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Zalando schreit vor Glück: Vor Börsengang lockt erstmals Gewinn

Sechs Jahre ist Zalando auf dem Markt. Mit einer aggressiven Expansions- und Marketing-Strategie ("Ich schrei vor Glück") hat der Online-Versender den Umsatz gepuscht, jedoch bisher jedes Jahr nur Verluste eingefahren. Anfang des Jahres verdichteten sich Gerüchte um einen Börsengang. Jetzt nähert sich der Online-Versender erstmals der Gewinnzone. Nicht der einzige Grund, warum Zalando für sine Eigentümer ein Quell der Freude ist: Sie könnten bald einen Millionengewinn einstreichen.

18.07.2014, 13:03 Uhr (Quelle: DPA)
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Mit seiner aggressiven Expansions- und Marketing-Strategie hat der Online-Versender Zalando in den sechs Jahren seines Bestehens den Umsatz kräftig gepuscht. Vor allem schrille TV-Werbung ("Ich schrei vor Glück!") sowie für die Versand-Branche sehr kundenfreundliche 100 Tage Rückgaberecht ungebrauchter Ware sowie kostenloser Versand und Rückversand brachten stets steigende Bestellzahlen. Unter dem Strich blieben trotzdem bisher nur Verluste. Die Millionenverluste haben bei den aktuellen Eigentümern jedoch nicht wirklich Trauer ausgelöst. Sie haben längst eine sogenannte Exit-Strategie: Bereits Anfang des Jahres verdichteten sich die Gerüchte um einen Börsengang von Zalando.

"Hohe Rücksendequote ist einkalkuliert"

Da passt es gut, dass sich der Online-Modehändler nun erstmals der Gewinnzone nähert. Im zweiten Quartal 2014 seien schwarze Zahlen erreicht worden, sagte Vorstand Rubin Ritter am Freitag. Für das gesamte erste Halbjahr stehe damit voraussichtlich eine schwarze Null. Für das Gesamtjahr bleibt Zalando trotzdem vorsichtig.

Es zwar ist nicht das erste Quartal mit schwarzen Zahlen für den Berliner Internet-Händler. Auch zuvor, in einem vierten Quartal, gab es schon einmal Gewinne - da würden allerdings auch die teuersten Artikel verkauft, sagte Ritter. Neu sei jedoch, dass das Unternehmen in einem zweiten Quartal profitabel sei.

150.000 Produkte im Angebot

Das liegt laut Ritter vor allem an Optimierungen beim Wareneinkauf, bei Logistik und Marketing. Investitionen in die Logistikzentren in Erfurt und Mönchengladbach zahlten sich nun aus. Auch die Kundenbasis wachse trotz teilweise heftiger öffentlicher Kritik an den Arbeitsbedingungen weiter. "Wir gewinnen Marktanteile in allen Branchen dazu", sagte Ritter. Der Internet-Händler Zalando bietet rund 150.000 Produkte an, außer Bekleidung auch Haushaltsartikel, Einrichtungsgegenstände, Sportgeräte und Kosmetik. Als problematisch gilt die hohe Rücksendequote von fast 50 Prozent. Das sei im Businessplan allerdings einkalkuliert, hatte Ritter zuletzt betont.

Der Nettoumsatz stieg im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro. Trotzdem dämpfte er die Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr: Die Gewinnschwelle werde eventuell nicht ganz erreicht. 

Von den Samwer-Brüdern aufgebaut

Es könnte jedoch reichen, um den aktuellen Eigentümern von Zalando einen Milliardengewinn zu bescheren. Denn Zalando wurde erst 2008 mit Investorenkapital der Samwer-Brüder gegründet.  Die drei Brüder Oliver, Marc und Alexander sind die Aktivisten unter Deutschlands Internet-Unternehmern. Ihr Start-up-Imperium Rocket Internet reicht mittlerweile von Berlin über São Paulo bis nach Manila.

Kein Online-Inkubator hat in Deutschland mehr Geld von Investoren angezogen. Und selbst im Silicon Valley, der selbstzentrierten Weltkapitale der Branche, sind die Samwers allen ein Begriff: Dort sind die Brüder aus Germany als gnadenlose Kopisten amerikanischer Geschäftsideen gefürchtet. Auch Zalando gilt als Kopie des der US-amerikanischen Versandhändlers Zappo. Größter Anteilseigner des Onlinehändlers ist der schwedische Investor AB Kinnevik mit 37 Prozent vor den deutschen Internet-Investoren, den Samwer-Brüdern, mit 17 Prozent.

Investoren kassieren bei Börsengang

Für die Samwer-Brüder und die übrigen Investoren könnte mit dem Erreichen der Gewinnschwelle nun die Zeit gekommen sein, um Zalando Good-Bye zu sagen. Bereits Anfang des Jahres berichtete die Finanzpresse, dass ein Börsengang vorangetrieben werde. Dieser würde die sogenannte Exit-Strategie, nach der die anfänglichen Investoren ihr Investment vergolden, vervollständigen. Aktionäre werden den Gründern und Investoren die Aktien des bisherigen Verlustbringers Zalando abkaufen - zu einem wesentlich höheren Preis, der alle Verluste mehr als kompensiert.

Einem Bericht der "WirtschaftsWoche" Ende 2013 zufolge würde auch das aktuelle Zalando-Management kräftig profitieren. So sei vereinbart worden, rund 1,4 Prozent der Firmenanteile für die Geschäftsführung zu reservieren; ein weiteres Prozent für Führungskräfte und ausgewählte Mitarbeiter. Insgesamt könnten die Papiere im Wert von insgesamt 88 Millionen Euro bei einem Börsengang rasant an Wert gewinnen: Der Gesamtwert Zalandos liegt nach letzten Schätzungen bei fast 4 Milliarden Euro.

"Jede unserer Firmen muss sich jedes Jahr an drei Messlatten orientieren: Es muss Marktführer sein oder zumindest auf dem Weg dahin. Es muss den Abstand zu seinen Konkurrenten kontinuierlich vergrößern. Und die betriebswirtschaftlichen Eckdaten müssen sich verbessern", sagte Oliver Samwer dem "Handelsblatt". Einer E-Commerce-Firma gebe er sieben bis zehn Jahre um profitabel zu sein. In den ersten Jahren hätten die Brüder daher viele von ihnen gegründete Firmen zu früh verkauft, räumte er ein.

(Michael Frenzel)

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