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Was bringt Longhorn, und wann?

Microsoft gibt sich bei Longhorn sehr offen: Die Pre-Beta gibt bereits einen ersten Eindruck der nächten Windowsgeneration, deren Release allerdings noch auf sich warten lässt.

21.05.2005, 09:51 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Noch nie lag eine so lange Zeitspanne zwischen zwei Windows-Betriebssystemen: Nach Windows 95, Windows 98, Windows 2000 sind seit dem Erscheinen von Windows XP (2001) inzwischen schon rund vier Jahre verstrichen, in denen Microsoft noch kein neues System für den Privatanwender präsentiert hat. Jetzt endlich soll das neue Windows Betriebssystem im Sommer 2006 erscheinen.
Keine halben Sachen
Eigentlich wollte Microsoft das Neue mit dem Codename Longhorn schon erheblich früher auf den Markt bringen. Aber insbesondere die Sicherheitsprobleme von Windows XP machten den Entwicklern einen Strich durch die Rechnung. So mussten die Redmonder im letzten Jahr statt am neuen Betriebsystem an Sicherheitsproblemen von XP werkeln. Erst nach der Fertigstellung des Service Pack 2 für Windows XP konnten sich die Entwickler wieder voll auf Longhorn konzentrieren.
Microsoft will bei Longhorn tunlichst vermeiden, wieder ein Betriebssystem zu präsentieren, das im Nachhinein durch zahlreiche Patches ausgebessert werden muss. Daher steht vor allem die Systemsicherheit im Vordergrund der Entwicklung. Damit sich peinliche Sicherheitslücken á la Sasser-Wurm nicht wiederholen, geht Microsoft neue Wege: Wurden bisherige Windowsversionen noch hinter Schloss und Riegel entwickelt, verteilte Microsoft nun hingegen auf der Windows Engineering Conference (WinHEC) Ende April offenherzig die Pre-Beta Version von Longhorn an die teilnehmenden Entwickler.
Offen gelegt
Auch die Abonnenten des Microsoft Development Forums erhalten eine solche Version, weitere Versionen wie die Beta sollen ebenfalls weitergegeben werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit Entwicklern aus aller Welt soll die Programmierung von Geräte-Treibern beschleunigt werden und insbesondere potenzielle Sicherheitslücken möglichst schon vor dem Release erkannt und beseitigt werden. Die aktuelle Pre-Beta gibt einen ersten Eindruck über das kommende Betriebssystem. Laut dem Microsoft Vizepräsident Jim Allchin sind allerdings erst ein Drittel der Funktionen der finalen Version eingebunden. So fehlen in der Pre-Beta unter anderem die angekündigte Netzwerk-Schnittstelle Indigano, die Grafik-Engine Avalon und das Dateisystem WinFS.
Neues Gesicht
Im Netz veröffentlichte Screenshots der Pre-Beta mussten auf den Druck von Microsoft hin wieder entfernt werden. Microsoft fürchtet dabei insbesondere um das neue User-Interface, für das noch kein Patent angemeldet ist. Immerhin stellte Bill Gates in seiner Rede auf der WinHEC aber schon die wesentlichen Neuheiten des Betriebssystems vor.
Der Desktop glänzt weniger durch knallige Farben wie bei Windows XP, sondern durch ein schickes 3D-Design, das sich Aero-Modus nennt und zahlreiche visuelle Effekte bietet: Fenster, Icons und Menüleisten werden dreidimensional dargestellt. Zudem ist das Öffnen und Schließen von Fenstern animiert. Menüs und Fenster können für eine besser Übersicht auch halbdurchsichtig dargestellt werden. Für Nutzer, die gerne Abwechslung auf ihrem Desktop haben, kann das komplette Design mit einem Klick ausgetauscht werden.
Sneak Preview
Die Bedienung von Longhorn will Microsoft durch grafische Ordner und Symbole vereinfachen, die durch eine eingeblendete Vorschau Einsicht in den Inhalt gewähren. Einzelne Dateien können zu so genannten List-Dateien zusammengefügt werden, die ähnlich wie Ordner einen Überblick auf mehrere Dateien gewähren. Die Suchfunktion soll durch Meta-Informationen präziser und schneller werden. Die Suche beschränkt sich also nicht mehr nur auf den Dateinamen: Jeder Datei können Schlüsselwörter hinzugefügt werden, über die sich die Datei dann wieder finden lässt. In Longhorn hat Microsoft endlich ein Anti-Malware Programm integriert, das gegen die Flut von Spyware, Adware und Phishing ankämpfen soll. Zudem will Microsoft die Nutzer-Verwaltung und des Startvorgang verbessern haben, um die Infektion durch Viren einzudämmen. Die neue Funktion "Hot-Patching" soll es dem Nutzer ermöglichen, wichtige Updates auch ohne Neustart des PCs durchzuführen. Bill Gates versicherte in seiner Rede auf der WinHEC, dass man bei der Entwicklung am meisten Aufwand in den Bereich Sicherheit investiere.
Hardware Hunger
Nutzer von älteren PCs dürften wohl nicht in den Genuss des neuen Betriebssystems kommen. Bill Gates nannte als Hardwareanforderung für Longhorn einen modernen Prozessor, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und eine Grafikkarte, die zu den Longhorn Treibern kompatibel ist. Welche Grafikchips damit genau gemeint sind, ist noch nicht zu sagen. Mit einem DirectX9-Chip wie dem Radeon 9600 oder der GeForce 5600 sollte man aber auf der sicheren Seite sein.
Diejenigen, die einen 32-Bit-Prozessor im Rechner haben, lässt Microsoft übrigens nicht im Stich. Obwohl Microsoft mit dem Erscheinen von Windows X64 die Gleise zukünftig auf 64-Bit stellt, ist für Longhorn neben einer 64-Bit-Version auch eine 32-Bit-Variante geplant.
Fahrplan unbestimmt
Microsoft werkelt momentan mit Hochdruck an der Fertigstellung von Longhorn. Die erste Beta-Version von Longhorn soll bereits im Juni dieses jahres scheinen. Ende 2006 soll das Betriebssystem dann endlich erscheinen. Einen genauen Termin gibt es jedoch nicht. Auf der WinHEC machte Bill Gates deutlich, dass es ihm bei der Entwicklung nicht auf eine baldige Fertigstellung ankommt: "Longhorn soll bei Weitem das hochwertigste Release werden, dass wir je gemacht haben. Wenn nötig, werden wir weitreichende Veränderungen vornehmen und mehr Zeit in die Entwicklung stecken".

(Klaus Wiesen)

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