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"WiWo": Datenskandal bei Kabel Deutschland

Ein neuer Datenskandal macht Schlagzeilen. Diesmal involviert: Kabel Deutschland, größter deutscher Kabelanbieter. Wie die "WirtschaftsWoche" berichtet, sollen Hunderttausende Kundendaten an dubiose Callcenter gelangt sein.

30.03.2009, 13:16 Uhr
Kabel Deutschland© Kabel Deutschland

Nach den zahlreichen Datenskandalen der jüngeren Vergangenheit - etwa der Diebstahl von Kundendaten bei T-Mobile oder ein Missbrauchsfall bei der Deutschen Telekom - zeichnet sich ein neues Kapitel beim fahrlässigen Umgang mit Kundenprofilen ab. Deutschlands größter Kabelanbieter, Kabel Deutschland, hat nach einem Bericht der "WirtschaftsWoche" eingeräumt, dass Hundertausende Kundendaten, die in den vergangenen Monaten an externe Callcenter weitergegeben worden sind, nun illegal in In- und Ausland im Umlauf sind.
Kundenakquise per Telefon
Demnach hatten die Callcenter den Auftrag, alle 9,1 Millionen Bestandskunden von Kabel Deutschland anzurufen und für die Internet- und Telefondienste des Unternehmens zu gewinnen. Aufgrund der immensen Größe des Auftrags beauftragten einige der Werber ihrerseits jedoch weitere Unternehmen, so die WirtschaftsWoche. Allein das Oberhausener Callcenter Condor Media AG erhielt demnach von Mai 2008 bis Februar 2009 Zugriff auf über eine Million Kundendaten und gab einen Teil davon an Subunternehmer weiter. Da die Anrufcomputer nicht funktioniert haben sollen und daher keine automatische Verbindung zu den Kunden zustande kam, sei dies per E-Mail in Form von Excel-Dateien geschehen.
Kabel-Kunden erhalten ungebetene Anrufe
"Das war ein Fehler", sagte der Vorstand von Condor Media, Hakan Akyazi, gegenüber der "WirtschaftsWoche". Es seien aber keine Bankverbindungen weitergegeben worden, so Akyazi. Die betroffenen Kunden dürfte das nur wenig trösten, denn viele von ihnen wurden seit 2008 wiederholt durch ungebetene Telefonverkäufer belästigt. Kabel Deutschland hat inzwischen reagiert und den beteiligten Callcentern gekündigt. Der Chef von Kabel Deutschland, Adrian von Hammerstein, gab bekannt, dass mittlerweile nur noch drei geprüfte Unternehmen entsprechende Aufträge ausführen dürften. Eine Weitergabe sei zudem vertraglich untersagt worden und bedarf einer ausdrücklichen Genehmigung.
Darüber hinaus hat der Kabelnetzbetreiber aus Unterföhring nach eigenen Angaben auch seine Verkaufsstrategie grundlegend geändert. Statt per Telefon neue Verträge zu gewinnen, wird nun verstärkt auf Werbung per Post oder Internet gesetzt. Kunden, deren Daten bereits in dubiosen Kreisen kursieren, profitieren davon allerdings kaum mehr. Ihr Datenschutzanspruch ist bereits grob verletzt worden und niemand kann sicher sagen, welche Konsequenzen sich daraus noch ergeben.

(Christian Wolf)

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