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Y-Titty: Medienaufseher werfen Youtube-Comedians Schleichwerbung vor

Sie werden millionenfach angeklickt - launige Videos auf dem Internetportal Youtube. Ihre Reichweite ist damit inzwischen so groß, dass sie für Produktreklame immer interessanter werden. Angebliche Schleichwerbung hat jetzt Medienaufseher auf den Plan gerufen.

27.03.2014, 17:31 Uhr (Quelle: DPA)
Video© Thomas Pajot / Fotolia.com

Die Landesmedienanstalten haben verschiedenen Machern von Internet-Videos illegale Schleichwerbung vorgeworfen. In den über das Internetportal Youtube abrufbaren Videos präsentiere beispielsweise die Kölner Online-Comedygruppe Y-Titty Produkte von Samsung, McDonalds und Coca-Cola, teilte die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen am Donnerstag auf Anfrage mit. Die Aufsichtsbehörde bestätigte damit einen entsprechenden Beitrag des TV-Magazin "Report Mainz".

Werbung müsse gekennzeichnet werden

In dem Film hatte der Chef der NRW-Landesanstalt, Jürgen Brautmeier, in seiner Funktion als Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten nach der Sichtung mehrerer Youtube-Videos erklärt: "Wenn da Absicht dahinter steht und auch Geld fließt und ein Auftrag erteilt wird, dieses Produkt zu zeigen, das ist Schleichwerbung. So ist es auch bei Youtube-Videos, die wir uns angesehen haben".

Ein Sprecher der Landesanstalt für Medien in NRW erklärte am Donnerstag ergänzend, die Aufsichtsbehörde sehe beispielsweise bei Y-Titty Verstöße gegen den Paragraf 6 des Telemediengesetzes. Dieser Paragraf regele, dass Werbung in Online-Medien klar gekennzeichnet seine müsse. Dies sei etwa bei Y-Titty-Videos nicht der Fall. Entsprechende Geschäftsmodelle, mit denen inzwischen viel Geld verdient werde, hätten sich in den vergangenen beiden Jahren rapide entwickelt. "Offensichtlich haben das noch nicht alle in den Bundesländern auf dem Schirm, die das zu beaufsichtigen haben", sagte der Sprecher.

Zurückhaltend äußerte sich die Regierung von Mittelfranken, die in Bayern die Aufsicht unter anderem über Internet-Medien hat. Eine Behördensprecherin erklärte am Donnerstag auf dpa-Anfrage, die Regierung von Mittelfranken prüfe derzeit ein Verfahren gegen die bei "Report Mainz" gezeigten Youtube-Videos. Am Ende der Prüfung könnte ein Verwaltungsverfahren oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren stehen, aber auch, "dass nichts weiter zu veranlassen ist".

Online-Netzwerk Mediakraft weist Vorwürfe zurück: Product-Placement statt Schleichwerbung

Klar sei auch noch gar nicht, ob die Verantwortlichen für die bemängelten Youtube-Videos ihren Wohnsitz überhaupt in Bayern haben, betonte die Ansbacher Aufsichtsbehörde. Nach dpa-Informationen hat etwa die Online-Comedy-Gruppe Y-Titty ihre Wurzeln im mittelfränkischen Hilpoltstein. Erste Videos seien dort produziert worden. Später zogen die Mitglieder der Künstlergruppe mit ihrer Produktionsfirma nach Köln um. Der Name "Y-Titty" ist nach Angaben von Gruppenmitgliedern eine Verballhornung der früher von der Gruppe genutzten Abkürzung "Y. T. D" für "Youtube Dummies".

Das Online-Netzwerk Mediakraft, das unter anderem Werbeplätze in den Youtube-Videos vermittelt, wies den Vorwurf der Schleichwerbung am Donnerstag zurück. Was Mediakraft mache, sei vielmehr sogenanntes Product-Placement. "Werden werbliche Inhalte in unsere Inhalte eingebunden, wird dies dem Nutzer kenntlich gemacht", heißt es in der Erklärung des Unternehmens. Allerdings gebe es für die Art und Weise der Kennzeichnung von Product-Placement bei Online-Videos "noch keine anerkannten Standards oder Richtlinien". Die zuständigen Behörden und Medienanstalten begännen gerade erst, sich mit der Thematik zu befassen.

(Saskia Brintrup)

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