EU-Urheberrechtsreform

Wikipedia: Protestaktion gegen geplante Upload-Filter

Die Wikipedia-Community macht mit einer eintägigen Protestaktion auf die anstehende zweite Abstimmung des Europaparlaments zur umstrittenen EU-Urheberrechtsreform aufmerksam. Kritisiert werden unter anderem der geplante Einsatz von Upload-Filtern, der das freie Internet bedrohe.

Wikipedia© Wikimedia Deutschland e.V.

Berlin – Die ehrenamtlichen Autoren der deutschsprachigen Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia protestieren am 11. September mit einer Aktion gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform. Unterstützt werde der Protest auch von Wikimedia Deutschland und der Wikimedia Foundation. Dazu wird auf der Wikipedia-Webseite vor der Anzeige der gewünschten Informationen ein Pop-up eingeblendet, in dem ein "zeitgemäßes Urheberrecht" gefordert wird.

Upload-Filter bedrohen freies Internet

Konkreter Anlass ist die am 12. September im Europaparlament anstehende zweite Abstimmung zur "EU-Richtlinie zum Urheberrecht im Digitalen Binnenmarkt". Dem Parlament würden bereits 250 Änderungsanträge vorliegen. Durch die EU-Urheberrechtsreform in ihrer jetzt geplanten Version drohen laut der Wikipedia-Community Kolleratalschäden für das freie Internet.

Besonders in der Kritik stehen etwa sogenannte Upload-Filter und deren flächendeckender Einsatz. Damit ließen sich sämtliche hochgeladene Inhalte vor der Veröffentlichung zunächst filtern. Die Wikipedia-Autoren sprechen sich dagegen weiter für eine Verständigung in Echtzeit aus. Zugleich stellen sie sich gegen ein europaweites Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Es drohe eine mögliche Lizenzpflicht für Verweise auf Presse-Quellen.

Die Reform des EU-Urheberrechts könne Freiwilligenprojekte wie Wikipedia oder die freie Datenbank Wikidata direkt oder indirekt treffen. Wikimedia Deutschland hatte bereits im Februar unter anderem zusammen mit dem Bitkom-Verband und Verbraucherschützern vor einer Vorfilterung von Inhalten gewarnt, durch die die Freiheit und Vielfalt des Internets bedroht sei.

Wikipedia-Leser sollen Europaabgeordnete kontaktieren

Nutzer der Wikipedia werden mit der Protestaktion aufgefordert, ihre jeweiligen Europaabgeordneten zu kontaktieren. Wikipedia und das Internet sollten weiterhin Orte bleiben, "wo frei Information ausgetauscht und konsumiert werden kann".

Jörg Schamberg

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