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Wieder einmal Wirbel um VoipBuster

Update: Ohne Vorankündigung wurde Deutschland von der Liste der kostenlos erreichbaren Länder gestrichen. Jetzt gibt VoipBuster erstmals Auskunft über seine Strategie.

06.02.2006, 17:26 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Immer lauter wird die Kritik am VoIP-Dienst VoipBuster und den verwandten Programmen VoipStunt und SparVoIP. Der Start in den Markt war furios, schließlich bot kein anderer Service so viele kostenlose Ziele an. Der Andrang war sogar so groß, dass zwischenzeitlich keine Neuanmeldungen bei VoipBuster möglich waren. Doch nach dem Neustart mit 21 Ländern, deren Festnetze kostenlos erreichbar waren, sorgten immer wieder überraschende Änderungen bei den Leistungen für Unruhe unter den Nutzern. Erst wurde ein Startguthaben gefordert, dass dann innerhalb kurzer Zeit von einem auf zehn Euro erhöht wurde. Als nächstes wurde die Liste der 21 Länder auf 13 gestutzt.
Länder wechseln wie Socken
So populäre Ziele wie die USA waren plötzlich bei VoipBuster nicht mehr kostenlos erreichbar. Dafür boten VoipStunt und SparVoIP erheblich mehr kostenlose Ziele, unter anderem auch die USA. Ein problemloser Wechsel zwischen den Diensten ist aber nicht möglich, die Anfrage eines Kunden dazu im VoipBuster-Forum wurde mit einem simplen "geht nicht" abgeschmettert. Und das Länderschwinden ging weiter: mittlerweile ist die VoipBuster-Liste auf elf geschrumpft. Bei der letzten Kürzung musste ausgerechnet, neben Argentinien, auch Deutschland dran glauben. Viele Nutzer, die in erster Linie wegen der kostenlosen Telefonate ins deutsche Festnetz Kunden bei VoipBuster geworden sind, dürfen jetzt 0,5 Cent pro Minute zahlen. Aktuell wurde die VoipBuster-Länderliste wieder erweitert: unter den nun wieder 19 Zielen fehlen aber weiterhin Deutschland und die USA.
Verwirrung mit System?
Zu guter Letzt gibt es auch noch Verwirrung über die Gültigkeit des eingezahlten Guthabens. Ein Plus auf dem Prepaid-Konto ist auch für die unbegrenzte Nutzung kostenloser Verbindungen notwendig. Doch heißt es bei Neuanmeldungen zu SparVoIP, ebenso wie bei VoipBuster und VoipStunt, jetzt wörtlich: "Das Guthaben auf Ihrem SparVoip-Konto bleibt 120 Tage nach Ihrem letzten, erfolgreichen Guthabenkauf gültig. Guthaben auf Konten, die während 120 Tagen keine Bewegung aufweisen, gehen verloren." Fragen über die genaue Bedeutung dieser Formulierung werden im VoipBuster Forum vom Moderator unbeantwortet gelassen – ebenso wie Anfragen per E-Mail. Selbst das mehrmalige Nachhaken unserer Redaktion blieb bisher ergebnislos.
Statt die Verunsicherung aus der Welt zu räumen, versendet VoipStunt munter seine neuste Pressemitteilung. Ab sofort kann das Guthaben auch per Lastschriftverfahren aufgeladen werden. Neben den sowieso schon vielfältigen Zahlungsmöglichkeiten per Kreditkarte, Paypal, Moneybookers und PayByPhone, ist es also jetzt für deutsche Kunden auch möglich, den gewünschten Betrag einmalig vom Bankkonto abbuchen zu lassen. Die Lastschrift erfolgt dabei nur ein Mal, für jeden weiteren Betrag muss der Abbuchungsauftrag neu erstellt werden. Die gleichen Zahlungsverfahren werden auch beim vergangene Woche gestarteten Dienst SparVoIP angeboten. Ob sie allerdings dafür sorgen, dass sich die Kunden bei diesen Diensten wieder gut aufgehoben fühlen, bleibt fraglich. Update 6.2.: Alles Marketing?
Endlich: nach mehrmaligen Kontaktversuchen haben sich die Macher der VoIP-Dienste, die Kölner Betamax GmbH, zu einigen Antworten überreden lassen. Zwar brauchte es dafür die Androhung, sie bei neuerlichem Schweigen aus unserer Übersicht zu löschen, aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel. Trotz ausführlicher Fragen erhalten wir jedoch kaum Hintergrundinformationen. Zum Punkt, wer denn hinter Betamax steckt, heißt es lediglich, man habe Software der Finarea S.A. lizensiert, dem früheren Betreiber von VoipBuster. Warum sich alle drei Dienste immer noch in der Betaphase befinden und wann eine endgültige Version geplant ist, konnte wohl ebenfalls nicht erläutert werden. Stattdessen heißt es ausweichend, die Software sei weiterhin in der Entwicklung und würde in den kommenden Monaten weitere Neuerungen erfahren.
Öfter mal was Neues
Viele Leser schrieben uns wegen der Löschung Deutschlands von der Liste der kostenlosen Länder bei VoipBuster. Auch im Nutzerforum des Anbieters war die Empörung groß: es wurden Fragen laut, ob es sich um Betrug handele. Schließlich hatten sich hierzulande viele Nutzer gerade deshalb bei VoipBuster angemeldet und fühlten sich nun betrogen. Betamax betont, vor jedem Gespräch würde der Tarif vom Softphone angezeigt. Die kostenlosen Ziele seien Teil der Marketingstrategie und es würden immer so viele angeboten wie möglich. Mit den Änderungen bei den Ländern versuche man, spezifische Kundenwünsche zu erfüllen. Auch die Frage, warum drei so ähnliche Dienste wie VoipBuster, VoipStunt und SparVoIP parallel betrieben werden, wird mit einem simplen "das ist Teil unserer Marketingstrategie" abgetan.
Auch der Service wird durch die Antworten nicht transparenter. Wir wollten wissen, wie lange das Prepaid-Guthaben nun tatsächlich gültig ist. Entgegen den Unternehmensangaben auf den Websites, teilt uns der VoipBuster-Sprecher mit, das Geld auf dem Konto bleibe bis zu 180 Tage nach dem letzten Telefongespräch gültig. Vorwürfen, dass insbesondere Support-Anfragen nicht beantwortet würden, begegnet Betamax mit der Aussage, alle relevanten Fragen würden beantwortet. Rechnungsanfragen würden auf dem schnellsten Weg beantwortet, außerdem würden Kunden auf die FAQ der Website verwiesen, die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht würden.
Hat Betamax nun einfach die gleichen Startprobleme in Sachen Service und Kundenbindung wie andere Newcomer oder steckt hinter den Schwierigkeiten System? Wir werden das Kölner Unternehmen und seine außergewöhnlichen Dienste weiter im Auge behalten.

(Aleksandra Leon)

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