VATM "Tele-Kompass"

WIK-Studie: Flächendeckender Glasfaserausbau für 45 Milliarden Euro realisierbar

Im Rahmen des VATM-Branchentreffs "Tele-Kompass" wurden zwei WIK-Studien zum Glasfaserausbau vorgestellt. Die Gesamtkosten für einen flächendeckenden Ausbau von Gigabit-Netzen in Deutschland sollen niedriger sein als bislang erwartet.

Jörg Schamberg, 07.07.2016, 12:22 Uhr
Highspeed Internet© Silvano Rebai / Fotolia.com

Berlin – Der Branchenverband VATM hatte in dieser Woche zu seinem Branchen-Treff "Tele-Kompass" in Berlin geladen. Vorgestellt wurden unter anderem zwei Gutachten des Wissenschaftlichen Instituts für Informations- und Kommunikationsdienste (WIK) zum Glasfaserausbau. Das Fazit der Studien: Es besteht Bedarf nach Gigabit-Netzen, der Ausbau lasse sich mit dem richtigen Vorgehen und den passenden Rahmenbedingungen auch realisieren. VATM-Präsident Martin Witt forderte denn auch: "Wir brauchen einen Masterplan". Witt rief dazu auf, sich an einen Tisch zu setzen und darüber zu sprechen, wie der Weg zur Gigabit-Gesellschaft erfolgen solle.

Hohe Nachfrage nach 500 Mbit/s im Jahr 2025

Laut den WIK-Studien würden 75 Prozent der Haushalte im Jahr 2025 bereits Highspeed-Internet mit 500 Mbit/s und mehr nachfragen. 30 Prozent der Haushalte hätten sogar Bedarf nach Gigabit-Geschwindigkeit. "Bereits heute gibt es ein Nachfragesegment, dem die über VDSL und Vectoring angebotenen Bandbreiten und Qualitätsparameter nicht mehr ausreichen", betonte WIK-Geschäftsführerin Iris Henseler-Unger. Kritisch für den FTTB/H-Ausbau sei jedoch die durch die Vectoring-Pläne der Deutschen Telekom mögliche weitgehende Re-Monopolisierung im Nahbereich der Hauptverteiler.

Dabei müssten jetzt nationale Ausbaustrategien, Förderung und Regulierung so formuliert werden, dass der Ausbau von Gigabit-Netzen nicht ausgebremst werde. "Auf jeden Fall darf es nicht sein, dass die Straßenseite und die Lage in oder außerhalb eines Hauptverteiler-Nahbereichs – Stichwort Vectoring – darüber entscheidet, ob jemand 30 Mbit/s oder Gigabit-Bandbreiten erhält", betonte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner

Glasfaserausbau in der Fläche bis 2030?

VATM-Präsident Witt forderte einen Glasfaserausbau auch in der Fläche, Metropolen und Gewerbegebiete dürften nicht alleine ausgebaut werden. "Das brauchen wir nicht nur für Anwendungen wie automatisiertes Fahren oder Landwirtschaft 4.0, sondern auch für Heimarbeit, die medizinische Versorgung auf dem Land, bestmögliche Ausbildung und sichere Arbeitsplätze auch für die jungen Leute“, so Witt. "Wir gehen davon aus, dass wir bis 2030 eine weitgehende Flächendeckung hinbekommen und bis 2025 bereits 85 Prozent – zu deutlich geringeren Kosten als bisher vermutet", erklärt der VATM-Präsident.

45 Milliarden Euro Gesamtkosten für flächendeckenden Ausbau von Gigabit-Netzen?

Laut WIK-Studie würden Fördermittel in Höhe von zehn Milliarden Euro ausreichen. Für den flächendeckenden Ausbau der Gigabit-Netze rechnet das WIK mit Gesamtkosten von 45 Milliarden Euro. Auf diesen Betrag kommt die Studie durch Einbeziehung bereits bestehender sowie im Bau befindlicher Highspeed-Netze. Außerdem müssten Einsparpotenziale genutzt werden. Bislang waren frühere Einschätzungen, etwa die des TÜV Rheinlands, von Ausbaukosten In Höhe von rund 80 Milliarden Euro ausgegangen.

Ein neues Breitbandziel der Bundesregierung werde nach Ansicht von Stefan Schnoor, Leiter der Abteilung "Digital- und Innovationspolitik" im Bundeswirtschaftsministerium, vor den Bundestagswahlen im kommenden Jahr aber wohl nicht mehr verabschiedet.

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