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Zeitung: Telekom plant radikalen Umbau

Einem Zeitungsbericht zufolge will die Deutsche Telekom das Festnetz- und Mobilfunkgeschäft bündeln. Der künftige Chef wäre damit neben René Obermann der mächtigste Manager.

25.02.2009, 08:46 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom plant einem Zeitungsbericht zufolge einen Bruch mit ihrem bisherigen Führungsmodell. Die Bonner wollten die Verantwortung für das deutsche Festnetz- und Mobilfunkgeschäft in einem eigenen Vorstandsressort bündeln, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Mittwoch unter Berufung auf Konzernkreise.
Operativ mächtigster Manager
Der Chef der neuen Deutschland-Sparte sei damit für rund die Hälfte des Konzernumsatzes von gut 60 Milliarden Euro verantwortlich und steige zum operativ mächtigsten Manager neben dem Vorstandsvorsitzenden René Obermann auf, so das Blatt. Auch das "Handelsblatt" (Mittwoch) berichtet über Umbaupläne von Telekom-Chef Obermann. Damit vollziehe Obermann, was er bei seiner Amtsübernahme Ende 2006 begonnen habe. Er hatte damals konzernübergreifende Verantwortungen eingeführt,jedoch auf die Zusammenlegung von Festnetz und Mobilfunk verzichtet.
Umbaubeschluss noch in dieser Woche?
Bislang werden das Festnetz- und Mobilfunkgeschäft getrennt und länderübergreifend geführt. Laut "FTD" sollen die beiden Sparten nun organisatorisch komplett verschmolzen werden. Ein entsprechender Umbaubeschluss werde voraussichtlich schon diese Woche vom Aufsichtsrat des Unternehmens gefasst, hieß es. Die Telekom war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Sprecher verweigerte gegenüber der Zeitung einen Kommentar und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am Freitag. Zuvor tagt noch der Telekom- Aufsichtsrat.
Der Konzernumbau stehe im Zusammenhang mit dem als sicher geltenden Wechsel des bisherigen Festnetzchefs Timotheus Höttges auf den Posten des Finanzvorstands, heißt es bei der "FTD" weiter. Höttges soll die Nachfolge des zum Monatsende ausscheidenden Finanzchefs Karl-Gerhard Eick antreten. Der wiederum führt künftig den Essener Handelskonzern Arcandor. "Der Wechsel Eicks bot sich als Gelegenheit für einen Umbau an", sagte ein Insider der Zeitung dem Bericht zufolge.
Ob die Integration von Festnetz und Mobilfunk im deutschen Geschäft allerdings in einer Art "Superminister für die Telekom" gipfelt und wie eng die beiden Bereiche tatsächlich verzahnt werden, ist Konzernkreisen zufolge noch nicht entschieden. Zunächst solle eine Projektstelle eingerichtet werden, hieß es. Eine interne Besetzung der Position gelte als wahrscheinlich. Es gebe eine ganze Reihe von Managern bei der Telekom, die sich für diesen Posten eignen würden. Dabei würde die Telekom mit der Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk anderen europäischen Konzernen wie France Télécom und Swisscom folgen. "Das ist ein europaweiter Trend, der vor allem bei den Ex-Monopolisten zu beobachten ist", sagt Telekom-Experte Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Co. "Die Telekom- Konzerne haben damit die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und ihre Kunden besser zu bedienen." Mit der Zusammenlegung könne die Zahl der Kündigungen verringert werden, außerdem könnten die Unternehmen an bestehende Kunden einfacher zusätzliche Produkte vermarkten. Auf dem deutschen Markt hob Konkurrent Vodafone im vergangenen Sommer die Trennung nach Technologien auf und richtete sich nach Privat- und Geschäftskunden aus. Nach den Worten von Vodafone-Sprecher Jens Kürten zahlt sich das Konzept bereits aus: "Wir sehen die Neuordnung als sehr erfolgreich an."
Bessere Dienstleistungen
Nach Meinung von Gartner-Analystin Bettina Tratz-Ryan hat der deutsche Ex-Monopolist kaum eine andere Chance, denn gerade im Breitbandgeschäft differenzierten sich die Unternehmen inzwischen nur noch über den Preis. Mit einer Neuausrichtung könnte die Telekom auf den steigenden Preiswettbewerb reagieren und die Kunden statt über den Preis durch bessere Dienstleistungen an sich binden, so Tratz- Ryan. Der Bonner kämpften sowohl im Festnetz- als auch im Mobilfunkgeschäft in Deutschland zuletzt mit sinkenden Umsätzen.
Neue Produkte
Auf Produktseite will die Telekom getreu ihrem Motto "connected life and work" in Zukunft nach Internet, Telefon und Fernsehen auch den Mobilfunk in ein Rundum-Angebot einbinden. Am Dienstag stellte der Konzern im Vorfeld der CeBIT entsprechende neue Produkte vor. Für seine neu gewonnenen Geschäftskunden will T-Home-Chef Höttges ebenfalls kombinierte Produkte aus Festnetz und Mobilfunk schneidern.

(Saskia Brintrup)

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