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"WSJ": Frankreich plant Steuer auf internetfähige Geräte

Smartphones, Computer, Fernseher und E-Book-Reader: Auf den Verkauf von internetfähigen Geräten in Frankreich könnte demnächst eine Steuer erhoben werden, um dort Film, Musik und Literatur zu fördern. Betroffen wären auch ausländische Unternehmen wie Samsung, Apple und Googles-Dienst YouTube.

15.05.2013, 08:31 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Frankreich will das bisherige komplexe Abgabensystem reformieren und finanzielle Schlupflöcher schließen. Die Regierung erwägt unter anderem eine neue Steuer auf den Verkauf internetfähiger Geräte wie Smartphones, Computer, Fernseher, Video-Konsolen und E-Book-Reader. Am Montag veröffentlichte eine Regierungskommission laut "Wall Street Journal (WSJ) einen 700 Seiten starken Bericht mit 80 Empfehlungen. Schon bestehende Abgaben sollen auf ausländische Videoanbieter sowie Elektronikhersteller ausgedehnt werden. Betroffen wären dann beispielsweise auch YouTube, Samsung und Apple.

Unterstützung der französischen Filmindustrie

Wozu soll die neue Steuer dienen? Die französische Regierung will mit den Einnahmen Film, Musik und Literatur im eigenen Land fördern. Die Kulturindustrie wird in Frankreich seit langem stark vom Staat finanziert. Rund die Hälfte der Kosten für das Filmfestival in Cannes werden beispielsweise aus öffentlichen Kassen bestritten.

An die französische Filmbranche flossen im vergangenen Jahr Fördergelder von mehr als 749 Millionen Euro. Die Gelder stammen aus Steuern auf Fernsehwerbung, Pay-TV und Kinokarten. Bislang ausgeklammert blieben aber Videodienste im Netz oder ausländische Dienste wie iTunes. Durch das Schließen von finanziellen Schlupflöchern solle nun die Fairness wiederhergestellt werden. Gerätehersteller und Videoanbieter sollten laut dem Bericht der Regierungskommission mit einem Teil ihrer Gewinne zur Finanzierung von "cineastischen und audiovisuellen Werken" beitragen.

Rund 86 Millionen Euro jährlich durch neue Steuer

Mit einer Steuer von 1 Prozent auf den Verkauf internetfähiger Geräte könnte der französische Staat jährlich 86 Millionen Euro einnehmen. Eine bislang bestehende Steuer auf CD-Rohlinge, Speicherkarten und Computer mit Festplatten würde durch die neue Regelung ersetzt. Trotz starker staatlicher Förderung verschlechtert sich die Lage für die französische Filmindustrie aber zusehends. Die Werbeeinnahmen der TV-Sender sinken, da immer mehr Nutzer auf Videos im Internet zugreifen. Im vergangenen Jahr gaben zudem Produzenten mit 1,07 Milliarden Euro 5,5 Prozent weniger für französische Filme aus als noch im Jahr zuvor.

(Jörg Schamberg)

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