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VZ warnt vor falschen Filesharing-Abmahnungen

Bekannte Masche, neue Version: die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, eine Hamburger Rechtsanwaltskanzlei und die Hamburger Rechtsanwaltskammer warnen derzeit vor betrügerischen Abmahn-E-Mails mit dem Betreff "Ermittlungsverfahren gegen Sie".

27.10.2010, 17:01 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

"Mittlerweile könnten wir fast täglich vor Betrug im Internet warnen", sagte unlängst eine Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale gegenüber onlinekosten.de. Mit immer neuen Methoden versuchen Online-Kriminelle ihre Opfer auszunehmen und einzuschüchtern. Oft sind es aber auch Abwandlungen bekannter Betrugsmaschen, die mit schöner Regelmäßigkeit massenhaft zum Einsatz kommen. So auch in einem aktuellen Fall, vor dem unter anderem die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt. In gefälschten E-Mails einer Anwaltskanzlei werden Internetnutzer dabei im Namen des Essener Pornofilm-Produzenten Videorama GmbH einer Urheberrechtsverletzung bezichtigt und unter Strafandrohung aufgefordert, einen dreistelligen Geldbetrag zu überweisen. Auch auf dem Mailserver von onlinekosten.de schlug die besagte E-Mail bereits auf.

Betreff: "Ermittlungsverfahren gegen Sie"

Leicht abgewandelte Betrugsversuche ähnlicher Couleur gab es bereits im Juni sowie September. Angeblicher Absender der jüngsten Drohschreiben ist der Hamburger Rechtsanwalt Florian Giese, der unter anderem für die Musik- und Filmindustrie tatsächliche Vergehen abmahnt. Dabei verwendete E-Mail-Adressen verweisen auf die anonym in den Niederlanden registrierten und mittlerweile gelöschten Domains ra-giese.info und rechtsanwalt-giese.info. Die zugehörigen Server wurden in Russland lokalisiert. Sowohl Giese als auch die Hamburger Rechtsanwaltskammer warnen seit einigen Wochen auf ihren Websites vor der Masche. Auch eine Strafanzeige wurde demnach bereits gestellt, die derzeit von der Kriminalpolizei in Hamburg bearbeitet wird. (Aktenzeichen: 023/1K/686073/10).

Auffälligstes Merkmal der E-Mails mit dem Betreff "Ermittlungsverfahren gegen Sie" sind die vollständig fehlenden deutschen Umlaute. Davon abgesehen haben die Täter allerdings auf eine professionelle Aufmachung geachtet. Betroffenen wird vorgeworfen, verschiedene MP3-Dateien aus einem Filesharing-Netzwerk heruntergeladen zu haben. Flankierend werden nicht nur verschiedene Paragrafen des Urheberrechts zitiert; auch eine IP-Adresse und ein falsches Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft Essen untermauern die Forderungen.

Betrüger fordern Zahlung von 100 Euro

Unter Androhung von Hausdurchsuchungen und hohen Schadensersatzzahlungen wird den Empfängern anschließend das Angebot unterbreitet, gegen Zahlung von 100 Euro eine Einstellung des angeblich bereits laufenden Verfahrens zu erwirken. Transferiert werden soll die Geldsumme über das Ukash- oder das PaySafeCard-Verfahren. Dabei wird gegen Zahlung eines beliebigen Bargeldbetrages ein gleichwertiger 19-stelliger PIN-Code erworben, der anschließend für Interneteinkäufe verwendet werden kann.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt Geschädigten, umgehend Strafanzeige bei einer örtlichen Polizeidienststelle zu erstatten. Darüber hinaus weisen die Verbraucherschützer darauf hin, dass Abmahnschreiben der für die Filme- und Musikindustrie tätigen Anwälte ausschließlich auf dem Postweg versandt werden. Auch enthielten diese generell eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung. Weitere Informationen zum Thema Abmahnung und Urheberrechtsverletzungen finden sich unter www.vz-rlp.de/urheberrecht.

(Christian Wolf)

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