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Wikimedia übernimmt deutsches Mitmach-Reiseportal Wikivoyage

Die Wikimedia Foundation, Betreiber des Mitmach-Lexikons Wikipedia, hat das ursprünglich von einem deutschen Verein betriebene Reiseportal Wikivoyage übernommen. Ziel ist es, den größten Reiseführer der Welt unter freier Lizenz zu schaffen.

15.01.2013, 12:28 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Nachdem die goldenen Zeiten kostenpflichtiger (Online-)Lexika mit dem Aufkommen der kostenlosen Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia zweifelsfrei der Vergangenheit angehören, müssen sich nun auch die Herausgeber von Reiseliteratur auf stärkere Wiki-Konkurrenz einstellen. Grund dafür ist ein neues Projekt der gemeinnützigen Wikimedia Foundation. Pünktlich zum 12. Geburtstag von Wikipedia am 15. Januar hat diese offiziell den Betrieb des freien Reiseportals Wikivoyage übernommen, organisatorisch gehört der crowd-basierte Travel-Guide bereits seit November letzten Jahres zur Wikimedia-Bewegung.

Hoffen auf zusätzliche Autoren

Für Wikivoyage ist die Eingliederung in den Wiki-Verbund ein Sprung ins Rampenlicht, der mit der Hoffnung auf beschleunigtes Wachstum und neue Nutzer einhergeht. Zwar ist die ursprünglich von dem deutschen Verein Wikivoyage e.V. gegründete Website bereits seit Ende 2006 online, die Zahl der aktiven Autoren ist mit 500 allerdings noch recht klein. Diese schreiben über ihre Reiseerfahrungen, stellen Ziele mit eigenen Fotos vor oder geben praktische Tipps zu Sehenswürdigkeiten. Entsprechend der Wiki-Philosophie lebt auch Wikivoyage von der Beteiligung Ehrenamtlicher, die Inhalte in ihrer Freizeit einstellen und aufbereiten – auch von unterwegs.

Aktuell sind mehr als 12.000 Artikel abrufbar, Wikivoyage ist damit laut Betreiberangaben die größte deutschsprachige Sammlung unabhängiger und weltweiter Reiseinformationen. Das Projekt steht neben Deutsch in acht weiteren Sprachen zur Verfügung, darunter Englisch, Russisch und Spanisch. Doch das soll nur der Anfang sein: Wikimedia will die Autorengemeinschaft in ihrem Bestreben unterstützen, Wikivoyage zum größten Reiseführer der Welt unter freier Lizenz zu machen. In einem ersten Schritt sollen dafür Kartendienste, Ortsbeschreibungen und Routen-Empfehlungen weiter ausgebaut werden.

Ursprüngliche Wikimedia-Pläne weitaus umfangreicher

Für Wikimedia ist der Start eines eigenen Reiseführers auf Wikivoyage-Basis trotz allem nur die zweitbeste Lösung. Ursprünglich war vorgesehen, nicht nur Wikivoyage, sondern auch die bereits 2003 gegründete Mitmach-Plattform Wikitravel unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen. Wikitravel gilt als Urform der freien Reiseportale und verzeichnet aktuell mehr als 83.000 englischsprachige Einträge. Eine deutsche Variante ist seit 2004 im Netz vertreten, beinhaltet bis heute aber lediglich rund 5.300 Artikel. Ein Grund dafür ist der 2006 erfolgte Verkauf von Wikitravel an die Firma Internet Brands. Etliche Autoren beklagten in der Folge einen geänderten Führungsstil sowie das Schalten von Werbung auf der Seite und kehrten Wikitravel schließlich den Rücken - unter anderem auch die Gründer der deutschen Alternative Wikivoyage.

Erst Mitte 2012 deutete sich auf Initiative der Wikimedia Foundation eine Wiedervereinigung an: Administratoren beider Projekte sprachen sich auf der Wikimania-Konferenz in Washington für eine Zusammenführung unter Wikimedia-Leitung aus - gegen den Willen von Internet Brands. In der Folge verklagten die Wikitravel-Betreiber zwei ihrer eigenen Autoren, die für die Fusion gestimmt hatten, woraufhin Wikimedia wiederum Klage gegen Internet Brands einreichte. Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht zum derzeitigen Stand des Disputs ist auf dem Wikimedia-Blog zu finden.

(Christian Wolf)

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