Security

ZDF: Schwere Datenpanne bei Google Docs

Dokumente in Google Docs sind nach Recherchen des ZDF auch anderen Nutzern zugänglich. Sie tauchten in fremden Google-Accounts auf, selbst dann, wenn sie nicht freigegeben wurden.

19.10.2009, 12:43 Uhr
Google© Google

Es ist bequem und einfach: In der Online-Textverarbeitung Google Text & Tabellen bietet der US-Suchmaschinenriese auch hierzulande Internetsurfern im Browser die kostenlose Erstellung und Speicherung von Texten an. Der Umgang mit den Daten soll sicher sein, doch Computerexperten der "heute"-Redaktion des Fernsehsenders ZDF stießen auf eine massive Datenpanne.
Private Dokumente für andere Nutzer einsehbar
Demnach tauchten Dokumente eines Nutzers in fremden Google-Accounts auf. Und dies, obwohl die Dokumente nicht für andere Anwender freigegeben waren. Betroffen seien auch interne Briefe gewesen, die Bankverbindungen, Adressdaten und andere persönliche Informationen enthielten. Laut den Angaben des ZDF-Teams hätten in einem Fall 37 weitere Personen auf ein Dokument Zugriff gehabt. Die Texte konnten gelesen und bearbeitet werden. Der betroffene Nutzer bemerke davon nichts. Nach Vermutungen des ZDF könnte die Datenlücke durch ein kürzlich erfolgtes Update der Online-Textverarbeitung hervorgerufen worden sein. Google hatte dabei neue Funktionen für die Freigabe von Dokumenten eingeführt. Vom US-Unternehmen selbst gab es noch keinen Kommentar zu den Vorfällen.
Pannen bei Google häufen sich
In diesem Jahr gab es bereits mehrfach Systemausfälle bei Google, im Frühjahr auch schon Probleme mit Google Docs. Der Suchmaschinenbetreiber sammelt mit seinen zahlreichen Anwendungen immer mehr Daten. Der neue Dienst Google Wave, der eine neue Form der Kommunikation ermöglichen soll, ist kürzlich erst als Beta gestartet. Hier werden E-Mails, soziale Netzwerke und Kontakte in einer Anwendung zusammengeführt. Datenschützer sind alarmiert: "Der Nutzer verliert vollständig die Kontrolle über seine Daten", so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. "Sowohl aus IT-sicherheitstechnischen Gründen als auch aus Sicht des Datenschutzes" sei die Nutzung von Google-Diensten "aktuell nicht zu empfehlen."
Update vom 20. Oktober: Stellungnahme von Google
Auf Anfrage von onlinekosten.de erläuterte ein Google-Sprecher, dass das ZDF die Freigabe-Funktion in Google Docs fälschlich als angebliche Sicherheitslücke beschrieben habe. "Wir nehmen die Sicherheit der Daten unserer Nutzer sehr ernst, und wir haben diesen Bericht schnellstens untersucht. Wie sich herausstellt, erfolgt die Freigabe-Funktion wie geplant, und nur durch die explizite Berechtigung in den Dokument-Einstellungen gewannen Nutzer Zugang zu den Dokumenten", so der Google-Sprecher. Der Reporter habe keine Schwachstelle in Google Text & Tabellen identifiziert. Die Freigabe-Einstellungen, die direkt in dem Produkt und in der Text & Tabellen-Hilfe erklärt werden, erlauben es den Anwendern, gemeinsam auf Dokumente zuzugreifen und daran gemeinsam zu arbeiten. Das ZDF werde den Bericht laut Google heute noch korrigieren.

(Jörg Schamberg)

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