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Windows 7: Mit iPod-Verbot und Neustart zum Erfolg?

Der Misserfolg von Vista soll sich bei Windows 7, das am Donnerstag erscheint, nicht wiederholen. Hierfür hat Chef Steve Ballmer im Vorfeld schon einiges getan, auch zu Hause gibt es weder Google noch iPod.

15.10.2009, 12:55 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Am Donnerstag ist es soweit: Windows 7 erscheint. Die Erwartungen an das neue Microsoft Betriebssystem sind hoch, der Misserfolg von Vista soll sich schließlich nicht wiederholen. "Wir wissen, dass Windows 7 eine Riesen-Chance hat", sagt Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg zum weltweiten Start am 22. Oktober.
Vista-Debakel
Microsoft setzt auch auf den Investitions-Stau in den Unternehmen. Nach Schätzungen aus der Branche hatten lediglich zehn Prozent der Firmen in Deutschland von XP auf Vista umgestellt. Und anders als bei Vista müsse man bei dem neuen Betriebssystem nicht erst noch auf das Service Pack 1 warten, betont Berg. Die Bauchlandung von Vista schockierte den Quasi-Monopolisten. Über fünf Jahre Entwicklungszeit hatten die Programmierer investiert. Es sollte das sicherste Betriebssystem werden und die Nutzer mit zahlreichen neuen Funktionen und einem generalüberholten Erscheinungsbild überzeugen. Doch der erhoffte Erfolg nach dem Start Anfang 2007 blieb aus, stattdessen hagelte es Kritik und sogar große Unternehmen und langjährige Partner von Microsoft ließen die Finger von Vista.
Windows 7 soll es richten: Ballmer startete neu
Windows 7 kommt nun deutlich früher auf dem Markt als ursprünglich geplant und soll den Flop wettmachen - immerhin macht der Marktführer mit dem Flaggschiff Windows rund ein Viertel seines gesamten Umsatzes. Steve Ballmer habe vor rund drei Jahren in einer Mammut-Sitzung das Ruder herumgerissen, erzählt Berg. Der für seine cholerischen Ausbrüche bekannte Microsoft-Chef krempelte die gesamte Führungsstruktur um und versetzte leitende Experten im Karussell-Verfahren in andere Abteilungen. Damit seien verkrustete Strukturen aufgebrochen und ein kreativer Austausch unter verschiedenen Entwicklungsbereichen eingeleitet worden, lobt Berg. "Forbes"-Experte Jeffrey O'Brien vergleicht den Wandel mit dem Neustart eines Computers.
Eine wichtige Änderung: Damit Windows 7 unter der Haube sauber arbeitet, verdonnerte Ballmer seine hochbezahlten Programmierer dazu, zu zweit vor dem Bildschirm zu arbeiten: Einer tippt, der andere passt auf, dass keine Fehler passieren. Der Konzern forschte zudem intensiver denn je, was die Nutzer eigentlich wollen. Dafür wertete er anonym das Verhalten von Millionen Vista-Nutzern aus und holte tausende weitere Testpersonen ins Labor.
Auch die Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden hatte Microsoft bei der Entwicklung des neuen Betriebssystems intensiviert. Windows 7 erhielt denn auch schon lange vor dem Marktstart viele Vorschusslorbeeren. In manchen Tests machte die Software selbst eine gute Figur gegen Apples vielgepriesenes Betriebssystem Snow Leopard, das der iMac- und iPod-Hersteller Ende August früher als geplant auf den Markt gebracht hatte. Ein "ausgezeichnetes Stück Software" sei Windows 7, schwärmte zuletzt auch Paul Otellini, Chef des weltgrößten Chipherstellers Intel.
Windows 7 auf Netbooks
Im Netbook-Bereich wollte Intel nicht auf Microsoft warten und entwickelte auf der Basis von Linux das eigene Betriebssystem Moblin. Die von Intel erst kürzlich übernommene Software-Schmiede Wind River will noch in diesem Jahr eine erste Version für mobile Internet-Geräte und Smartphones veröffentlichen. Auch der Rivale Google kündigte mit Chrome OS ein eigenes Betriebssystem an.
Da Vista zu leistungshungrig war, hatten die Hardwarehersteller die ersten Netbooks zum Teil mit dem alternativen Betriebssystem Linux ausgestattet. Um den Markt nicht gänzlich der Konkurrenz zu überlassen, hatte der Softwarehersteller notgedrungen sein betagtes Betriebssystem Windows XP für die kleinen, abgespeckten Rechner deutlich länger ausgeliefert als ursprünglich geplant. Mit Windows 7 will Microsoft nun im Geschäft mit Mini-Notebooks und anderen mobilen Geräten Boden gut machen.
Gegenwind erfährt auch Microsoft Office, mit dem der Konzern etwa die Hälfte seines Gewinns erwirtschaftet, von kostenlosen Alternativen wie OpenOffice oder Google Docs.
Bei Ballmers haben Google und iPod keinen Zutritt
Der Kampf gegen die Konkurrenz ist für Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht nur eine Frage der Profession. Auch zu Hause duldet der bullige Konzernführer keine Produkte der Wettbewerber. Daher dürfen seine drei Kinder nicht mit Google im Web suchen oder einen iPod von Apple benutzen. Und dass im Haus von Ballmer nur Rechner mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows laufen, ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit.
Windows läuft auf schätzungsweise 95 Prozent aller Personal Computer weltweit, Linux und Mac OS X spielen aus der Redmonder Perspektive nur eine kleine Rolle. Viele Nutzer halten an Windows XP fest, das Marktforschungsunternehmen Gartner warnte davor, den Aufwand für den Umstieg von dem in Unternehmen noch häufig eingesetzten älteren Systems auf Windows 7 zu unterschätzen. Für Vista-Nutzer sei der Wechsel "quasi unabwendbar", erklärten die Gartner-Berater. Wenn für Microsoft alles gut läuft, könnte das neue System den Umsatz des weltgrößten Softwarekonzerns um schätzungsweise drei Milliarden Dollar in die Höhe treiben - und damit das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen.

(Saskia Brintrup)

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