Deal in Gefahr?

Wettbewerber klagen gegen Fusion von Vodafone und Unitymedia

NetCologne, die Telekom und Tele Columbus klagen gegen die Fusion von Vodafone und Unitymedia. Der Zusammenschluss war eigentlich bereits im Sommer von der EU-Kommission abgesegnet worden.

Melanie Zecher, 17.02.2020, 17:06 Uhr
Vodafone Gigabit-NetzGegen die Fusion und das vereinte Netz von Vodafone und Unitymedia klagen NetCologne, Telekom und Tele Columbus.© Vodafone Deutschland

Im Sommer 2019 gab die EU-Kommission grünes Licht für die Fusion von Vodafone und Unitymedia – bis zum 4. Februar 2020 jedoch konnten beim Gericht der Europäischen Union (EuG) Klagen gegen den Zusammenschluss eingereicht werden. Dieses Gericht ist die Vorinstanz des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Gerät der Deal jetzt doch noch ins Wanken?

NetCologne hat laut eigener Aussage wegen Wettbewerbsverzerrung Klage eingereicht. Das Unternehmen sieht durch künftig fehlenden Wettbewerb das Breitbandziel der Bundesregierung gefährdet. Neben dem Kölner Telekommunikationsanbieter haben auch die Deutsche Telekom und die Tele Columbus AG von dem Klagerecht Gebrauch gemacht.

Wettbewerb durch neue Marktmacht in Gefahr?

Durch den künftig fehlenden Wettbewerb sei das Breitbandziel der Bundesregierung gefährdet, meint NetCologne. Der freie Wettbewerb, der auch die regionalen Anbieter einschließe, sei der Hauptgrund dafür, dass immerhin in Städten wie Hamburg, Köln und München der Glasfaserausbau bislang erfolgreich gewesen sei, so NetCologne. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland deutlich hinter anderen Ländern wie Südkorea und Japan. "Durch die Fusion von Vodafone und Unitymedia hat sich neben der Telekom [...] eine weitere deutschlandweite Konkurrenz gebildet. Der bisherige Wettbewerb gerät aus unserer Sicht damit in Gefahr," erklärt NetCologne-Geschäftsführer Timo von Lepel.

Vodafone mit Kabelnetz in allen Bundesländern vertreten

Insbesondere im TV-Umfeld herrsche aktuell ein klares Ungleichgewicht. Das Vodafone-Kabelnetz, das zunächst nur in 13 Bundesländern verfügbar war, habe sich auf alle 16 Bundesländer erweitert. "Dadurch hat sich die Marktmacht in einem Unternehmen konzentriert, weshalb hier ein Wettbewerbsverzug herrscht. Vodafone/Unitymedia nimmt darüber hinaus enorme Einspeiseentgelte über das Netz ein", so von Lepel. Eine vergleichbare Regelung für Netzbetreiber wie NetCologne bestehe nicht.

Weitere Wettbewerbsnachteile sieht NetCologne durch die Gefahr von Quersubventionierungen innerhalb des Konzerns. Vodafone könne seinen Kunden auch in den bislang nur durch Unitymedia versorgten Gebieten deutlich günstigere Bündelprodukte anbieten. Dabei könnte NetCologne künftig nicht mehr mithalten.

Auch Telekom und Tele Columbus haben geklagt

Auch weitere Vodafone-Konkurrenten sehen Wettbewerbsnachteile in der Fusion. Die Telekom bemängelt dem Fachdienst Medienkorrespondenz zufolge beispielsweise auch, dass die Marktmacht von Vodafone/Unitymedia gegenüber der deutschen Wohnungswirtschaft zementiert werde. Andere Anbieter hätten "kaum Chancen, mit ihren TV-Produkten bei Vermietern und Mietern durchzudringen". Bei Tele Columbus kommen zudem noch Vorwürfe hinzu, denen zufolge der Kommission bei der Prüfung des Deals Verfahrensfehler unterlaufen seien.

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