News

"WSJ": Telekom-Chef Höttges drängt auf weniger Regulierung

Der neue Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges äußerte sich im Interview mit dem "Wall Street Journal" zur Regulierung in Deutschland und Europa, zum Datenschutz und zur Lage von T-Mobile US auf dem US-Markt. Höttges forderte bei der Regulierung Waffengleichheit mit anderen Anbietern.

13.03.2014, 17:35 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Seit Anfang Januar ist Timotheus Höttges Vorstandschef der Deutschen Telekom und Nachfolger von René Obermann. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" bekräftigte er in dieser Woche seine Kritik an der derzeitigen Praxis der Regulierung. Auch zur "Waffengleichheit" mit Google, Facebook und WhatsApp, zum europäischen Datenschutz sowie zum US-Geschäft äußerte sich Höttges.

Höttges: "Wieso ist Kabel nicht reguliert?"

Der neue Telekom-Chef spricht sich nicht generell gegen Regulierung aus, sondern sieht diese beispielsweise in ländlichen Regionen sogar als sinnvoll an: "Da muss man regulieren, und da muss man auch anderen Unternehmen eine Chance geben, die Infrastruktur des Monopolisten nutzen zu können." In den großen Städten, wo es ausreichend Wettbewerb gebe, mache Regulierung aber "keinen Sinn". Teilweise dominierten dort sogar andere Unternehmen.

Insbesondere die Kabelnetzbetreiber sind Höttges hier ein Dorn im Auge: "90 Prozent der Neukunden-Gewinne in Deutschland verzeichnen Kabel-Unternehmen. Wieso ist Kabel nicht reguliert, aber wir sind komplett reguliert?", beklagt sich der Telekom-Chef. "Sind Kabelunternehmen unsere Wettbewerber, agieren sie auf dem gleichen Markt? Es ist der gleiche Markt!" Die Bundesnetzagentur plant aber keine Regulierung der Kabelnetzbetreiber.

De-Regulierung statt mehr Regulierung - Höttges für europäischen Kommunikationsmarkt

Unverständlich ist für Höttges zudem, dass beispielsweise ein Anbieter wie WhatsApp einen Telekommunikationsdienst anbiete, aber nicht unter die Regulierung falle. "Das macht für mich keinen Sinn", betont der Telekom-Chef. Der durch die Regulierung bedingte große bürokratischen Aufwand sei in vielen Fällen berechtigt: "Aber wir haben keine Waffengleichheit, entweder alle müssen reguliert werden oder keiner." Doch statt zu mehr Regulierung auch bei der Konkurrenz drängt der Telekom-Manager vor allem zur De-Regulierung. "Mir geht es nicht darum, dass die Telekom überall aus der Regulierung entlassen wird, aber überall da, wo wir Wettbewerb haben, muss das der Fall sein." Indirekt stellt Höttges die Bundesnetzagentur in Frage. Es gebe in Deutschland "eine funktionierende Kartellbehörde", die im Nachhinein bei Missbrauch einer Marktposition eingreifen könne.

Auf europäischer Ebene vermisst der Konzernlenker angesichts von 28 nationalen Regulierern eine einheitliche Strategie. " Das Ziel der EU, den Breitbandausbau voran zu treiben, ist nicht das Ziel nationaler Regulierer in der EU", erläutert Höttges. "Viele wollen nämlich ihre Staatshaushalte entschulden." Als Beispiel führt er die Einnahmen durch Frequenzauktionen an. Der Telekom-Chef spricht sich für einen gemeinsamen europäischen Kommunikationsmarkt aus, der die Möglichkeit zur weiteren Konsolidierung biete. Größere Unternehmen seien vorteilhafter: "Und mit diesen Größenvorteilen ließe sich richtig in Infrastruktur investieren". Die Telekom selbst könne derzeit aber nicht auf große Einkaufstour gehen, da sie "sicherlich nicht die finanziellen Ressourcen" habe.

Mehr Transparenz für Nutzung von Daten - T-Mobile US nur ein kleiner Player

In Puncto Datenschutz fordert Höttges mehr Transparenz, wenn "Daten aus Europa heraus abtransportiert" werden. Jeder solle erfahren können, was mit seinen Daten geschieht. Eine Lösung sieht er in einer von der Bundeskanzlerin Angela Merkel geforderten europäischen Datenschutzverordnung. Für ein von der Telekom vorgeschlagenes Deutschland- bzw. Europa-Netz hatten die Bonner Kritik geerntet. "Wir haben aber noch keine Gegenvorschläge gesehen", stellt Höttges klar. Die Telekom bevorzuge ein Internet der kurzen Wege: "Warum sollte eine E-Mail von Köln nach Berlin über Hongkong oder New York laufen?"

T-Mobile US könne in diesem Jahr weiteres Kundenwachstum verzeichnen, die Kündigungsrate sei fast halbiert worden. "Im Moment sind die USA für uns ein Markt, wo wir Kapazitäten haben, wo wir Frequenzen haben und die Möglichkeit über den Kapitalmarkt Mittel zu beschaffen, um das weitere Wachstum zu finanzieren." Problematisch seien aber die anstehenden großen Frequenzauktionen in den USA, wo Höttges T-Mobile US nur als kleinen Player neben AT&T und Verizon sieht. Daher setzten die Bonner in den USA auf eine Konsolidierung des Marktes. Ob dies aber gleichbedeutend mit einem Rückzug der Telekom ist, ließ Höttges offen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang