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Windows RT: App-Entwickler schimpft über Microsoft

Verschwendete Ressourcen und eine Menge Ärger: So lautet die Bilanz eines prominenten britischen App-Entwicklers zum Start seines Spiele-Bestsellers "Great Big War Game" auf Microsofts Tablet-Plattform Windows RT - nach nur einer Woche.

07.12.2012, 15:35 Uhr (Quelle: DPA)
Microsoft© Microsoft

Microsoft muss bei seinem Tablet-Betriebssystem Windows RT harsche Kritik eines App-Entwicklers einstecken. Eine Woche nach Veröffentlichung der eigenen Spiele-Anwendung habe er "die stolze Summe von 52 britischen Pfund" (rund 64 Euro) eingenommen, schrieb Paul Johnson, Eigentümer des britischen Spielestudios Rubicon Mobile, in einem verärgerten Blog-Eintrag. Dabei habe die Portierung des Bestseller-Spiels "Great Big War Game" auf Windows RT ganze 16.000 Dollar (12.400 Euro) gekostet. Auf Apples iOS sei das Spiel sofort auf den ersten Platz der Charts geklettert, auf Android sei es ähnlich erfolgreich angelaufen.

"Zeit, Ressourcen und Geld verschwendet"

"Wir haben eine Menge Zeit, Ressourcen und Geld verschwendet, um diese Plattform zu unterstützen, und es hat uns nur Ärger eingebracht", klagte Johnson. Er kritisierte auch, dass er kaum von Microsoft unterstützt worden sei. Der Softwarekonzern weigere sich, den Verkauf mit Werbung zu fördern, schrieb Johnson. "Apple bewirbt unsere Apps regelmäßig. Android bewirbt unsere Apps regelmäßig. Sogar RIM (BlackBerry) bewirbt unsere Apps regelmäßig." Microsoft dagegen halte es nicht für nötig, kleinere Studios zu unterstützen.

Das darf durchaus verwundern, denn der Erfolg eines mobilen Betriebssystems hängt in der Regel nicht unwesentlich von einem umfangreichen und attraktiven Angebot an verfügbaren Apps ab. Auch Microsoft ist dies eigentlich bewusst: Mit Windows 8 beziehungsweise Windows RT sollte es Entwicklern besonders einfach gemacht werden, Anwendungen ohne großen Aufwand auf die Plattformen zu portieren.

Update, 17:20 Uhr: Microsoft reagiert umgehend

Microsoft hat sich inzwischen bei Johnson gemeldet und angekündigt, die Probleme kooperativ beheben zu wollen. Sein Bericht habe einen sehr positiven Effekt gehabt, schrieb der Entwickler am Freitag. Microsoft habe "gnädig entschieden", mit Rubicon Mobile zusammenzuarbeiten. Nachdem der Konzern auf seinen Ärger reagiert habe, wolle er seine Verdrießlichkeit beenden und habe den ursprünglichen Blog-Eintrag gelöscht, so Johnson.

Microsoft Deutschland hält den Vorfall derweil für einen Einzelfall. "Wir hören ganz andere Signale", sagte Peter Jäger, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland in einem Statement. "Unsere App-Partner sind zufrieden mit Unterstützung und Markterfolg." Das Berliner Start-up Babbel.com etwa hat nach eigenen Angaben Downloadzahlen im sechsstelligen Bereich verzeichnet. "Für uns hat sich die Entscheidung, auf Windows 8 zu setzen, als äußerst positiv bewährt", sagte Geschäftsführer Markus Witte.

(Christian Wolf)

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