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"WSJ": Apple kippt iPhone-Monopol der Telekom

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" verliert die Telekom in Kürze ihre Exklusivrechte für die iPhone-Vermarktung in Deutschland. Entsprechende Verhandlungen zwischen Apple und o2 sowie Vodafone stünden kurz vor dem Durchbruch.

03.09.2010, 17:22 Uhr (Quelle: DPA)
Apple© Apple
Wer hierzulande ein iPhone 4 kauft, hat in der Regel ein kleines, magentafarbenes T auf der zugehörigen Rechnung. Ohne Telekom-Vertrag kein Apple-Smartphone der neuesten Generation, so lautet die einfache Formel für den deutschen Markt. Diese Exklusivvermarktung führt allerdings nicht nur zu Lieferengpässen mit Wartezeiten von aktuell bis zu drei Monaten, sondern auch zu vergleichsweise hohen Preisen. Viele Apple-Enthusiasten beziehen ihr Gerät daher lieber aus dem nahen Ausland – ohne SIM-Lock und Vertragsbindung. Nun kommt jedoch offenbar Bewegung in das umsatzträchtige iPhone-Geschäft. Denn in Kürze sollen auch Vodafone und o2 ein Stück vom deutschen Apfel-Kuchen abbekommen. Bereits zu Weihnachten liege das iPhone 4 bei beiden Mobilfunkern in den Regalen, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ). Die Telekom gibt sich hingegen betont gelassen und verweist auf laufende Gespräche mit Apple.

Vertragsabschlüsse stehen kurz bevor

Laut "WSJ" verhandelten die Netzbetreiber derzeit mit Apple über die Konditionen einer Vermarktung in Deutschland. Zwar sei noch kein Vertragsabschluss zu vermelden, jedoch stünde dieser kurz bevor. Die Telekom könnte demnach bereits ab Oktober ihre Exklusivrechte verlieren – für den größten deutschen Mobilfunker ein schwerer Schlag. Smartphones und mobiles Internet sind derzeit zwei wichtige Wachstumsbereiche des Unternehmens – auch vor allem dank des Hype-Gadgets iPhone 4. Nach Angaben des letzten Telekom-Geschäftsberichtes hatte dessen Verkauf einen erheblichen Anteil am Anstieg des Vertragskundenbestandes der Mobilfunksparte. Bislang konnte die Telekom seit dem Start 2007 insgesamt über 1,9 Millionen der Geräte absetzen.

Dennoch deutet alles auf ein Ende des iPhone-Monopols in Deutschland. So gehört ausgerechnet einer der größten europäischen Mobilfunkmärkte zu den letzten Ländern auf dem Kontinent, in denen ein einzelner Provider als Alleinanbieter auftreten kann. In Frankreich schritt bereits Ende 2008 das Kartellamt ein und erklärte eine solche Verkaufspraxis als wettbewerbsfeindlich und damit illegal. Auch in Italien, Österreich oder Großbritannien sind mehrere Mobilfunkunternehmen am iPhone-Geschäft beteiligt.

"Wir sind mit anderen Geräten gut aufgestellt"

Der Bonner Telekommunikationskonzern gibt sich trotz allem zuversichtlich. "Wir haben einen Vertrag mit Apple, der ist weiterhin gültig", sagte Telekom-Marketingchef Christian Illek der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Wir sind momentan in Gesprächen mit Apple. Insofern gibt es nichts Neues zu dem Thema", so der Manager. Auch sei die Tatsache, dass AT&T und die Telekom mittlerweile die einzigen exklusiven Partner weltweit seien, ein gutes Indiz dafür, dass Apple mit der derzeitigen Situation zufrieden sei. Die Kooperation habe sich für beide Seiten "ganz klar ausgezahlt", sagte Illek.

Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme relativierte derweil bereits die Bedeutung des begehrten Apple-Smartphones für die eigene Bilanz – womöglich ebenfalls ein Zeichen, dass die Würfel gefallen sind. "Wir hoffen natürlich, dass wir die Exklusivität noch lange behalten." Es gebe aber mittlerweile noch sehr viele gute Alternativen zum iPhone. "Selbst wenn wir die Exklusivität verlieren, sind wir mit den anderen Geräten sehr gut aufgestellt." Die Telekom würde den Verlust weniger merken als noch vor einem Jahr, sagte er am Freitag auf der IFA in Berlin.

(Christian Wolf)

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