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Windows-VoIP für unterwegs?

Eine beiläufige Bemerkung von Microsoft-Chef Steve Ballmer bringt die Branche in Aufregung. Wird VoIP bald in Windows Mobile integriert sein?

23.02.2006, 08:31 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Es war nur eine beiläufige Bemerkung in einer Rede anlässlich des 3GSM World Congress in Barcelona, aber Branchen-Experten hören daraus bereits den Untergang des Mobilfunks: Laut dem Online-Magazin "The Business Online" äußerte Microsoft-Chef Steve Ballmer, nach einer Demonstration eines WLAN-Handys mit Windows Mobile, den denkwürdigen Satz: "Das war ein VoIP-Telefonat". Offensichtlich plant der Software-Magnat, in der für dieses Jahr angekündigten neuen Version des Windows-Betriebssystems für Smartphones und PDAs auch eine VoIP-Funktionalität zu integrieren, mit der Telefonate über drahtloses Internet möglich werden sollen.
Blutbad bei den Mobilfunkern?
Das Magazin sieht in dieser beiläufigen Bemerkung eine Bombe, die den gesamten Sektor Mobilfunk sprengen könnte. Ein dazu befragter Markt-Analyst ist der Meinung, dass die Einführung von VoIP in diesem Bereich noch größeren Schaden anrichten wird, als es bei den Festnetz-Anbietern der Fall war. "Internet-Sprachdienste brauchen nicht einmal einen starken Marktanteil, um die traditionellen Anbieter zu zwingen, ihre Preise zu senken. Der bloße Gedanke an kostenlose Gespräche reicht aus, um Kunden dazu zu bringen, Preissenkungen zu fordern", erklärt Cyrus Mewawalla, Analyst bei Westhall Capital, dem Magazin und sagt ein Blutbad für die Aktienkurse der Mobilfunker voraus.
Geschäftsidee nicht neu
Was die Branchen-Experten nicht erwähnen: es gibt längst verschiedene Lösungen, mit mobilen Geräten wie Smartphones oder PDAs, die über einen mobilen Internetzugang verfügen, auch VoIP-Telefonate zu führen. Erst kürzlich veröffentlichte Skype die neueste Version seiner Software Skype for Pocket PC 2.0. Angesichts der Tatsache, dass Skype mittlerweile fast 260 Millionen Mal weltweit heruntergeladen wurde und über 70 Millionen Kunden zählt, scheint die Bedrohung durch Microsoft in den Schatten zu rücken. Das Unternehmen kündigte zwar einen MSN Messenger mit VoIP-Funktion für 2006 an, weshalb es wohl nahe liegt, die Technik direkt auch ins mobile Betriebssystem zu übernehmen. Dennoch zählt der MSN Messenger bislang international rund 185 Millionen aktive Accounts, was im Vergleich zu den Skype-Downloads relativ wenig ist.
Passende Hardware gibts auch
Sogar der kleine VoIP-Anbieter Sipsnip machte kürzlich sein Angebot für PDAs und Softphones zugänglich. Bereits im September vergangenen Jahres wurde der Instant Messenger Google Talk mobil gemacht. Zudem haben auch Hersteller von Mobilfunk-Hardware längst Bestrebungen in diese Richtung angezeigt. So plant beispielsweise Nokia unter anderem einen SIP-/GSM-Zwitter sowie ein reines WLAN-Handheld auf Linux-Basis für die erste Jahreshälfte 2006. Dass nun Microsoft auf diesen Zug mit aufspringt, beweist höchstens die Ernsthaftigkeit der Pläne, VoIP in die mobilen Netze zu bringen.
Allerdings könnten immer noch die Mobilfunk-Netzbetreiber diesen Ideen einen Strich durch die Rechnung machen. Hierzulande testet zwar E-Plus die Funktionalität von Skype im eigenen mobilen Datennetz. Vodafone kündigte dagegen bereits an, die Nutzung von VoIP zu unterbinden. Auch die Daten-Flatrate von Base verbietet Verbindungen dieser Art. Sperrungen in den Highspeed-Mobilfunknetzen würde die mobile Nutzung von VoIP auf offene WLAN-Netze beschränken, die allerdings bisher nur selten verfügbar sind. Bleibt also fraglich, inwieweit sich das mobile VoIP zukünftig durchsetzen wird. Sicher findet auch die nahende CeBIT 2006 darauf ein paar Antworten.

(Aleksandra Leon)

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