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Zoff um Smartsurfer: Web.de will Provision

Ärger um den Least Cost Router von Web.de: Die Karlsruher wollen künftig Provision von den Providern. Die Konkurrenz zetert.

Tastatur© peshkova / Fotolia.com
Der Smartsurfer von Web.de soll teurer geworden sein - das haben uns nicht wenige Nutzer des hilfreichen Tools in den letzten Tagen berichtet. Von heute auf morgen seien die Durchschnittspreise so stark gestiegen, dass man mit dem Smartsurfer eigentlich nichts mehr anfangen könne.

Tarife in Luft aufgelöst?

Ein kleiner Testlauf mit dem Programm von Web.de bestätigte die Leserangaben, viele der beliebten Schmalbandtarife zu 0,0x Cent/Min. sind scheinbar spurlos verschwunden. Ein Blick in unsere Datenbank offenbart, dass sich auf dem Internet-by-Call-Markt eigentlich nichts geändert hat. Es gibt die Tarife also noch. Nur nicht mehr im Smartsurfer.

Beim Smartsurfer handelt es um einen sogenannten Least Cost Router, der verschiedene Internettarife vergleicht und stets den günstigsten Zugang für die Einwahl via Modem oder ISDN herausfischt. Je mehr Tarife der Smartsurfer kennt, desto größer die Chance auf einen durchgehend günstigen Internetzugang. Bisher hat das auch gut geklappt. Doch es sieht so aus, als seien die Voraussetzungen jetzt nicht mehr so optimal.

Mysteriöse Preiserhöhungen

So haben einige Anbieter ihre Preise kürzlich angehoben. Inbesondere bei meOme machen sich die Änderungen deutlich bemerkbar. Bisher als Mutter aller Dumping-Provider bekannt, beklagen sich Schmalbandsurfer nun über die im Durchschnitt deutlich gestiegenen Preise. Von 0,02 Cent pro Onlineminute ist nicht mehr viel zu sehen. Auch verschwinden bisher attraktive Tarife aus den Portfolios der Provider. So haben Surf-N-Save und 123GetOnline alle bisher nur über den Smartsurfer erreichbaren Internetzugänge eingestellt.

Wie kommt es nun dazu, dass Web.de urplötzlich einige der populärsten Tarife nicht mehr in seinem Smartsurfer zur Verfügung stellt? Aus Anbieterkreisen erfährt onlinekosten.de von einem Aufschlag, den Web.de seit dem 1. November für alle im Smartsurfer gelisteten Tarife von den Anbietern verlange. Web.de bestätigt auf Anfrage, das sich im Smartsurfer eingetragene Provider verpflichtet hätten, seit dem 1. November eine Umsatzbeteiligung zu zahlen. Wer mehr als eine Million Minuten im Monat umsetzt, zahlt 0,15 Cent netto pro Minute an Web.de. Diese Provision werde für die erbrachte Vetriebsleistung berechnet, heißt es aus Karlsruhe weiter. Das sei ein "im Geschäftsleben völlig normaler Vorgang."

Olecos Breitseite

Die direkte Konkurrenz sieht das etwas anders. "Web.de erhöht die Internettarife um 50 Prozent" tönt die Dortmunder Oleco GmbH, Anbieter des Least Cost Routers NetLCR. Oleco-Boss Boris Edelhoff verlangt eine "Rücknahme dieser unseriösen Preise." Er fürchtet, die gesamte Branche könne in Verruf kommen. Oleco will auch über die Hintergünde der Provisionseinführung informiert sein: So sollen die Web.de-Dienste nach der vollzogenen Übernahme durch die United Internet AG jetzt profitabler werden, sonst drohe Einstellung.

Web.de wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe aus Dortmund und kündigt an, umgehend rechtliche Schritte gegen Oleco einzuleiten. "Web.de greift zu keinem Zeitpunkt in die Tarifhoheit der Provider ein", heißt es in der Stellungnahme. Olecos Behauptung sei daher "falsch und irreführend." Die Preise müssten die Provider schon selbst machen, Kosten für Vertrieb und Marketing sollten in jeder Kalkulation berücksichtigt sein - also auch die Provisionen für den Smartsurfer.

Kommentar: Neutralitätsprinzip verletzt

In dieser Argumentation ist allerdings nicht berücksichtigt, das im IbC die Margen eher schmal sind. Eine zusätzliche Provision ist geeignet, die knappe Kalkulation der Anbieter zu sprengen - zahlreiche Tarife werden so teurer oder gleich ganz eingestellt. Oder die Provider verzichten darauf, im Smartsurfer gelistet zu werden. In jedem Fall ist der Surfer der Dumme.

Doch auch für Web.de könnte der Schuss nach hinten losgehen: Denn ein Least Cost Router, der nicht einen möglichst großen Teil des Marktes repräsentiert, wird unattraktiv. Überhaupt müssen sich die Karlsruher Fragen lassen, ob sie nicht dabei sind, ein wesentliches Gut zu verspielen: Das Vertrauen der Nutzer. Darauf und auf einem neutralen LCR ruht der Erfolg des Systems. Und wie neutral kann ein Least Cost Router sein, der am Umsatz der gelisteten Unternehmen partizipiert?

(Tobias Capangil)

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