Datenklau

Wer haftet bei Identitätsdiebstahl im Netz? - Anwalt Solmecke klärt auf

Ist ein Internetnutzer haftbar, wenn seine gestohlenen Daten missbräuchlich benutzt werden? In einem aktuellen Fall wurden Online-Shops auf Namen von Opfern eines Identitätsdiebstahls eröffnet und darüber gefälschte Markenware verkauft. IT-Anwalt Christian Solmecke beruhigt betroffene Nutzer und gibt Tipps zum Schutz vor Identitätsdiebstahl.

Jörg Schamberg, 12.10.2015, 16:14 Uhr
DatensicherheitIdentitätsdiebstahl im Internet nimmt stetig zu. Internetnutzer können sich aber vorbeugend schützen.© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Köln – Aktuell macht ein besonders dreister Fall von Identitätsdiebstahl in Medien die Runde. Tausende Nutzer wurden Opfer von Datenklau, darunter bislang auch rund 250 Menschen aus Deutschland. Mit gestohlenen Daten wie Namen und Adresse haben Kriminelle unter dem Namen ihrer Opfer Online-Shops eingerichtet und darüber gefälschte Markenware verkauft. Müssen die Betroffenen nun rechtliche Folgen wie Abmahnungen von den Markenherstellern befürchten? Der Kölner IT-Anwalt Christian Solmecke klärt über die Haftung bei Identitätsdiebstahl im Netz auf.

Nutzer müssen bei nachweislichem Identitätsdiebstahl nicht haften

Verunsicherte Internetnutzer beruhigt der Anwalt: "Wer nachweislich nichts von dem Online-Shop wusste, muss auch nicht haften. Betroffene sollten eine Strafanzeige erstellen, sobald sie von dem Datenklau erfahren", erläutert Anwalt Solmecke. Sollten Nutzer eine Abmahnung erhalten, so könnten sie mit der Vorlage der Strafanzeige deutlich machen, dass der Online-Shop nicht von ihnen betrieben worden ist. Nicht für alle gibt der Anwalt Entwarnung: "Problematisch kann es jedoch für diejenigen sein, die die gefälschten Markenprodukte erworben haben. Hier könnte es sein, dass die Ware vernichtet werden muss und die Besteller ihr Geld nicht zurückbekommen."

Der geschilderte Fall, dass mit gestohlenen Daten Online-Shops eröffnet werden, sei neu. Schon länger nutzen Cyberkriminelle jedoch gestohlen Daten, um damit selber im Netz einzukaufen. Die ahnungslosen Internetnutzer erfahren meist erst beim Blick auf die Kreditkartenabrechnung oder beim Eintrudeln einer hohen Rechnung von der Ausspähung ihrer persönlichen Daten. Die Nutzer sollten sofort eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten. Auch Auskunfteien, wie die Schufa, sollten laut Solmecke informiert werden.

Nicht bestellte Ware nicht bezahlen

Christian Solmecke rät betroffenen Nutzern, die eine Bestellung nicht getätigt haben, diese auch nicht zu bezahlen. Die Online-Shops müssten selbst erst einmal nachweisen, dass der Nutzer selbst die Ware bestellt hat. Die Shop-Nutzer sollten sich nicht von eventuell eingeschalteten Inkassobüros einschüchtern lassen. Die Forderungen der Online-Shops seien unberechtigt, da der angebliche Käufer Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sei.

Den Online-Kriminellen drohen laut dem IT-Anwalt wegen des Ausspähens und Abfangens von Daten Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr, Computerbetrug werde zudem mit Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren geahndet.

Bei der Beachtung einiger Regeln, können sich Internetnutzer laut Solmecke vorbeugend vor Datenklau schützen.

So schützen Sie sich vor Identitätsdiebstahl:

  • immer verschiedene Passwörter nutzen
  • Betriebssystem, Internetbrowser und Antivirensoftware immer auf dem aktuellen Stand halten
  • öffentliche Netzwerke am Besten nur mit Verschlüsselung der Datenübertragung nutzten
  • keine Nutzung von ungesicherten WLAN-Netzwerke, gerade beim Online-Banking droht hier Gefahr
  • Daten im Zweifel nie online angeben
  • bei angeblichen E-Mails von der Post oder der Bank immer misstrauisch sein
  • Vorsicht vor Betrügereien in Sozialen Netzwerken wie Facebook. Die Privatsphäre-Einstellungen der Online-Plattformen sollten entsprechend überprüft werden.
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