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Zäher Marktstart für Nokias Lumia & Co

Ein Verkaufshit sind die neuen Windows Phone Smartphones nicht. Aber Nokia und Microsoft bleiben optimistisch: Für den Abgesang sei es zu früh.

24.11.2011, 07:57 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Microsoft und Nokia stellen sich schützend vor ihre Flaggschiffe, deren Stapellauf nicht ganz die Erwartungen erfüllte. Echte Partystimmung will nach der Markteinführung der Windows Phone Smartphones nicht aufkommen: Der Verkauf läuft eher schleppend an, was Nokia bereits Aktienwertverluste von bis zu fünf Prozent einbrachte.

Kritik: Viel Geld für wenig Neues

Die so genannten Lumia Telefone kosten zu viel und bieten dafür zu wenig, so die Kritiker. Gut Ding braucht Weile, kontern die Finnen. Die Kunden bräuchten eben Zeit, um Vertrauen zu den neuen Smartphones zu fassen. Die Häme aus der Presse- und Analystenecke sei verfrüht.

Große Hoffnungen ruhten auf dem Rücken der neuen Mobilfunk-Rassepferde Lumia 800 und 710, die im November auf den Markt kamen - in Deutschland folgt das 710er Modell im Januar. Doch langsam macht sich Ernüchterung breit: Die Nachfrage nach dem Lumia 800 könne trotz positiver Kritik dem iPhone 4 S oder den Android-Smartphones nicht das Wasser reichen, sagten zwei Manager von Telekomkonzernen gegenüber der "Financial Times".

Sekt statt Selters gibt es hingegen beim britischen Mobilfunkbetreiber Orange: Man erlebe durch das Lumia 800 den besten Start eines Nokia-Handys auf der Insel überhaupt. Fairerweise sei ergänzt: Orange hatte ein wenig nachgeholfen - mit einer Xbox 360 als Gratis-Beigabe für alle, die das Gerät vorbestellt hatten.

Ein mäßiges Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigt auch Analyst James Faucette dem Nokia-Hoffnungsträger gegenüber der "New York Times" – und senkt die Verkaufsprognose für dieses Quartal von zwei Millionen auf 500.000 Stück. Gartner rechnet mit 1,7 Millionen ausgelieferten Windows-Phone-Geräten im dritten Quartal 2011. Kleine Fische für Apple: Die Kalifornier brachten am ersten Verkaufswochenende gleich 4 Millionen iPhone 4S–Geräte an den Mann und die Frau.

RIMs Pechsträhne – Chance für Nokia

Nokia gibt sich unbeirrt. Sprecher James Etherige spricht von einem erfolgreichen Verkaufsstart und unberechtigter Kritik aufgrund voreiliger Analysen. Auch Nokia Chef Stephen Elop erwähnt gegenüber Bloomberg die "positiven Reaktionen" der Öffentlichkeit auf die Windows Phone Smartphones, räumt jedoch ein, man müsse eben erst das Vertrauen der Verbraucher gewinnen.

"Wir wissen, wenn sie es testen, werden sie es lieben", so Elop selbstbewusst. Microsoft-Kollege Steve Ballmer klingt da schon zurückhaltender: "Ich sage nicht, es ist toll, wo wir sind", so sein Resumée in der New York Times, "aber ich bin optimistisch, denn ich weiß, wo wir bald stehen können."

Zugute kommen den Finnen möglicher Weise die Probleme von RIM Blackberry. Hier könnte sich Marktforschern zufolge eine Nische für die Windows Phone Geräte öffnen – in die aber auch ebensogut andere Hersteller einscheren könnten.

Nokia hat die Lumias zunächst in einigen europäischen Ländern auf den Markt gebracht. In weiteren den USA und Asien ist der Verkaufsstart für Anfang 2012 geplant. In Deutschland ist das Nokia Lumia 800 noch nicht bei allen Netzbetreibern erhältlich. So steht der Verkaufsstart bei Vodafone erst Anfang 2012 an.

(Dorothee Monreal)

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