ANGA COM

Was wird aus Unitymedia nach der Übernahme durch Vodafone?

Unitymedia und Vodafone betonten auf der ANGA COM die Chancen für den Breitbandmarkt in Deutschland, den das Zusammengehen der beiden Kabelnetzbetreiber ermögliche. Telekom-Deutschlandchef Wössner kritisiert den Deal vor allem wegen des Kabel-TV-Marktes.

ANGA COM 2018 Einträchtig nebeneinander auf der ANGA COM: Dr. Manuel Cubero, Dirk Wössner und Lutz Schüler (v.l.).© i12 GmbH

Köln – Die geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia (www.unitymedia.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) durch Vodafone bot am Mittwoch auf der Fachmesse ANGA COM in Köln Stoff für Diskussionen. TV-Moderator Claus Strunz hakte im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei Unitymedia-Chef Lutz Schüler, bei Dr. Manuel Cubero, Mitglied der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland sowie bei Telekom Deutschland-Chef Dirk Wössner nach.

Unitymedia-Chef: "Wir sind Jäger, wir wollen jagen"

Provokant fragte Strunz Unitymedia-Chef Schüler, ob er sich kaufen lassen habe. "Vodafone hat uns einen guten Preis gezahlt", betonte Schüler. Liberty Global, die Muttergesellschaft von Unitymedia, sei ein Unternehmen, das Wert schaffe. Zudem bescheinigte Schüler dem, was künftig neu zusammenwachse, gutes Potential für Innovationen in Deutschland. "Wir sind Jäger, wir wollen jagen", so die Einschätzung des Unitymedia-Geschäftsführers.

Der in Köln ansässige Kabelnetzbetreiber biete in Bochum bereits nahezu flächendeckend Kabel-Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit an. Damit ist der Kölner Anbieter Vodafone (www.vodafone.de/kabel Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) zuvorgekommen. Vodafone zahle den Kaufpreis nach Überzeugung von Schüler nicht nur für das Netz, sondern auch für die Menschen bei Unitymedia. Wie viel von den rund 2.700 Unitymedia-Mitarbeitern nach der Fusion jedoch noch an Bord sein werden, bleibt jedoch unklar. Laut Schüler werde es viel Umsatzsynergien geben. Und was wird aus dem Unitymedia-Chef selbst? Er könnte sich vorstellen, wieder surfen zu gehen. Damit würde sich für ihn ein Kreis schließen. Denn dies habe er bereits vor seinem Einstieg ins Telekommunikationsgeschäft gemacht, der damals für ihn bei T-Mobile begonnen und ihn unter anderem über O2 zu Unitymedia geführt hatte.

Cubero: Nach Fusion haben Vodafone und Unitymedia rund 20 Prozent Anteil im Festnetz

Vodafone-Manager Dr. Manuel Cubero versuchte im Hinblick auf die Unitymedia-Mitarbeiter zu beruhigen. Er selber kommt von Kabel Deutschland, den Kabelnetzbetreiber hatte Vodafone vor einigen Jahren übernommen. In manchen Bereichen werde es nach dem Zusammengehen von Vodafone und Unitymedia mehr Mitarbeiter geben, in anderen weniger. Die Märkte von Unitymedia und Vodafone überlappen sich nicht, man brauche also weiterhin Techniker und andere Mitarbeiter.

Wie bereits kürzlich angekündigt, wolle man bis 2022 rund 25 Millionen Kabelhaushalte auf 1 Gbit/s beschleunigen. In dieser Zahl enthalten sind auch die Unitymedia-Kabelkunden. Das sei gut für die Endkunden, die Konkurrenz und für Deutschland. Die im kommenden Jahr erwartete Entscheidung zur Fusion würden die EU-Wettbewerbshüter treffen. Nach dem Zusammenschluss würden Vodafone und Unitymedia rund 20 Prozent Marktanteil mit Kabelkunden im Festnetzmarkt haben. Über die Kabelnetze empfingen 37 Prozent der Fernsehkunden die Programme, die Zahl der Kabel-TV-Kunden schrumpfe jedoch. "Wir glauben, dass die Fusion die Konkurrenz in Deutschland stärken wird", so Cubero. Denn auch andere Anbieter wie die Telekom müssten etwa mehr in Glasfaser investieren.

Kritik der Telekom an geplantem Deal

Telekom-Deutschlandchef Wössner kritisierte den geplanten Deal von Vodafone und Unitymedia vor allem wegen des Kabel-TV-Geschäfts. Auf diesem Markt sei die Telekom eher ein kleinerer Anbieter, Wössner verwies hier auf die künftige Dominanz von Vodafone nach dem Zusammengehen mit Unitymedia. Vor allem bei den rund 10 Millionen Haushalten in den Wohnungen der Wohnungswirtschaft würden die Kabelnetzbetreiber eine sehr starke Rolle spielen. Diese Dominanz auf dem Kabel-TV-Markt habe Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit der Telekom. Wössner sprach sich für faire Wettbewerbsbedingungen in allen Bereichen aus.

Den Telekom-Manager stört insbesondere, dass Vodafone und Unitymedia Einspeiseentgelte von den TV-Sendern erhalte, kleinere Kabelanbieter wie der Bonner Konzern dagegen nicht. Die Telekom müsse sogar für Inhalte bezahlen. Bei Genehmigung der Fusion von Vodafone und Unitymedia werde die Telekom unter diesen Rahmenbedingungen im Wettbewerb stehen müssen. Es sei ein Kampf mit einer zurückgebundenen Hand, so die Einschätzung Wössners. Dennoch werde sich die Telekom diesem Konkurrenzkampf stellen.

Unitymedia-Chef: Politik sollte dem Markt vertrauen

Unitymedia-Chef Schüler appellierte in Köln an die Politik, dem Markt mal zu vertrauen. Bei Glasfaser sei Deutschland im Hinterfeld, bei Durchschnittsgeschwindigkeiten dank der Kabelnetzbetreiber im Mittelfeld in Europa. Durch die geplanten Gigabit-Bandbreiten im Kabelnetz sei auch die Telekom zur Investition in Glasfaser gezwungen. Die Politik müsse die Fusion daher zulassen, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb vorankomme. Telekom-Chef Tim Höttges hatte kürzlich erklärt, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren stärker in den Glasfaserausbau einsteigen werde und bis zu 2 Millionen Glasfaseranschlüsse pro Jahr realisieren wolle.

Breitbandexperte Gerpott erwartet Genehmigung der Unitymedia-Übernahme

Wie sieht es nun um die Chancen für grünes Licht aus Brüssel für die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone aus? In einem anderen Diskussionspanel auf der ANGA COM gab Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, einer der führenden Breitbandexperten Deutschlands, seine Einschätzung ab. Es werde vermutlich Auflagen insbesondere für den Kabel-TV-Markt geben. Am Ende des Tages würde man aber den Deal sehen.

Jörg Schamberg

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