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"Welt": Mobilfunker sehen Wirtschaftsboom

Die Mobilfunk-Branche sieht sich im Aufwind: die Chefs der 25 wichtigsten Konzerne haben einen Brief an die G20 geschrieben und versprechen darin weltweit mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze.

05.04.2009, 17:01 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Dass ein Motor durch Handy und Netztechnik gerettet werden kann, ist den Meisten bisher wohl eher aus der Pannenhilfe bekannt. Nun aber sehen die Chefs der Top-25-Mobilfunknetzbetreiber und Ausrüster ihre strategische Chance in der Krise gekommen: wo früher andere Industriezweige die Wachstumsmotoren der zwanzig weltgrößten Volkswirtschaften antrieben, will nun die Mobilfunk-Branche einspringen - und damit auch ihren politischen Stellenwert massiv steigern.
800 Milliarden US-Dollar
Ein entsprechender Brief mit weitreichenden Versprechungen und Forderungen wurde dafür an die G20 geschickt, so meldet die Onlineausgabe der "Welt". Mehr Wachstum und 25 Millionen Arbeitsplätze durch Investitionen in Höhe von 800 Milliarden US-Dollar versprechen darin die Konzernchefs. Zu den Unterzeichnern gehören neben René Obermann (Deutsche Telekom / T-Mobile), Vittorio Colao (Vodafone), Cesar Alierta (Telefónica), Olli-Pekka Kalasvuo (Nokia) und Carl-Henric Svanberg (Ericsson) auch mehrere Mobilfunkchefs aus Afrika und Asien.
Drei in Einem: Wirtschaftsschub, Entwicklungshilfe und Umweltschutz
Ermöglicht werden soll der Wirtschaftsboom mittels hoher Investionen in mobile Breitbandnetze - etwa auf Basis von UMTS - durch privates Kapital. Neben einem "Schub für die Weltwirtschaft" wird auch der "Zugang zum Internet auf breiter Basis" in Aussicht gestellt. Das bewirke signifikante Produktivitätssteigerungen und bringe soziale Vorteile mit sich, versprechen Obermann und Co. Insbesondere in Schwellenländern sollen die Effekte der Investitionsoffensive in mobiles Internet schnell sichtbar werden. So führe ein zehnprozentiger Anstieg des Mobilversorgungsgrades in diesen Regionen zu einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent pro Jahr. Weltweit seien sogar drei bis vier Prozent erreichbar, da das mobile Breitband die Produktivitätsrevolution der Mobiltelefonie wiederhole, so die Verfasser des Briefes. Auch habe ein mobiles Breitbandnetz in Verbindung mit anderen IT-Lösungen das Potential, den weltweiten CO2-Ausstoß bis 2020 um mindestens 15 Prozent zu senken. Das Gesundheits- und Bildungswesen sowie die Zivilgesellschaft könnten außerdem mittels E-Government-Lösungen revolutioniert werden.
Im Gegenzug erwarten die Mobilfunker die Erfüllung von zwei Bedingungen. So müssten die benötigten Funkfrequenzen an die Mobilfunkkonzerne zugeteilt werden. Darüber hinaus sei ein stabiles, berechenbares und durch minimales Eingreifen gekennzeichnetes Regulierungsumfeld vonnöten. Mit Blick auf die Europäische Union wurde in diesem Zusammenhang "eine Tendenz zunehmenden, ordnungspolitischen Eingreifens" bemängelt, berichtet "Welt Online". Dieses finde oftmals dort statt, wo es fehl am Platz sei, monierten demnach die Konzernlenker.

(Christian Wolf)

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