News

"WSJ": Google & Co. sollen für Nutzung schneller Netze in Frankreich zahlen

Europaweit investieren Telekommunikationsunternehmen Milliardenbeträge in den Breitbandausbau. Sie sind aber immer weniger bereit, alleine für die hohen Kosten aufzukommen. Frankreich will laut "Wall Street Journal" nun US-Konzerne wie Google, Apple und Amazon für die Nutzung von Bandbreite zur Kasse bitten.

09.01.2013, 15:29 Uhr
Google© Google

In diesem Jahr investiert die Deutsche Telekom massiv in den Breitbandausbau. Der Bonner Konzern will innerhalb der nächsten drei Jahre rund 30 Milliarden Euro in den Ausbau der deutschen und amerikanischen Breitband-Netze stecken. Ähnlich sieht die Lage auch in anderen europäischen Ländern aus: Internetanbieter wenden hohe Beträge für den Aufbau und Unterhalt von Highspeed-Netzen auf. Erst am Montag hatte beispielsweise der Telekommunikationskonzern SFR angekündigt, dass das Unternehmen in diesem Jahr 150 Millionen Euro in ein Glasfasernetz in Frankreich investieren will. Von den schnellen Leitungen profitieren aber vor allem US-amerikanische Großkonzerne wie Google, Apple und Amazon. Quer durch Europa wird daher der Ruf nach einer finanziellen Beteiligung dieser Unternehmen an den Kosten des Breitbandausbaus immer lauter. In Frankreich prüft die französische Regierung laut "Wall Street Journal" derzeit, wie sie große Webunternehmen an der Finanzierung lokaler Internetanbieter beteiligen kann. Nach Ansicht von Technologieminister Fleur Pellerin sollen sie für die Nutzung der Bandbreite zahlen.

Wer zahlt für die Investitionen in die Netze?

"In den kommenden Jahren wird es mit Diensten wie vernetzten Fernsehern, Google TV, Apple TV und Amazon TV mehr Breitband-Nutzung geben, und es stellt sich die Frage, wer für die Investitionen zahlt", erklärte Pellerin. Der französische Internetprovider Iliad verhandelt derzeit mit Google über Zahlungen für die Breitbandnutzung. Pikant: Unter seiner Marke Free bot Iliad seinen Kunden über die Freebox-Hardware die Möglichkeit, Werbung zu blockieren.

Mit diesem Schritt wollte der Provider Druck auf den von Online-Werbung abhängigen Google-Konzern ausüben. Verärgert waren aber vor allem einige französische Online-Medien, die ihrerseits einen Rückgang ihrer eigenen Werbeeinnahmen befürchteten. Nach einem Treffen von Minister Pellerin mit Vertretern von Iliad und der französischen Medienhäuser beendete der Internetprovider die Werbeblockade.

Druck auf Google & Co. an allen Fronten

Angesichts immer größerer Nachfrage nach Bandbreite, aber gleichzeitig sinkender Umsätze der großen Provider werden die Kosten für den Breitbandausbau ein immer drängenderes Thema. Die US-Internetunternehmen selbst wehren sich. Schon jetzt würden sie nach eigenen Angaben Milliardenbeträge für Bandbreite zahlen. Geregelt sei dies beispielsweise über Verträge mit Inhaltelieferanten, aber auch über direkte Vereinbarungen mit Internetanbietern. Ohne die neuen Webdienste würden sich Verbraucher zudem nicht für einen schnellen Internetzugang entscheiden.

Die US-Konzerne müssen sich auch an anderen Fronten gegen wachsenden europäischen Druck erwehren. Frankreich, Deutschland und Großbritannien wollen beispielsweise ihre Steuergesetzgebung so ändern, dass Google und Co. höhere Steuern zahlen müssten. In Deutschland wurde zudem das Leistungsschutzrecht verabschiedet, das Suchmaschinenbetreiber für die Veröffentlichung von Zeitungsinhalten zur Kasse bittet. In Frankreich soll eine direkte Vereinbarung zwischen Google und den Zeitungsverlegern erreicht werden. Mit belgischen Verlegern hat Google bereits Frieden geschlossen: Der US-Konzern wird unter anderem Werbeplätze in den Zeitungen kaufen und sie somit finanziell unterstützen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang