Security

Wardriving: Fremdsurfer auf der Anklagebank

Wardriver sind ein geiziges, neugieriges Völkchen: Sie spüren fremde WLAN-Netze auf, parken mit ihren Autos vor den Häusern der unfreiwilligen Anbieter und sparen sich auf diese Weise im besten Fall eigene Anschlussgebühren.

06.07.2006, 13:58 Uhr
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Wardriver sind ein geiziges, neugieriges Völkchen: Sie spüren fremde WLAN-Netze auf, parken mit ihren Autos vor den Häusern der unfreiwilligen Anbieter und sparen sich auf diese Weise im besten Fall eigene Anschlussgebühren. Schlimmstenfalls wühlen sie im Netz des Opfers oder laden über den fremden Anschluss urheberrechtlich geschützte oder pornografische Dateien auf das eigene Notebook. Im US-Bundesstaat Oregon hat es nun einen Wardriver erwischt, wie Silicon.de berichtet.
Neugieriger Wardriver
Der Wardriver fuhr regelmäßig durch seine Heimatstadt im amerikanischen Mittelwesten und suchte nach offenen WLANs, um diese für seine Surf-Eskapaden vom Auto aus zu nutzen. Bei einem Café wurde er fündig: Der Betreiber hatte ein WLAN für seine Kunden eingerichtet und offensichtlich die Verschlüsselung vergessen.
Der Ort scheint für eine gepflegte Internet-Session optimal gewesen zu sein, denn fortan kehrte der Fremdsurfer regelmäßig zur Quelle des kostenlosen Internets zurück. Dazu parkte er einfach auf dem Kundenparkplatz und packte einen Laptop aus. Ein gutes Beispiel, wohin Geiz führen könnte: Zum Preis einiger Tassen Kaffee hätte er legal und kostenlos im WLAN des Cafés surfen dürfen.
Nerviger Besuch
Den Mitarbeitern des Cafés, die ihn nach einer gewissen Zeit bemerkten, wurde der Mann nach und nach lästig. Sie riefen die Polizei, die Alexander erst einmal auf sein Vergehen hinwies. Als er trotzdem zurückkam, wurde er verhaftet.. Nun steht der Mann in Oregon vor Gericht. Die Anklage lautet auf "Diebstahl von Dienstleistung", ein uraltes Gesetz in eigentlich jedem zivilisierten Land, das sich ursprünglich gegen Zechprellerei richtete. Offensichtlich kann aber auch Wardriving über diese Paragraphen abgedeckt werden. Schließlich ist ein WLAN für die Gäste eine Dienstleistung, die der Wirt des Cafés nicht uneigennützig installiert hat: Es soll die Gäste halten und zum Verzehr animieren.
Rechtslage in Deutschland
Die Beziehung der Anklage auf eine in Anspruch genommene Dienstleistung, unabhängig davon, ob es sich um die Dienste eines Kellners oder eines WLAN-Routers handelt, dürfte zumindest in den USA Schule machen. In Deutschland ist reines Fremdsurfen bisher hingegen nicht strafbar, weil es nicht unter den "Wardriving-Paragraphen" §202a fällt. Dort heißt es: "Wer unbefugt Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, sich oder einem anderen verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Auch ein Erschleichen von Leistungen nach §265a StGB findet nicht statt, weil ein privates WLAN kein "öffentlichen Zwecken dienendes Telekommunikationsnetz" ist. Mit anderen Worten: Ein Wardriver in Deutschland, der über die fremde Leitung ausschließlich im Internet surft und keine Daten aus dem Netzwerk aushorcht, ist derzeit noch auf der sicheren Seite.

(Christian Rentrop)

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