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Webprojekt KZ Theresienstadt: Stumme Zeugen des Grauens

Ein Kerzenbild, eine Jesuszeichnung, eingeritzte Namen: 70 Jahre waren Relikte des KZ Theresienstadt verborgen geblieben. Nun kommen sie auf ghettospuren.de ans virtuelle Tageslicht und zeugen vom Alltag eines grausamen Ausnahmezustands.

07.10.2014, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Victoria / Fotolia.com

Ein gelber Davidstern auf rotem Grund, zwei Marienkäfer, die sich die Hand halten, die Umrisse einer Gebetskerze: Für ein neues Internetprojekt wird im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) nach Spuren der einstigen Lagerinsassen gesucht. Die Macher von "Ghettospuren" durchkämmen dafür die Dachböden der früheren Festungsstadt. Im KZ Theresienstadt starben während der Nazi-Besatzung rund 33.500 Menschen, mehr als 80.000 wurden in Vernichtungslager deportiert.

Nach 70 Jahren ans Licht der Welt

Der rote Davidstern stellte sich bei Nachforschungen als Teil einer Theaterdekoration heraus, die Marienkäfer verzierten die Wände eines Kinderzimmers. Andere Zeichnungen zeigen Wanzen und legen Zeugnis ab von den katastrophalen hygienischen Zuständen. Ein niederländischer Insasse notierte: "O Wanze, o Wanze, o Wanze, o unheimliches Biest, was tanzt du die ganze Nacht auf mir herum."

Viele KZ-Häftlinge, die nach dem Weitertransport in Auschwitz ermordet wurden, ritzten ihre Namen ins Mauerwerk. Darunter sind Felix Althertum, der mit einem Alterstransport nach Theresienstadt verschleppt worden war, oder der Wiener Samuel Rosen.

Doch viele Spuren sind in der heutigen Kleinstadt, in der rund 2.000 Menschen leben, bereits zerstört worden. "Fast 70 Jahre lang hat sich fast niemand für diese Relikte der Vergangenheit interessiert", bedauern die Initiatoren des Projekts, das unter anderem vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert wird.

(Dorothee Monreal)

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