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Writely: Kostenlose Online-Textverarbeitung

Wo ist der USB-Stick? Warum hat der Rechner kein Word installiert? Und warum ist das Layout des Dokuments auf dem anderen Rechner zerschossen? Fragen, die jeder Anwender kennt. Googles Writely ist die Antwort.

03.09.2006, 12:53 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Wer oft mit mehreren PCs arbeitet, hat nicht selten Grund zum Fluchen. Hier fehlt ein Plugin, dort eine Schriftart, hier stimmt die Version nicht und schon sehen Office-Dokumente auf verschiedenen Rechnern völlig verschieden aus. Das ist jedoch kein Grund mehr, in die Tastatur zu beißen: Eine neuen Generation von Textverarbeitungs-Programmen benötigt nichts außer einer Software, über die inzwischen jeder Computer verfügt: den Webbrowser.
Writely ist eine kostenlose Textbearbeitung für den Webbrowser. Diese war 2005 vom Startup-Unternehmen Upstartle erfunden und online gestellt worden. Google kaufte die Technik samt der verantwortlichen Mitarbeiter im März 2006 auf. Seitdem feilt Google daran, die Online-Textverarbeitung als eine echte Konkurrenz von Microsoft- und Openoffice zu etablieren. Der Vorteil gegenüber den anderen Lösungen ist die fehlende Bindung an einen lokalen Computer. Stattdessen lassen sich die Dokumente auf jedem Computer betrachten und bearbeiten, der über einen Webbrowser verfügt.
Grundfunktionen einer Textverarbeitung
Writely verfügt über zahlreiche Grundfunktionen aktueller Textverarbeitungs-Programme. So lassen sich neben beliebigen Textformatierungen vor allem Tabellen einfach und effizient erstellen. Die gängigsten Schriftarten stehen zur Verfügung, die Dateien werden automatisch online gespeichert und bei Bedarf in sämtliche gängigen Dateiformate exportiert und auf dem Rechner gespeichert: MS-Word-Dokumente oder Open-Office, PDF oder Rich-Text-Format, für Writely kein Problem.
Dabei leistet Writely definitiv mehr als die bei Windows und Mac OS X mitgelieferten Minimal-Textverarbeitungen in Form von Wordpad TextEdit. Denn die fremden Dateiformate können nicht nur exportiert, sondern auch importiert werden. Durch die Online-Speicherung sind die Dokumente jederzeit und von jedem Rechner, der über einen Internet-Zugang verfügt, erreichbar und durch die stabile Server-Struktur von Google vor Verlust geschützt.
Online macht's einfach
Doch nicht nur das: Die Online-Textverarbeitung hat den Vorteil, dass mehrere Personen gleichzeitig und völlig ohne Zusatz-Software an einem Dokument arbeiten können. Die Bearbeitung erfolgt über Freigaben live auf dem Writely-Server. Komplizierte Netzwerk-Installationen über virtuelle private Netze zwischen zwei Rechnern werden dadurch überflüssig. Dennoch ist Writely bei weitem noch nicht komplett. So lassen sich mit dem Dienst keine anspruchsvoll gestalteten Dokumente in Form von Diplomarbeiten oder Anwaltsschreiben verfassen. Was fehlt, ist neben einer Tabstop-Funktion vor allem die Möglichkeit, Fußnoten anzugeben. Auch komplexe Formatierungen oder Makros sind im Moment nicht vorgesehen.
WYSIWYG-Editor für umsonst
Der Grund für die aktuelle "Beschränktheit" von Writely sind die Begrenzungen von HTML: Writely ist im Grunde nicht mehr als ein besserer WYSIWYG-Editor, der direkt beim Schreiben im Hintergrund HTML-Quellcode erstellt. Dadurch ist Writely zurzeit noch etwas unflexibel, eignet sich gleichzeitig jedoch hervorragend für Web-Entwickler, die ihre Schwierigkeiten mit dem Sourcecode haben. Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass sich jedes Writely-Dokument auch als HTML exportieren lässt. Eine Funktion, Writely als Editor für das eigene Weblog einzusetzen, ist ebenfalls vorhanden.
Der größte Vorteil von Writely ist jedoch, dass es kostenlos ist. Zurzeit noch im Beta-Stadium, ist es sehr wahrscheinlich, dass Google den Dienst dazu nutzt, um Microsoft das Wasser abzugraben. Natürlich hat Writely bei weitem noch nicht den Funktionsumfang eines Microsoft Word, doch für die tägliche Textarbeit reicht der Dienst vollkommen aus.
Fazit: Interessante Web 2.0 Anwendung
Vor allem die weltweite Verfügbarkeit hat ihre Vorzüge. Schnelle Notizen, in Writely verfasst, gehen nicht verloren, selbst wenn das Notebook im Rahmen eines Antiterror-Einsatzes auf dem Flughafen in die Luft gesprengt wurde. Insofern ist Writely selbst in der aktuellen Beta-Phase bereits eine sehr interessante Web 2.0-Anwendung für alle, die viel mit Text arbeiten müssen.

(Christian Rentrop)

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