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Wikipedia: Nazi-Anzeige zurückgezogen

Volle Kraft zurück: Die Linke-Vizechefin zieht ihre Wikipedia-Klage wegen Verbreitung von Nazi-Symbolen zurück. Ist das Lexikon jetzt "reingewaschen"?

10.12.2007, 12:36 Uhr
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Kann ein Online-Lexikon bedenkenlos Hakenkreuze zu Dokumentationszwecken verbreiten? Nein, fand Linke-Vizechefin Katina Schubert und erstattete Strafanzeige gegen Wikimedia als Betreiberin des Internetlexikons Wikipedia. Stein des Anstoßes war ein Artikel über die Hitlerjugend, der mit den entsprechenden Symbolen illustriert war. Das gehe "über das Dokumentarische hinaus", argumentierte die Politikerin. Sie fordert in einer Presseerklärung, Wikipedia solle "politische und ethische Standards einführen, die es Nazis unmöglich machen, ihren braunen Müll als lexikalisch wertvolles Wissen auszugeben und im Netz zu verbreiten." Schließlich könnten Übeltäter die Symbole zu Propagandazwecken herunterladen und missbrauchen.
Inzwischen hat die Politikerin die Anzeige als "falschen Weg" bezeichnet und zurückgezogen. Der fragliche Wikipedia-Artikel sei überarbeitet worden. Schubert will jetzt andere, noch nicht näher bezeichnete Wege der Auseinandersetzung einschlagen. Von ihrem Ruf nach einem "Ehrenkodex" zur Vermeidung von Diskriminierung distanziert sie sich nicht.
"Einfallstor für Ideologien"
Wikipedia gerät als offenes Lexikon vereinzelt ins Kreuzfeuer der Kritik. Die offene Struktur verführe vereinzelt zu fehlerhaften, unvollständigen oder subjektiven Beiträgen. Und das auch in Bezug auf rechtsradikale Propaganda. Schuberts Argument, Wikipedia sei ein "wenig kontrollierbares Einfallstor für rechte und rechtsextreme Ideologien", will der Mitgründer des deutschen Wikimedia-Vereins, Arne Klempert, nicht gelten lassen. Debatten, Löschungen und Änderungen problematischer Beiträge zur Nazi-Zeit seien Teil eines offenen Prozesses mit vernünftigen Lösungen, erklärt er in einem Artikel der Berliner Morgenpost. Außerdem sei "das Abbilden entsprechender Symbole zu Dokumentationszwecken vom Gesetz gedeckt". Bei der Strafanzeige habe es sich wohl um eine PR-Aktion der Politikerin gehandelt.

(Dorothee Monreal)

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