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Wenn der Gerichtsvollzieher ein letztes Mal klingelt

ISDN© Daniel Kühne / Fotolia.com
Fast 14 Monate musste Michael S. (Name geändert) auf sein Geld warten. 229,90 Euro hatte er für Einrichtungsgebühr und erste Monatsrate dem ehemaligen Flatrate-Anbieter Adnewmedia im Dezember 2001 überwiesen. Dieser jedoch schickte keine Zugangsdaten und stellte sich tot. Michael S. schaltete sofort einen Anwalt ein, doch die Mühlen des Rechtstaates mahlten langsam: Über ein Jahr musste er auf sein Geld warten.

Problem Vorkasse

Wer im Internet einkauft, kann dem Verkäufer nicht in die Augen schauen. Dieser allerdings auch nicht dem Käufer und erbittet sich Vorkasse. Doch was soll der geprellte Kunde tun, wenn das Geld weg ist und die Ware nicht kommt? Mal schnell vorbeifahren ist nur die zweitbeste Lösung: Der Rechtstaat sieht Mahnverfahren vor - mit oder ohne Anwalt - schließlich auch den Vollstreckungsbescheid und die Beauftragung eines Gerichtsvollziehers.

Michael S. ist diesen Weg gegangen. Sein Anwalt schrieb an Adnewmedia, doch von dort kam keine Reaktion. Fast fünf ganze Monate waren seit der Überweisung des Geldes ins Land gezogen, bis ein Vollstreckungsbescheid erwirkt war. Denn der Gerichtsvollzieherin erging es nicht anders als der Post: Briefe wie auch Mahnbescheide wurden nicht eigenhändig angenommen. Wertvolle Zeit verstrich.

Der Faktor Zeit

Die Gerichtsvollzieherin musste ein weiteres Mal ran, doch in Schwerin war man personell unterbesetzt. Darüber hinaus gilt wie überall in Deutschland: Kleine Beträge wandern auf die lange Bank. Noch mehr wertvolle Zeit verstrich. Ende September, also vier Monate nach der Ausstellung des Vollstreckungsbescheids, erfolgte der erste Besuch, sie wurde an der Tür abgewiesen. Weitere drei Monate wurden benötigt, um schließlich den letzten Cent einzutreiben.

Nicht jeder geprellte Kunde ist bereit, diesen Weg zu gehen. Schnell werden 200 Euro Vorkasse abgeschrieben. Das Vertrauen ist gering, sein Geld wiederzubekommen, die Angst allerdings groß, auch noch auf den Anwaltskosten sitzen zu bleiben. Im Fall von Michael S. musste Adnewmedia Gerichtsvollzieherin und Anwalt bezahlen. Für Michael S. hat sich seine Geduld ausgezahlt.

(Peter Giesecke)

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