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Werbe-Experte: Facebook und Google sind in drei Jahren verschwunden

Saatchi & Saatchi Chef Kevin Roberts bescheinigt Facebook und Google in einem Interview mit der "WirtschaftWoche" nur noch eine Lebensdauer von ungefähr drei Jahren. Das soziale Netzwerk ist für junge Menschen zu konservativ, Google versucht sich als Werbeagentur, ist dafür aber viel zu emotionslos. Seiner eigenen Agentur bescheinigt Roberts allerdings eine rosige Zukunft.

19.10.2014, 12:01 Uhr
Facebook © Facebook

Wie die WirtschaftsWoche berichtet, sieht Kevin Roberts, der Chef der Werbeagentur Saatchi & Saatchi, für Facebook keine allzu große Zukunft mehr.

Für junge Leute zu konservativ

In einem Interview sagte er: "Ich glaube, dass es Facebook in drei Jahren nicht mehr geben wird. Meine Kinder sind zwar noch auf Facebook, aber sie nutzen längst schon zwei, drei weitere Netzwerke, weil ihnen Facebook zu konservativ ist. Wer geht schon gerne in dieselbe Bar wie sein eigener Vater?"

Zu emotionslos für den Werbemarkt

Laut Roberts sieht es auch für Google nicht sonderlich gut aus. Das Unternehmen versucht immer mehr auch Funktionen einer Werbeagentur zu übernehmen und hat sogar schon Kreative aus seiner Agentur Saatchi & Saatchi abgeworben. "Aber sie haben zu wenig Emotionalität, also EQ. Ich habe mich mit Google-Leuten in New York unterhalten, dort rennen jede Menge Computerfreaks herum. Die haben hohe technische Intelligenz, TQ, aber wenig Gefühl, EQ", meinte Roberts. Um bestehen zu können, brauche man das richtige Verhältnis aus TQ, EQ, Intelligenz und Schnelligkeit. "Man muss diese Balance aus allen vier Eigenschaften hinbekommen, sonst hat man keinen nachhaltigen Erfolg. Vielleicht gibt es Google deshalb ja in drei Jahren gar nicht mehr."

"Menschen berühren und sie mit Produkten eins werden lassen", gelinge ausschließlich Werbeagenturen. "Ideen sind fragile Gebilde. Sie werden schnell getötet. Um eine Kultur zu schaffen, in der sie gedeihen können, müssen Sie ihren Mitarbeitern vier Dinge bieten: Responsibility, Learning, Recognition, Joy - also Verantwortung, Weiterbildung, Anerkennung und Freude. Das schafft Google nicht.", bekräftige der Saatchi & Saatchi Chef.

In Europa gut aufgestellt

Seine deutsche Niederlassung sieht Roberts auf einem guten Weg, bei den Kreativagenturen wieder unter den Top 5 mitzuspielen. "In Deutschland, wo Christian Rätsch seit einem Jahr das Geschäft verantwortet, haben wir das beste Jahr unserer Geschichte, wir gewinnen hier sehr viele gute Kunden und verlieren keine", freut sich Roberts. "Kreativ klappt es so gut, dass ich damit rechne, dass Saatchi & Saatchi im kommenden Jahr wieder unter den Top Fünf der kreativsten Agenturen landet."

Auch in anderen europäischen Ländern bescheinigt er seinem Unternehmen eine gute Entwicklung. "In England läuft es sehr gut. Unser Italien-Ableger ist vermutlich der erfolgreichste im gesamten Netzwerk. Aber in Frankreich und Spanien, da hakt es, zu einem wichtigen Teil wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds."

(Falko Kuplent)

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