Werbekampagne ist geplant. Kaum zu glauben, dass Devouard bei ihrem ersten Kontakt mit der Internet-Enyklopädie kein Englisch konnte. Die studierte Landwirtin hatte im Netz unparteiische Informationen zur Gentechnik gesucht. Doch der Gedanke, "Verbindungen zwischen Menschen in aller Welt herzustellen", trieb sie voran.
Im Juni 2004 trat sie dem Vorstand der Wikimedia-Stiftung als Nutzervertreterin bei, im Oktober wurde sie dann zur Vorsitzenden gewählt. Aus der Auvergne wegzuziehen kommt für sie nicht in Frage. "Ich mag das Klima." Eine direkte Flugverbindung zwischen der nahegelegenen Stadt Clermond-Ferrand und London würde sie sich aber doch wünschen. "Das würde mein Leben schon erleichtern."

(Denise Bergfeld)

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