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Wer steckt hinter der Abzockermasche von aacKOM?

26.04.2003, 14:36 Uhr
ISDN© Daniel Kühne / Fotolia.com

Preiserhöhungen von teilweise über 100 Prozent? In nur zwei Wochen? Der Verdacht liegt nahe, dass der Provider aacKOM auf diese Weise seine Kunden um einige Euro erleichtern wollte.
Zur Vorgeschichte
aacKOM trumpfte am 22.03.2003 mit einem anmeldefreien Zugang für ganztägig 0,8 Cent je Minute auf. Damit war dieser Anbieter zu dieser Zeit der günstigste. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Preis allerdings in zwei Schritten auf 1,69 Cent in der Hauptzeit und 1,22 Cent in der Nebenzeit erhöht. Wir haben bereits damals gewarnt, dass der Tarif von 0,8 Cent nicht realistisch sei.
Waren es nie 0,8 Cent pro Minute?
Damit nicht genug: Es besteht der Verdacht, demzufolge von Anfang an nicht der Preis von 0,8 Cent berechnet wurde. Dieser Verdacht wird durch einen Leser gestärkt, der behauptet, ihm seien im Verhältnis viel zu hohe Kosten für seine Surfzeit entstanden.
Handelsregisterauszug von aacKOM
Branchenkenner informierten uns darüber, dass hinter aacKOM dieselbe Person steht wie damals hinter dem Anbieter avisgo, der eine ähnliche Masche abzog. Dass der Firmensitz von aacKOM in Palma de Mallorca/Spanien liegt, lässt einen nachdenklich stimmen. Die Recherche unseres Informanten beim Handelsregister Spanien hat ergeben, dass Frau Sonia da Costa, welche im Impressum angegeben ist, nur 1% der Anteile hält. 99% besitzt eine panamesische Aktiengesellschaft Transinerica International S.A. mit dem Bevollmächtigten Herrn Ludwig-Eduard P. Man kann davon ausgehen, dass auf diese Art und Weise die eigentlichen Besitzverhältnisse verschleiert werden sollen. Stellungnahme von WorldCom
Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Zugangsnummer 019193163, durch die man im Backbone von WorldCom landet. onlinekosten.de wendete sich deshalb auch an MCI (WorldCom) um Näheres herauszufinden. Stephan Deutsch, Unternehmenssprecher von MCI EMEA, teilte uns Folgendes mit:

"Die Nummer wird von UUNET (*) für einen direkten Kunden betrieben, der diese wiederum an 'aackom' zur Unternutzung zur Verfügung stellt. Es existiert keine direkte Kundenbeziehung zwischen UUNET und 'aackom'. Von UUNET wurde für die Berechnung der Telefongebühren der Tarif für den direkten Kunden hinterlegt, der notwendige Änderungen beauftragen muss. Für die ordnungsgemäße Kommunikation des Tarifs ist 'aackom' als direkter Vertragspartner des Endkunden verantwortlich. Sollte eine falsche Tarifierung vorgelegen haben, müsste 'aackom' eine Rückvergütung regeln (info@aackom.de).
(*) UUNET ist der Wholesale Brand von MCI; WorldCom hat sich in MCI umbenannt. In der Telefonrechnung des Kunden stand der Abrechnungsbetrag für die Nummer zwischenzeitlich noch unter dem Begriff "WorldCom Online/Verbindungen zu WorldCom.
"

Sich an die E-Mail-Adresse von aacKOM zu wenden, hat aber wenig Sinn. Eine Antwort haben wir bisher nämlich noch nicht erhalten. Stellungnahme der RegTP
Außerdem haben wir Kontakt mit dem Pressesprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post aufgenommen. Wir wollten in Erfahrung bringen, inwiefern eine Informationspflicht der Internet-by-Call-Anbieter besteht. Da diese über keine Adressangaben o.ä. verfügen, ist ja eigentlich nur die Informierung über die Website des Anbieters möglich. Ist es die Pflicht der IbC-Anbieter nach § 305a Nr. 2b BGB eine Veröffentlichung der Tarifänderungen im Amtsblatt der RegTP vorzunehmen? Harald Dörr übermittelte uns zur Beantwortung der Fragen folgende Stellungnahme:
"Nach § 27 I S. 1 TKV trifft IbC-Anbieter die Pflicht, allgemeine Informationen (einschl. AGBs) für Endkunden zu veröffentlichen und in einer leicht zugänglichen Weise bereitzustellen. Dies kann nach § 27 I S. 3 TKV zum einen durch Veröffentlichung der AGBs im Amtsblatt der RegTP und Bereithaltung in den Geschäftsstellen erfolgen. Zum anderen kann die Veröffentlichung nach § 27 I S.4 TKV auch an anderer Stelle, bei IbC-Anbietern insbesondere auf deren Homepage, erfolgen. Eine Pflicht zur Veröffentlichung von AGBs im Amtsblatt der RegTP enthält § 305a Nr. 2 BGB nicht. Inwieweit eine Veröffentlichung im Amtsblatt zwingend erforderlich ist, um AGBs ohne Einhaltung der in § 305 Abs. 2 Nr. 1 und 2 BGB bezeichneten Erfordernisse einzubeziehen, kann die Regulierungsbehörde mangels Zuständigkeit nicht beurteilen. Die Entscheidung hierüber fällt letztlich in den Zuständigkeitsbereich der ordentlichen Gerichte."

In Hinsicht auf die Stellungnahmen der RegTP und von MCI ist also in erster Linie aacKOM für die korrekte Kommunikation der Preise mit dem Kunden verantwortlich. Das hilft betroffenen Usern wohl nicht weiter, antwortet aacKOM doch offensichtlich nicht auf E-Mails.
Bisher unbestätigten Gerüchten zufolge soll eine deutsche Firma oder zumindest der Geschäftsführer eines bekannten deutschen Internet-by-Call-Providers hinter der Abzockermasche stehen. onlinekosten.de rät weiterhin von der Nutzung des Anbieters aacKOM ab.

(Tobias Capangil)

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