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Wikileaks-Chef meldet sich aus dem Untergrund

Der Gejagte bricht sein Schweigen. Wikileaks-Chef Assange, der sich in Großbritannien versteckt halten soll, stellt sich Lesern in der Online-Ausgabe des "Guardian". Wikileaks ist derweil über wikileaks.ch wieder erreichbar.

03.12.2010, 15:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Victoria / Fotolia.com

Seit Tagen hält Julian Assange die Welt der Diplomatie mit seinen Enthüllungen in Atem - jetzt geht der mit Haftbefehl Gesuchte in die Offensive. Assange stellte sich in der Online-Ausgabe der britischen Tageszeitung "Guardian" den Lesern. Allerdings ging der Server der Zeitung schon nach kurzer Zeit in die Knie. Der Ansturm der Interessenten war zu stark. Assange gab sich betont gelassen. Die Flut von mehr als 250.000 Depeschen aus US-Botschaften in aller Welt lässt sich nicht mehr stoppen. Zwar sind auf der Website des Projekts erst einige hundert Dokumente veröffentlicht. Aber das Material sei an mehr als 100.000 Personen geschickt worden, erklärte Assange. "Wenn uns irgendetwas passiert, werden die wichtigsten Teile automatisch freigegeben."

Wikileaks nun mit Endung .ch

Wikileaks ist seit Freitagmorgen über die Schweizer Internetadresse wikileaks.ch erreichbar. Registriert hat die Adresse die Schweizer Piratenpartei, wie die Schweizer Domainverwalterin Switch mitteilte. "wikileaks.ch" wurde vom Vorsitzenden der Schweizer Piratenpartei, Denis Simonet, reserviert. Nach Angaben auf der Homepage des Parteichefs hat Simonet im November Wikileaks-Chef Assange getroffen. Wikileaks teilte über Twitter mit, man sei in die Schweiz "übergesiedelt" und habe eine neue Domain. Die Internetadresse wikileaks.org war seit dem späten Donnerstagabend nach der Aussperrung durch Amazon nicht nicht mehr direkt zugänglich, sondern nur noch über die IP-Adresse.

"Maulwurf"-Diskussion in Deutschland

In Deutschland geht indes die "Maulwurf"-Diskussion weiter. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nahm den bisherigen Büroleiter von Parteichef Guido Westerwelle gegen den Vorwurf der Spionage in Schutz. Sie schätze Helmut Metzner. Der 41-Jährige hatte im Zuge der Wikileaks-Enthüllungen zugegeben, im Herbst 2009 Informationen zum Verlauf der Koalitionsgespräche weitergegeben zu haben - an US-Botschafter Philip Murphy. Er wurde daraufhin von seinem Posten entbunden.

Die Bundesregierung werde aber weder die Abberufung Murphys fordern noch auf eine Entschuldigung dringen, machte Regierungssprecher Steffen Seibert deutlich - nach entsprechenden Forderungen aus der FDP.

(Saskia Brintrup)

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