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Yahoo!-Chef gewinnt Prozess um Nazi-Auktionen

Früherer Yahoo!-Chef Koogle haftet nicht für Auktionen mit Nazi-Objekten auf seiner Plattform.

07.04.2005, 08:36 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Im jahrelangen Streit um den Online-Verkauf von Nazi-Objekten über den Internetdienst Yahoo hat das Pariser Berufungsgericht den Freispruch für den früheren Yahoo-Chef Timothy Koogle bestätigt.
Erfolg auch in zweiter Instanz
Koogle könne nicht für die Inhalte der Online-Auktionen haftbar gemacht werden, betonten die Berufungsrichter in ihrem gestern Abend verkündeten Spruch. Koogle war bereits im Februar 2003 in erster Instanz in Paris vom Vorwurf der Verharmlosung von Verbrechen frei gesprochen worden. Zwei als Nebenkläger auftretende Verbände gingen in Berufung. In dem Verfahren geht es unter dem Strich nicht zuletzt darum, welches Recht im Internet gilt.
Auf Internet-Seiten von Yahoo waren früher unter anderem Nachbildungen von Behältern des in den NS-Todeslagern verwendeten Gases Zyklon B sowie Hakenkreuz-Armbinden zu ersteigern gewesen. Im Januar 2001 sperrte Yahoo seine Auktionsseiten für sämtliche Nazi-Objekte. Hinterbliebene von Franzosen, die ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden waren, sowie ein Anti-Rassismus-Verband hatten den US-Bürger Koogle vor Gericht gebracht. Sie verlangten - vergeblich - einen symbolischen Euro Schadensersatz sowie eine Veröffentlichung des auf Englisch übersetzten Richterspruchs im Internet.
Die Frage der Bananenrepublik
Bei der mündlichen Berufungsverhandlung Anfang vergangenen Jahres hatte Koogles Anwalt Olivier Metzner die Zuständigkeit der Pariser Richter für den Internet-Fall zunächst bestritten. Wenn das französische Recht Anwendung finde, "finden alle Gesetze der Welt Anwendung, und diese Gesetze sind untereinander nicht vereinbar", hatte er gesagt. So würde Yahoo etwa ein Foto einer unverschleierten Frau zurückziehen müssen, wenn dies die Gesetze eines moslemischen Staates verletze. "Kann eine Bananenrepublik oder eine Diktatur über den Inhalt des Internet bestimmen?"
Staatsanwalt Antoine Bartoli hatte diese Argumente zurückgewiesen. Da das Internet überall zugänglich sei, könne dort nicht keinerlei Gesetz gelten, hielt er entgegen. Der Deportierten-Anwalt Charles Korman betonte, es könne auch nicht in der ganzen Welt "nur das amerikanische Recht gelten, das alles erlaubt".

(Hayo Lücke)

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