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Zensur in China: Der Pate und Co. werden verboten

Die chinesische Regierung geht jetzt gezielt gegen Websites vor, die Bezug zur Mafia-Thematik haben. Auch vor Computerspielen macht sie nicht halt.

30.07.2009, 15:31 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat China gezielt Websites verboten, die Computerspiele mit Mafia-Bezug als Thema haben. Wer dieses Gesetz verletzt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.
Die Mafia als schlechtes Vorbild
Das Kulturministerium habe der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua erklärt, dass solche Spiele "Obszönität, Glücksspiel oder Gewalt" befürworten. Dies untergrabe die chinesisch traditionelle Kultur und die Moral. In einem Rundschreiben des Ministeriums hieße es weiterhin: "Diese Spiele ermutigen die Menschen zum Täuschen, zum Plündern und zum Töten. Das Gangsterleben wird verherrlicht. Sie üben einen schlechten Einfluss auf die Jugendlichen aus." Als Beispiel wurde das Spiel "The Godfather" genannt, in dem Spieler in die Rolle eines Gangsters oder Auftragskillers schlüpfen können. Das Kulturministerium fügte hinzu: "Das Ministerium weist ihre Strafverfolgungsbehörden an, die Kontrollen zu verstärken und Betreiber solcher Seiten hart zu bestrafen".
Comeback des organisierten Verbrechens
Die Mafia habe in den letzten Jahrzehnten ein Comeback in China erlebt, seit die Regierung die wirtschaftlichen und sozialen Kontrollen gelockert habe. In China seien Filme und Serien über das Leben der Mafiabanden, trotz deren Verbrechen wie Menschen- und Drogen-Handel, sehr beliebt.
Zensur als Geburstagsgeschenk
Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Verschärfung der Medienkontrolle anlässlich des 60. Jahrestags der kommunistischen Regierung im Oktober. Zuvor hatte die Regierung bereits hunderte Seiten mit pornografischen und regierungskritischen Inhalten geschlossen. Den Plan, die eigens entwickelte Filtersofware "Green Dam" auf jedem neuen Rechner vorzuinstallieren, hat die Regierung aber zurückgestellt.
Tiefe Einschnitte in die Meinungsfreiheit zu fragwürdigen Jahrestagen erfreuen sich offenbar großer Beliebtheit bei der chinesische Regierung: Zum 20. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratie-Bewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens hatte China den Zugang zu Twitter und Blogs gesperrt.
China hat rund 200 Millionen Online-Spieler und mehr als 300 Millionen Internet-Nutzer. In der Online-Spiele-Industrie werden Wachstumsratten von 30 bis 50 Prozent erwartet.

(Marcel Petritz)

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