News

Zattoo startet kostenloses Internet-TV in Deutschland

Das Projekt aus der Schweiz ermöglicht den kostenlosen Empfang von digitalen TV-Kanälen über das Internet. Zattoo plant nach eigenen Angaben, ab dem 1. Juni sein werbefinanziertes Angebot auch in Deutschland zu präsentieren.

31.03.2007, 13:01 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Die neue Software Zattoo bringt das reguläre Fernsehprogramm von zahlreichen TV-Stationen kostenlos ins Internet. Das in der Schweiz gestartete Projekt soll nach Informationen von Spiegel Online im Sommer auch in Deutschland verfügbar sein.
Streams auf dem Vormarsch
IPTV-Angebote und Internet-Streams gewinnen nicht nur in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Auch kleinere Programmanbieter, wie Lokalsender, die sich eine Satelliten- oder Kabelverbreitung nicht leisten können, greifen auf die weltweite Ausstrahlung über das Internet zurück. Ein üblicher DSL-Anschluss und die kostenlose Software sind die einzigen Voraussetzungen, um Zattoo nutzen zu können.
DSL-Anschluss genügt
Eine umständliche Konfiguration entfällt, da das Programm alle Einstellungen nach der Installation auf dem Computer automatisch vornimmt. Das ist vor allem für weniger geübte PC-Nutzer eine deutliche Erleichterung. Mit einer Downloadgeschwindigkeit von 400 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) zeigt Zattoo das laufende Fernsehprogramm, verzögert um zwanzig Sekunden. TV-Sendungen können aus urheberrechtlichen Gründen aber nicht aufgenommen werden, auch ein zeitversetztes Ansehen ist nicht möglich.
Künftig will sich das Projekt zunehmend über Werbespots finanzieren, die für einige Sekunden beim Senderwechsel eingeblendet werden. Voraussichtlich Mitte April sollen die ersten Werbespots zu sehen sein. Bislang finanziert sich Zattoo noch durch Investoren. Während in der Schweiz rund 265.000 Eidgenossen das preisgekrönte Projekt nutzen, soll der Startschuss in Deutschland am 1. Juni fallen. Das kündigte Firmengründer Beat Knecht gegenüber Spiegel-Online an. Zuvor müssen jedoch noch zahlreiche Lizenzprobleme aus dem Weg geräumt werden. Die ARD wollte sich gegenüber dem Magazin nicht zu einem möglichen Vertragsabschluss mit Zattoo äußern. Ob die ambitionierten Pläne termingerecht umgesetzt werden können, bleibt abzuwarten.
Harte Lizenzverhandlungen
Für jedes Land müssen gesonderte Lizenzvereinbarungen mit den jeweiligen Programmanbietern ausgehandelt werden, da eine Internet-Verbreitung nur mit Zustimmung des Veranstalters erlaubt ist. Damit stehen Zattoo noch harte Verhandlungen ins Haus. Über die genauen Kosten wollte Knecht keine genauen Angaben machen. Die innovative Technik und das Konzept der Schweizer begeistert auch die Fachwelt. Der Innovationspreis "Red Herring" des gleichnamigen Technik-Magazins wurde in diesen Tagen an Zattoo verliehen. Bisherige Preisträger sind beispielsweise eBay, Skype und Google. Die an der Universität Michigan entwickelte Technik war ursprünglich für ein professionelles Videokonferenz-System vorgesehen.
Derzeit werden in der Schweiz 41 Fernsehprogramme wie ARD, ZDF, RTL, ProSieben und Sat.1 sowie zahlreiche ausländische Kanäle angeboten. In den kommenden Monaten soll die Zahl der TV-Programme stetig wachsen. Bis Anfang April soll der Dienst auch in Großbritannien und Dänemark zur Verfügung stehen, mittelfristig ist eine Expansion nach Österreich, Frankreich und Spanien geplant.

(Stefan Hagedorn)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang