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Wolfsburg plädiert für neuen Bundesliga-Sender

Nach Bayern München zeigt sich auch der VfL Wolfsburg öffentlich unzufrieden mit der momentanen Pay-TV-Struktur in Deutschland. Für den VW-Klub ist ein neuer Bundesliga-Sender durch die beteiligten Vereine eine echte Option.

16.08.2010, 11:48 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Mit Glück, aber auch der notwendigen Cleverness eines Bundesligisten, konnte der VfL Wolfsburg am Wochenende die zweite Runde im DFB Pokal erreichen. Der Deutsche Meister des Jahres 2008/2009 setzte sich mit 2:1 beim Regionalligisten Preußen Münster durch und kann nun mit weiteren Einnahmen aus TV-Rechten planen. Geld, das vom defizitären Pay-TV-Sender Sky kommt, der alle Spiele des wichtigsten deutschen Fußball-Pokal-Wettbewerbs live überträgt. Allerdings ist man auch in der VW-Stadt nicht zu 100 Prozent von Sky überzeugt. Wolfsburg spricht sich für ein eigenes Bundesliga-Fernsehen aus, das von den Vereinen der Bundesliga auf die Beine gestellt wird. Das berichtete am Montag das "Handelsblatt".

Wolfsburg-Manager mit Bayern-Boss einig

Nach Bayern München ist der VfL Wolfsburg damit der zweite Verein, der öffentlich seine Zweifel am führenden deutschen Pay-TV-Sender äußert. Am Wochenende hatte der Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "WirtschaftsWoche" seinen Unmut darüber geäußert, dass Sky seine Kunden dazu zwinge, andere TV-Pakete zu abonnieren, um Bundesliga-Spiele zu schauen. Wolfsburgs Geschäftsführer Thomas Röttgermann sagte dem "Handelsblatt": "Die Vereine sind stark genug, ein autonomes Bundesliga-Fernsehen auf die Beine zu stellen. Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten."

Damit widerspricht der VfL-Verantwortliche einem namentlich nicht genannten TV-Manager. Der warnte die Bundesliga-Vereine im "Handelsblatt" vor einem finanziellen Risiko und fehlendem Know-How in der Sender-Vermarktung. Röttgermann meint: "Das unternehmerische Risiko ist angesichts der Attraktivität des Fußballs überschaubar." Etwa ein Jahr sei notwendig, um einen eigenen Sender auf die Beine zu stellen, der auf gleichem Niveau wie Sky heute arbeiten kann. Für drei Jahre müssten Kosten in Höhe von etwa 400 Millionen Euro eingeplant werden, hat der langjährige Sportfive-Chef ausgerechnet. Ein Betrag, der unter den 32 Proficlubs der 1. und 2. Bundesliga aufgeteilt würde.

Neue TV-Rechte ab Saison 2013/2014

Die Gedankenspiele über den neuen Bundesliga-Sender sind nicht neu. Sie kommen aber zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt. Denn die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird in den kommenden Monaten die Rahmenbedingungen für die neuen Übertragungsrechte veröffentlichen. Noch drei Jahre dürfen Sky und Telekom (Liga Total) die Bundesliga-Spiele übertragen. Für die Zeit ab der Saison 2013/2014 muss neu verhandelt werden. Sky muss sich in diesem Zusammenhang entscheiden: Ist der Sender bereit, mehr Geld für das Exklusivrecht an der Bundesliga auszugeben oder riskiert der Sender bei einem etwaigen Verlust der Übertragungs-Erlaubnis eine neue Kundenabwanderung.

Alternative: Telekom bietet mehr Geld für IPTV-Rechte

Eine entscheidende Rolle könnte in diesem Zusammenhang die Telekom einnehmen. Grund: Sie besitzt die IPTV-Rechte. Wer die Bundesliga über einen Breitband-Internetanschluss empfangen möchte, kann das momentan nur über einen Entertain-Anschluss tun. Dieses IPTV-Produkt nutzen bereits 1,3 Millionen Kunden. Wie viele davon die Bundesliga-Option zugebucht haben, verrät die Telekom zwar nicht, klar ist aber, dass in der Bundesliga darauf gehofft wird, dass die Telekom in Zukunft für ihre Live-Rechte deutlich mehr Geld zahlen wird als die bisherigen 20 bis 30 Millionen Euro pro Saison. Sollte es gelingen, die Erlöse im IPTV-Segment zu steigern, könnte sich die Liga unter Umständen auch mit stagnierenden Einnahmen im klassischen TV-Bereich einverstanden erklären. Nur rückläufige Umsätze dürfte die DFL nicht akzeptieren.

(Hayo Lücke)

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