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Wikipedia: Community soll Kontrolle haben

Der Mitgründer der Online-Enzyklopädie Jimmy Wales arbeitet an mehreren Projekten zur Erweiterung der Bibliothek rund um Wikipedia und baut weiter auf die Stärke der Gemeinschaft.

20.02.2009, 13:08 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Das erfolgreiche Online-Nachschlagewerk Wikipedia zählt bereits über 850.000 Artikel allein in deutscher Sprache und ist für viele inzwischen zum ersten Anlaufpunkt zur schnellen Informationsbeschaffung geworden. Laut Mitgründer Jimmy Wales fehlen aber noch einige Bausteine zum Aufbau einer umfassenden Online-Bibliothek.
Enzyklopädie ist nicht alles
Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) weist der 42-Jährige darauf hin, dass in einer Bibliothek nicht nur die reinen Nachschlagewerke zu finden sind, sondern auch humorvolle oder politische Inhalte. Da solche Dinge nicht zur klassischen Information auf Wikipedia zählen, arbeite er an dem Projekt Wikia. Hier können Nutzer zu einem beliebigen Thema eine Seite erstellen und sind nicht an den Grundsatz der Objektivität gebunden. Ihnen sei auch freigestellt, ob sie ihre Seite mit Werbung versehen wollen oder nicht.
Ein weiteres Projekt von Wales ist Wikianswers, das Anfang Februar relaunched wurde. Diese Frage&Antwort-Seite unterscheide sich wesentlich von ähnlichen Angeboten, bei denen selten Fragen wirklich beantwortet würden. Im Wiki-Format hingegen werde durch die kontinuierliche Verbesserung immer eine beste Antwort gegeben. Zudem müssten sich die Nutzer nicht registrieren und die Beiträge gehörten unter einer freien Lizenz der Gemeinschaft und keiner Firma.
Zugang zu Wissen ist menschliches Grundrecht
Wales betont gegenüber der "FAZ" nochmals, dass die redaktionelle Verantwortung in den Händen der Community liegt. So auch bei einem weiteren Projekt aus dem Hause Wikia, der Wikiasearch. Vor Konkurrenz, wie dem Branchenprimus Google, sei ihm dabei nicht bange, denn er wisse um die Stärke der Gemeinschaft: "Andere Suchmaschinen kontrollieren auf geheime Weise, welche Treffer bei den eingegebenen Suchbegriffen erscheinen. Meine Vorstellung ist eine andere: Lasst uns versuchen, diese Suchabfragen zu öffnen für den öffentlichen Dialog." Dadurch läge die Kontrolle bei der Community.
Der gemeinschaftlichen Macht könnten sich auch staatliche Zensoren nicht auf Dauer entgegenstellen. Der Zugang zu Wissen sei laut Wales ein menschliches Grundrecht und mittlerweile erkenne er auch in Ländern wie China einen Trend zu mehr Offenheit. Viele Regierungen müssten einsehen, dass Internetzensur nicht zur Kontrolle des Informationsflusses taugt: "Das Internet zu zensieren ist unmöglich."

(Michael Posdziech)

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