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"WiWo": Neuer Anbieter Liquid Broadband will viertes bundesweites Mobilfunknetz aufbauen

Das von deutschen Mittelständlern finanzierte Frankfurter Unternehmen Liquid Broadband will ein viertes Mobilfunknetz als "Volksnetz" aufbauen. Die Investitionskosten sollen unter einer Milliarde Euro liegen: Zum Einsatz kommen kompakte Sendeboxen direkt bei den Kunden. Eine ernsthafte Konkurrenz für Telekom, Vodafone und Telefónica?

01.11.2014, 13:01 Uhr
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Nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland gibt es nur noch drei bundesweite Mobilfunknetzbetreiber. Doch die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica könnten hierzulande laut eines Berichts der "WirtschaftsWoche" (WiWo) möglicherweise schon bald Konkurrenz bekommen. Ein unter dem Namen Liquid Broadband" an den Start gegangenes deutsches Unternehmen will bundesweit ein eigenes, flächendeckendes Mobilfunknetz aufbauen. Der technische Ansatz ist aber ein anderer als bei der mächtigen Konkurrenz: Der Netzausbau soll dank niedriger Investitionskosten durch Einsatz einer neu entwickelten Technik erheblich günstiger realisiert werden können und unter einer Milliarde Euro liegen. Die künftigen Kunden sollen sich aktiv am Netzausbau beteiligen.

Sendeboxen bei Kunden statt Funkmasten

Laut "WiWo" hat die bereits 2013 gegründete Liquid Broadband AG ein erstes Büro in Frankfurt am Main eingerichtet, finanziert werde das neue Unternehmen von deutschen Mittelständlern. Weitere Details zur konkreten Finanzierung will der neue Anbieter aber noch nicht verraten. "Wir bauen flächendeckend ein Volksnetz, an dem sich Bürger, Unternehmen und Kommunen direkt beteiligen können", erklärte aber Geschäftsführerin Beate Rickert gegenüber dem Wirtschaftsmagazin.

Wie aber will Liquid Broadband nun ein bundesweites Mobilfunknetz aufbauen? Auf eigene Funkmasten in den Städten soll offenbar verzichtet werden. Stattdessen setzt der Mobilfunk-Neueinsteiger auf kompakte Boxen, die sich beispielsweise auf Fensterbänken direkt bei den Kunden aufstellen lassen. Die Sendeleistung einer Box soll einen Umkreis von bis zu 500 Metern abdecken können. Kunden könnten so Mitbetreiber des Netzes werden, ähnliche Ansätze nutzen beispielsweise Anbieter von WLAN-Hotspots wie zum Beispiels auch Kabel Deutschland mit seinen Homespots. Die Kunden sollen für die Bereitstellung der mobilen Sender kostenlos oder für nur wenige Euro über das Netz surfen und telefonieren können.

Forderung: Freie Mobilfunkfrequenzen sollen für Neueinsteiger reserviert werden

Ein Problem könnte aber das dringend erforderliche Spektrum an freien Mobilfunkfrequenzen werden. Im kommenden Jahr werden neue Frequenzen im Rahmen einer Auktion vergeben. Liquid Broadband fordert "einen Teil des Funkspektrums für einen Neueinsteiger zu reservieren". Denn die großen drei finanzstarken Netzbetreiber werden sicherlich nicht tatenlos zusehen, wie sich ein möglicher neuer Konkurrent in Deutschland etabliert. Für die Telekom & Co fällt es leicht, einen Neueinsteiger finanziell auszubooten. Ob sich die Pläne von Liquid Broadband überhaupt realisieren lassen, wird sich denn auch im kommenden Jahr zeigen.

(Jörg Schamberg)

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