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XXX: Porno-Domain doch nicht tot?

Der Streit um die XXX-Domain geht weiter. EU-Kommissarin Reding spricht von "politischer Einflussnahme" und der abgewiesene Antragssteller hat noch ein Ass im Ärmel.

12.05.2006, 16:33 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Die geplante Porno-Domain ".xxx", seit der ablehnenden Entscheidung der ICANN eigentlich Geschichte, sorgt weiter für Aufregung. Heute goss die EU-Kommissarin für Informationstechnologien, Viviane Reding, frisches Öl ins Feuer. Ein Sprecher der Kommissarin erklärte: "Wir sehen hier einen klaren Fall von politischer Einflussnahme auf die ICANN".
EU: "Politische Einflussnahme"
Die EU-Kommssion vermutet, dass ICANN nicht unabhängig entschieden haben könnte und fürchtet eine direkte Einflussnahme Washingtons auf den Entscheidungsprozess. "Dass sich die US-Regierung in diesen Prozess eingemischt hat, ist eine Besorgnis erregende Entwicklung", so der Sprecher der Kommissarin weiter. Die Organisation ICANN regelt die Vergabe der weltweiten Top-Level-Domains und untersteht dem US-Handelsministerium.
Die EU sieht die Gefahr der einseitigen Einflussnahme auf ein internationales System und bemängelt die langsame Bearbeitung in Angelegenheiten nicht englischsprachiger Domains. Die Europäer haben bereits versucht, der ICANN die Kontrolle über das zentrale Adresssystem des Internets teilweise zu entziehen. Bisher allerdings ohne Erfolg.
ICANN weist Vorwürfe zurück
ICANN-Chef Paul Twomey, der entsprechende Kritik bereits nach der Bekanntgabe der Entscheidung zurückgewiesen hatte, sagte, die Anschuldigung entbehre jeder Grundlage. Die Vorstellung, ICANN würde nach der Pfeife der Bush-Administration tanzen, sei "ignorant". Zudem hätten zahlreiche andere Staaten Bedenken gegen die Porno-Domain geäußert, darunter auch die EU-Mitglieder Schweden, Dänemark und Großbritannien.
Der von der ICANN abgewiesene Antragsteller ICM Registry zeigt sich enttäuscht von dem Votum des Gremiums. Gegenüber dem US-Magazin "Computer Business Review online" vermutete ICM-Präsident Stewart Lawley, die Porno-Domain sei aus politischen Gründen abgeschossen worden. ICM will jetzt erst die genaue Begründung der ICANN abwarten und dann weitere Schritte überlegen. "Wir hoffen, dass insbesondere die Mitglieder, die ihre Meinung geändert haben, Einblick gewähren, warum sie so abgestimmt haben", so Lawley gegenüber onlinekosten.de.
Dokumente als Beleg?
ICM hat zwei Jahre und etwa zwei Millionen US-Dollar in die Kampagne für ".xxx" gesteckt. Das Unternehmen kann die Entscheidung noch anfechten. Eine Möglichkeit ist die Berufung bei der ICANN. Doch hat Lawley Berichten zufolge noch ein Ass im Ärmel: Er sei in Besitz von Dokumenten aus dem US-Handelsministerium, deren Inhalt etwas Licht auf die Rolle der US-Administration und der christlichen Rechten in diesem Verfahren werfen könnten.

(Volker Briegleb)

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