Vergewaltigungsvorwürfe

Wikileaks-Gründer Assagne: Schweden stellt Ermittlungen ein

Seit 2012 sucht Julian Assagne Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft in London. Schweden ermittelte gegen ihn wegen Vergewaltigungsvorwürfen. Nun stellte die schwedische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein - die Schuldfrage bleibt ungeklärt.

Schweden © Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Stockholm - Die schwedische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus dem Jahr 2010 eingestellt. Assange lebt seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Sollte er die Botschaft verlassen, würde ihn aber die britische Polizei festnehmen, weil er einer früheren Vorladung vor Gericht nicht gefolgt sei.

Schuldfrage bleibt ungeklärt

Die schwedische Staatsanwaltschaft hat eine spätere Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Julian Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen nicht ausgeschlossen. Dafür müsste der Wikileaks-Gründer aber aus eigenem Antrieb nach Schweden einreisen. "Sollte Julian Assange nach Schweden zurückkehren, bevor das Verbrechen im August 2020 verjährt, könnten die Ermittlungen wieder eröffnet werden", sagte Anklägerin Marianne Ny bei einer Pressekonferenz in Stockholm.

Die Schuldfrage sei nicht geklärt. "Wir haben die Entscheidung, die Ermittlungen nicht weiterzuführen, nicht getroffen, weil wir alle Beweise in diesem Fall ausgewertet haben, sondern weil wir keine Möglichkeiten sehen, die Ermittlungen weiter voranbringen", so die Anklägerin.

Assanges Anwalt feiert Sieg

Der schwedische Anwalt von Julian Assange hat die Einstellung der schwedischen Ermittlungen gegen den Wikileaks-Gründer wegen Vergewaltigung am Freitag als Sieg gefeiert. "Wir haben den Fall gewonnen", sagte der Jurist dem schwedischen Rundfunk. "Das ist ein totaler Sieg für Julian Assange. Er ist natürlich froh und erleichtert."

Britische Regierung reagiert zurückhaltend

Die britische Regierung wollte sich am Freitag nicht dazu äußern, ob bereits einen Auslieferungsantrag für den Wikileaks-Gründer Julian Assange vorliegt. Man werde dies weder bestätigen, noch dementieren und sich auch nicht zu Spekulationen äußern, heißt es in einer Mitteilung. Falls Assange die ecuadorianische Botschaft in London verlassen sollte, seien die Polizei und andere Strafverfolgungsbehörden zuständig.

Asyl für Assange in Ecuador?

Ecuador will seine diplomatischen Bemühungen in London verstärken, um Julian Assange Asyl in dem südamerikanischen Land zu gewähren. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Freitag und zitierte eine nicht näher genannte Quelle aus dem Außenministerium. Ecuadors Botschaft in London wollte dazu nicht Stellung nehmen. Sie kündigte aber an, dass der ecuadorianische Außenminister am Nachmittag eine Stellungnahme in Südamerika abgeben wolle.

Update vom 19. Mai 2017, 17:30 Uhr: Assange äußert sich erstmals

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich erstmals zur Einstellung der schwedischen Ermittlungen geäußert. "7 Jahre lang ohne Anklage festgehalten (...), während meine Kinder großgeworden sind und mein Name verleumdet wurde", schrieb der 45-jährige Australier am Freitag auf Twitter. Er fuhr fort: "Ich vergebe und vergesse nicht." Assange spielte mit seiner Äußerung auf die knapp fünf Jahre seines Aufenthalts in der Botschaft Ecuadors von 2012 bis 2017 sowie auf eine frühere Festnahme 2010 in Großbritannien an.

Jörg Schamberg / Quelle: DPA

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