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Wegen Smartphones und Tablets: Kinder können nicht mehr schreiben

Bögen, Schwünge, Zickzack-Linien: Was früher selbstverständlich war, fällt vielen Kindern heute schwer. Auch die Handschrift hat darunter zu leiden. Eine Forscherin erklärt, warum.

16.06.2014, 16:59 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Schreiben mit "Dach" und Keller" - da kommen Erinnerungen hoch an die ersten Grundschultage und die Schulheft mit den Vierfachlinien. Pädagogen stellen fest: Eine Kunst, die vom Aussterben bedroht ist. Viele Erstklässler scheitern an der vergleichsweise einfachen Übung, so Bildungsforscherin Stephanie Müller laut "welt.de".

Mama und Papa schreiben auch nie per Hand

Etwa 70 Prozent der Schüler brächten nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für Schleifen, Schlangen- oder Zickzacklinienmit. Der Grund: zu wenig Bewegung, Geräte wie Smartphones und Tablets - und zu wenig Anleitung durch die Eltern. Weder sehen sie Papa und Mama mit der Hand schreiben, noch stehen diese ihren Sprösslingen so oft zur Seite wie früher, wenn sie das Schreiben üben sollen. Das wiederum bekommen die Grundschullehrer zu spüren, so Müller.

Früher habe man viel draußen gespielt und sei auf Bäume geklettert, zitiert "welt.de" die 46-jährige. Die Kinder von heute könnten in der dritten Klasse oft nicht gerade rückwärtsgehen oder freihändig auf einem Bein stehen. Gleiches gelte für Standards wie einen Faden einfädeln und eine Schleife am Schuh binden: Druckknöpfe und Kreppverschlüsse machten das Leben zwar einfacher, die Motorik aber werde durch diese Hilfsmittel nicht gefördert. Statt dem Füller zu schwingen tippten die Kinder lieber auf Displays. "Dafür braucht man nur den Zeigefinger oder beide Daumen zum Tippen oder das Handgelenk, wenn man über das Pad wischt."

Kein Vorbild: Auch Lehrer halten den Stift falsch

Auch in der Lehrerausbildung müsse ein Umdenken stattfinden, so die Kunst- und Medienpädagogin. Auch hier beobachtet sie Hilflosigkeit: Nur wenige Lehrer wüssten noch, wie man den Kindern das Schreiben beibringt. Und sie hätten wegen des vielen Unterrichtsstoffs in den höheren Klassen auch gar keine Zeit dafür. Müller: "Seit zwei Jahren kommen selbst im Lehrer-Seminar junge Anwärter zu mir, die nicht mehr schreiben können. Und wenn schon die Lehrerin den Stift falsch hält, wie soll es dann der Schüler lernen?"

Zwischen Kita und Grundschule sei daher ein Jahr nötig, in dem die Kinder die Grundfähigkeiten für das Schreiben lernen, sagt Müller. Die Bedeutung der Schreibschrift dürfe nicht unterschätzt werden. Zum einen sei der Lerneffekt bei der Schreibschrift mit verbundenen Buchstaben höher als bei der Druckschrift. Zum anderen gehe es auch um ideelle Werte: Eine handgeschriebene Geburtstagskarte habe immer noch einen höheren Stellenwert als eine SMS. Auch Regeln dieser Art müssten vermittelt werden, betont Müller.

(Dorothee Monreal)

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